Die öffentlichen Kassen sind leer. Deshalb hatte die Stadt Stuttgart Ende letzten Jahres erst nach zähem Ringen den Doppelhaushalt für 2026 und 2027 beschlossen. Ob bei Kultur, Soziales oder der Bildung, fast überall wird im neuen Haushalt gespart.
Auch Sportvereine werden weniger unterstützt. So müssen bei der Sportförderung 2026 rund 2,6 Millionen Euro eingespart werden, erklärt Daniela Klein, Leiterin beim Amt für Sport und Bewegung in Stuttgart, im Gespräch mit SWR Sport. Im Jahr 2027 erhöhen sich die Einsparungen bei der Sportförderung, laut Klein, sogar auf vier Millionen Euro.
Fahrtkostenzuschüsse komplett gestrichen
Der Sparzwang der Stadt trifft vor allem Vereine wie beispielsweise den MTV Stuttgart. Der MTV ist der größte Sportanbieter der Stadt, mit vielen Mannschaften im Leistungssportbereich wie etwa Blindenfußball, Turnen und Handball. Im Zuge der Sparmaßnahmen bei der Sportförderung wurden die Fahrtkostenzuschüsse für die Vereine komplett gestrichen und die Hallenmieten um 50 % erhöht.
Kita-Gebühren werden steigen Stuttgarter Spar-Haushalt beschlossen: Kürzungen bei Kultur und Sozialem
In Stuttgart wurde nach 12 Stunden Sitzung ein Sparhaushalt verabschiedet. Im Sozialen und bei der Kultur wird gekürzt, und es sollen Rücklagen aufgelöst werden. Wo wird noch gespart?
Das reißt beim MTV Stuttgart, der 30 Hallen von der Stadt anmietet, ein riesiges Loch in die Vereinskasse. "Wir sprechen von 80.000 bis 85.000 Euro, die uns fehlen werden. Das sind Fahrtkosten von 35.000 Euro für viele verschiedene Mannschaften im Spitzenbereich, aber auch 47.000 Euro an Hallengebühren und Zuschüssen, die uns fehlen werden", so Peter Kolb, der Geschäftsführer des MTV gegenüber SWR Sport.
Die Einsparungen treffen die Vereine unvorbereitet, da die Beschlüsse der Stadt erst im Dezember 2025 getroffen wurden. Um die Vereine nicht existenziell in Bedrängnis zu bringen, sind vor allem in der Kinder- und Jugendförderung keine Abstriche geplant.
Weniger Zuschüsse und höhere Mitgliedsbeiträge
"Nicht gespart haben wir bei den Übungsleiterzuschüssen, beim Kindergeld und bei den Betriebskostenzuschüssen. Auf der anderen Seite mussten wir Mehreinnahmen generieren beim sogenannten Sachkostenbeitrag für die städtischen Hallen, aber auch einzelne Zuschussarten in der Sportförderung wurden entweder komplett gestrichen oder prozentual reduziert", erklärt die Stuttgarter Amtsleiterin Klein.
Eingespart wird etwa auch bei den Zuschüssen für finanziell schwächer gestellte Familien. Das trifft Breitensportvereine wie den TSV Heumaden mit einem großen Kinderanteil besonders. In Heumaden wird befürchtet, dass sich diese Familien die Mitgliedsbeiträge nicht mehr leisten können. Pro Kind fällt hier ein Zuschuss von ca. 50 Euro im Jahr weg.
Gleichzeitig sehen sich viele Vereine gezwungen, ihre Mitgliedsbeiträge drastisch zu erhöhen, um die Kürzungen bei der Sportförderung auszugleichen. Außerdem wird auch auf Rücklagen zurückgegriffen und eigentlich dringende Sanierungen werden verschoben.
Förderung gestrichen Stuttgarter Radrennen "Women's Cycling Grand Prix" auf der Kippe
Die für Mitte September 2026 angestrebte vierte Auflage des "Women's Cycling Grand Prix" – einem Profi-Radrennen in Stuttgart und Umgebung – steht massiv auf der Kippe.
Vereine wie der MTV Stuttgart stehen vor der schwierigen Frage, wie sie mit den Kürzungen bei der Sportförderung umgehen. "Wir müssen jetzt überlegen, welche defizitären Angebote wir einsparen und entweder ganz streichen oder zusammenlegen, da sprechen wir von Kindersport, aber auch von Wettkampfsportangeboten", so MTV-Geschäftsführer Kolb.
Die Kassen sind leer. Harte Zeiten auch für den Breitensport in Stuttgart.