"Wenn man an Radsport denkt, denkt man auch gleich in einem Gedanken an die Tour de France", sagt Niklas Märkl. Der Rad-Profi steht in voller Radsportmontur auf einer grünen Wiese und blinzelt in die Kamera. Die getönte Brille hat er trotz der prallen Sonne fürs Interview abgenommen. Der 26-Jährige vom niederländischen Team PicNic PostNL strahlt, während er über die kommenden Wochen spricht: "Die Tour hat einfach nochmal einen ganz anderen Charakter, ganz anderen Charme, einen besonderen Mythos, der die Tour von den anderen Rennen abhebt", sagt er.
Niklas Märkl kommt aus einer Radsportdynastie. Schon sein Opa brachte Höchstleistung auf dem Rad, Vater Andreas Märkl ist seit März 2025 sogar Präsident des rheinland-pfälzischen Radsportverbands - auch Bruder, Schwester und Onkel sind im Radsport aktiv. Kein Wunder also, dass Niklas Märkl großen Rückhalt für seine Profikarriere genießt. "Die Kinder haben das so miterlebt. Das wollten wir einfach unterstützen", erinnert sich Mutter Annette Märkl. "Man hat auch gemerkt, dass sie alle sehr ehrgeizig drangehen. Da möchte man halt auch das Beste für sie."
Platz zwei bei Straßen-WM der Junioren in Doha
Mittlerweile lebt Niklas Märkl am Bodensee, seine Pfälzer Heimat im Steinalbtal besucht der Queidersbacher aber noch immer mehrmals im Monat. Eine Trainingsrunde mit Schwester Jule gehört dann meistens dazu. Die 20-Jährige ist selbst in einem Entwicklungsteam, schaut sich beim großen Bruder aber gerne etwas ab: "Für Niklas ist das dann immer ein entspannter Tag, und für mich ist es ein harter Tag", erzählt sie grinsend.
Schon in seiner Jugend feierte Niklas Märkl diverse Erfolge, unter anderem einen zweiten Platz bei der Junioren-Straßenweltmeisterschaft in Doha und einen Sieg bei der Youngster Coast Challenge in Belgien. Mittlerweile ist der Pfälzer schon seit vier Jahren Profi - in den Niederlanden. Einen Start beim Giro d'Italia kann der 26-Jährige schon vorweisen, jetzt also folgt mit der Tour de France die zweite große Rundfahrt.
Traum vom Etappensieg - Fokus auf Gegenwart
"Mit der Tour geht ja jetzt schon so ein kleiner Traum in Erfüllung", freut sich Niklas Märkl und gibt zu: "Klar, man träumt dann auch nochmal größer, vielleicht von einem Etappensieg oder von einem Sieg bei einem Frühjahrsklassiker wie Paris-Roubaix oder Flandern. Aber das sind Träume, und ich denke, man soll sich eher auf das Hier und Jetzt und die kurzfristigen Ziele fokussieren."
In den kommenden drei Wochen wird Niklas Märkl zunächst in die Helfer-Rolle schlüpfen. Diese Aufgabe wolle er jetzt erfüllen, sagt er selbstbewusst: "und dann kommen die Träume von ganz allein."