Tour-Star aus Laichingen

Radprofi Lipowitz: Souverän von der Tour de France ins TV-Studio

Florian Lipowitz hat bei seiner ersten Tour de France Eindruck hinterlassen. Bei SWR Sport spricht er über besondere Erfahrungen, einen neuen Teamkollegen und große Vorfreude.

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Große Menschenmengen, Jubel und Applaus – all das ist Florian Lipowitz spätestens seit diesem Sommer gewohnt. Da kletterte er bei der Tour de France monumentale Berge hoch, sprintete mutig und sicherte sich so das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers. Trubel und die große Bühne könnten für den 25 Jahre alten Radprofi also fast schon Normalität sein. Auf einer anderen Bühne, der eines Fernsehstudios, war Lipowitz bis zum Sonntag allerdings noch nie.

Das Spalier der Zuschauerinnen und Zuschauer im Stuttgarter Studio des SWR ist nicht ganz so imposant wie das der Radsportfans am Streckenrand auf dem Weg hinauf nach Hautacam in den Pyrenäen – und doch wirkt Lipowitz bei seinem ersten Auftritt in einer Livesendung zumindest für einen kurzen Moment sichtlich beeindruckt. "Da kam ein bisschen Tourstimmung auf", verrät der gebürtige Laichinger. Das Studiofeeling ist dann doch etwas anderes: "Im Rennen bekomme ich gar nicht so viel mit. Da bin ich in meinem Fokus."

Tour-Fokus und Trubel danach

Drei Wochen Fokus, drei Wochen Tour, drei Wochen Radsport – und ein besonderer Sommer für den Youngster, den vor der Frankreich-Rundfahrt zwar viele auf dem Zettel, dort aber nicht ganz oben stehen hatten. "In den drei Wochen habe ich nicht so viel mitbekommen", so Lipowitz. Da sei er "in seinem Tunnel" gewesen. Ganz anders war das für ihn nach der Tour: Das öffentliche Interesse war groß.

"Die Wochen danach waren teils gut, teils weniger gut, wenn man so im Rampenlicht steht - als eher introvertierte Person. Da hat man vielleicht doch eher zu kämpfen", gibt der junge Radprofi einen sehr persönlichen Einblick: "Ich konnte es, glaube ich, doch ganz gut genießen."

"Der Kopf war motiviert, der Körper erschöpft"

Lipowitz ist im Studio, anders als im Peloton der Tour, zurückhaltend, wirkt bisweilen ein wenig schüchtern – und doch nahbar und authentisch, wenn er etwa über die gestiegene Erwartungshaltung spricht. Die sei nach dem euphorischen Tour-Sommer spürbar gewesen, nicht nur von außen. Auch Lipowitz selbst erwartete nach seinem starken Debüt mehr von sich.

"Der Kopf war noch motiviert, der Körper war erschöpft", verrät er. "So eine dreiwöchige Rundfahrt, die zehrt einfach schon. Deshalb bin ich dann auch früher in die Off-Season gegangen." In den sechs Wochen Rennpause konnte der 25 Jahre alte Profi all die Eindrücke des Sommers verarbeiten. "Rückblickend kriege ich da schon noch Gänsehaut. Die Bilder werden für immer bleiben", sagt er mit Blick auf die großen Momente, das Podium in Paris, den Respekt der Top-Stars.

Remco Evenepoel? "Ein wahnsinnig guter Fahrer"

Was auch bleibt, ist der besondere Support aus der Heimat – Lipowitz' Familie und Freunde reisten nach Frankreich und mit ihm von Etappe zu Etappe: "Ich hatte auch Tage, da ging es mir nicht gut. Zu wissen, dass die Familie da ist, noch ans Hotel kommt und jemand da ist, mit dem ich sprechen kann, das hilft."

Nicht nur während der Tour, sondern auch in den Wochen und Monaten danach. Aber – inzwischen kribbelt es wieder – die Vorfreude auf die neue Saison, sie ist Lipowitz anzusehen, wenn er darüber spricht. Daran ändert auch der Wechsel von Rad-Star Remco Evenepoel zu Red Bull-BORA-hansgrohe, dem Team für das auch Lipowitz an den Start geht, nichts.

"Der Wechsel war schon länger im Gespräch. Er ist ein wahnsinnig guter Fahrer", sagt Lipowitz: "Ich glaube, ich habe meine Klasse in diesem Jahr gezeigt. Ich versuche, das Beste zu geben und an mir zu arbeiten."

Hoffen auf die nächste Tour

Die Tour de France sei dennoch weiter sein Ziel. "Als Radfahrer ist es das Größte, da mitzufahren", so Lipowitz. Noch aber hat auch das Team nicht offiziell kommuniziert, welcher Profi bei welcher Rundfahrt an den Start gehen wird. Dies geschieht meistens am Beginn einer neuen Saison.

Die Zielsetzung also ist klar – Lipowitz aber formuliert zurückhaltend, ist mit Wissen um die Risiken des Radsports vorsichtig, hofft aber: "Ich bin guter Dinge, dass ich da wieder am Start stehe", sagt er und lächelt.

Das Publikum honoriert das mit Applaus. Und so hat Florian Lipowitz nicht nur bei seinem Debüt auf der Tour-Bühne in diesem Jahr beeindruckt. Auch seinen ersten Live-Auftritt im TV hat der Laichinger souverän gemeistert.