Leichtathletik

Gesa Krause nach Rippenbruch: "All in für die WM in Tokio"

Gesa Krause musste nach ihrem Rippenbruch eine Pause einlegen und auf die Deutschen Meisterschaften verzichten. Jetzt will die Hindernisläuferin bei den Weltmeisterschaften in Tokio ins Finale laufen.

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Von Autor/in Marcel Fehr

Durch einen Sturz beim Diamond League Meeting Mitte Juni in Oslo hatte sich Hindernisläuferin Gesa Krause (Silvesterlauf Trier e.V.) eine Rippe gebrochen. Die ehrgeizige Athletin stand bereits acht Tage später beim nächsten Wettkampf in Paris am Start und unterbot dort trotz Verletzung mit 9:28,75 Minuten die Bestätigungsnorm für die Weltmeisterschaften in Tokio. "Als Athlet ist man so gepolt, dass man sich schnell aufrappelt und weitermacht", erinnert sich Krause an die ersten Wochen nach dem Sturz.

Doch das Ankämpfen gegen den Schmerz und die Verletzung blieb nicht ohne Folgen. "Mein Sturz hat eine Reihe von Kettenreaktionen ausgelöst. Lange habe ich dagegen angekämpft, statt zu akzeptieren, dass mein Körper gerade keine Höchstleistung bringen kann", erklärt die Dillenburgerin auf ihrem Social Media Kanal. Beim Diamond League Rennen in Eugene Anfang Juli musste Gesa Krause das Rennen abbrechen. Anstatt weiter Wettkämpfe zu bestreiten hat sie die Reißleine gezogen und sich eine Auszeit genehmigt.

Gesa Krause zieht Reißleine: Keine Wettkämpfe, kein Social Media

Mehrere Folgeverletzungen unter anderem an der Achillessehne und am Becken hatten die erfahrene Hindernisläuferin zur Vernunft gebracht. Für sie war eine Pause die einzige Chance, bis zur WM wieder fit zu werden: "Dieser Aufprall hat mein komplettes System runtergefahren. Ich kann jetzt nicht einfach so weitermachen und mich vom einen ins nächste Problem manövrieren." Deshalb musste sie auch ihren Start beim ISTAF in Berlin und den Deutschen Meisterschaften in Dresden absagen.

Für einige Zeit hat sich die Europameisterin im 3.000-Meter-Hindernislauf von 2018 abgeschottet: keine Wettkämpfe und keine Medien. Sie hat die Zeit gebraucht, um sich zu erholen: "Mein Fokus lag darauf, innerlich und äußerlich zu heilen und behutsam zu trainieren." Vor allem die mentale Komponente hat der erfolgreichen Leichtathletin zu schaffen gemacht. "Körperlich kann ich viel einstecken, aber meine ganzen Pläne über den Haufen zu werfen, das war für mich mental der härtere Part", verrät sie. Die Entscheidung für die Auszeit, war für sie genau richtig: "Das hat mir den Ballast von den Schultern genommen und ich konnte positiv nach vorne blicken."

Gesa Krause jongliert Familie und Leistungssport: "Lola hält uns alle sehr auf Trab"

Im April 2023 kam Gesas Tochter Lola auf die Welt. Seitdem hat sich ihr Alltag auf den Kopf gestellt. Für sie war trotzdem klar, dass sie den Leistungssport und das Familienleben unter einen Hut bekommen möchte: "Das erste Jahr war das schwierigste, weil es eine komplett neue Situation war." Mittlerweile hat sich alles eingependelt. Zusammen mit einer Tagesmutter und ihrer Familie managt Gesa Krause ihr Sport- und Privatleben. "Natürlich ist es immer noch was anderes, wenn man auch als Mama in so ein Trainingslager reist. Man hat eine andere Verantwortung und muss logistische Herausforderungen meistern", erzählt die Spitzenleichtathletin. So ist auch ihr Interview mit SWR Sport so getimt, dass Tochter Lola zeitgleich ihren Mittagsschlaf macht und das Training und Mittagessen bereits erledigt ist.

"Je älter sie wird, desto mehr hält uns Lola alle auf Trab", erzählt Gesa Krause mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Trotzdem hat sie noch immer genügend Ruhepausen und achtet auf ihre Regeneration: "Ich schlafe selten unter 8 Stunden und zum Glück macht Lola das auch möglich." Tagsüber ist es trotzdem eine Herausforderung, denn als Leistungssportlerin kommen bei ihr pro Woche bis zu 150 Kilometer und mehrere Trainingsstunden pro Tag zusammen. "Manchmal wünsche ich mir, dass der Tag einfach mehr als nur 24 Stunden hat", gesteht die Langstreckenläuferin.

Gesa Krause möchte bei der WM ins Finale: "All in für Tokio"

Die Hindernis-Spezialistin blickt bereits auf viele internationale Erfolge zurück. Unter anderem hat sie schon zweimal eine Bronzemedaille bei Weltmeisterschaften gewonnen. Auch in diesem Jahr möchte die 33-Jährige bei der WM in Tokio (13. bis 21. September) wieder in Top-Form sein: "Ich weiß noch nicht, wie viele solcher Meisterschaften es noch für mich geben wird. Vielleicht ist es für mich die letzte WM über 3.000 Meter Hindernis, deshalb habe ich gesagt, ich gehe all in." Vor den holprigen Verletzungswochen war Gesa Krause in einer guten Form. Auch wenn sie das in den Wettkämpfen bisher nicht zeigen konnte, möchte sie daran anknüpfen und bis Tokio wieder topfit werden.

Boom in der deutschen Laufszene pusht Gesa Krause

Das Niveau der deutschen Laufszene hat sich in den vergangenen Monaten deutlich angehoben. Zahlreiche Deutsche Rekorde sind gepurzelt, unter anderem hat Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics) dem Olympiasieger von der schwäbischen Alb Dieter Baumann den 5.000 Meter-Rekord abgenommen, Robert Farken (SG Leipzig) bricht mit 3:30,80 über 1500 Meter einen der ältesten Rekorde der deutschen Leichtathletik und bei Gesa Krauses männlichen Kollegen über 3.000 Meter Hindernis verbessert Frederik Ruppert (LAV Tübingen) den Deutschen Rekord auf unglaubliche 8:01,49 Minuten.

All diese Leistungen motivieren die 33-jährige Dillenburgerin, sich im Training weiter an ihre Grenzen zu pushen: "Das ist motivierend zu sehen, weil man weiß, da ist was möglich, wenn man weiter an sich glaubt und weiter an sich arbeitet." Gesa Krause selbst hält bereits den Deutschen Rekord über ihre Paradedisziplin. Darauf möchte sie sich aber nicht ausruhen: "Man läuft um schneller zu werden, das trage ich auch in mir und das ist eben auch der Deutsche Rekord. Und wenn man den verbessern kann, ist das auf jeden Fall schön." Mit dem Rückenwind aus der deutschen Laufszene, wünscht sich die Dillenburgerin, dass für die Läuferinnen und Läufer bei der WM in Tokio Top-Platzierungen möglich sind.

Über Sankt Moritz und Trier zur WM nach Tokio

Zusammen mit ihrem Trainer, ihrer Trainingsgruppe und ihrer Familie hat Gesa Krause für die kommenden Wochen die Zelte in Sankt Moritz in der Schweiz aufgeschlagen. Im Höhentrainingslager auf 1.822 Meter über dem Meeresspiegel möchte sie in Ruhe an ihrer Form feilen. Dank ihrer Familie vor Ort, die sich während ihrer Trainingseinheiten um Tochter Lola kümmert, hat Gesa Krause die Freiheit sich voll auf den Sport zu konzentrieren: "Meine Familie gibt mir Rückhalt und macht mich auch persönlich glücklich und zufrieden."

Beim Flutlichtmeeting in Trier (2. September) möchte sie noch einen Testwettkampf bestreiten, vermutlich über die 800- oder 1.500-Meter-Distanz. Je nach Trainingsstand könnte sie sich vorher noch einen weiteren Wettkampf vorstellen. Danach wird sie wenige Tage vor ihrem WM-Wettkampf nach Tokio reisen. International sind bereits viele Athletinnen über die 3.000-Meter-Hindernis-Distanz unter neun Minuten gelaufen. Um wieder in die Medaillenränge zu laufen, müsste Gesa Krause vermutlich ihren Deutschen Rekord von 09:03,30 deutlich verbessern. Aber sie ist auch realistisch: "Ich möchte bei der WM ins Finale laufen, das ist das Ziel, darauf lege ich meinen vollen Fokus." Ihren Ehrgeiz hat sie allerdings nicht verloren. Denn nach einer kurzen Pause ergänzt sie: "Aber wenn ich dann schon im Finale bin, dann schauen wir weiter."

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Autor/in
Marcel Fehr
Marcel Fehr auf der CMT