Im Interview mit SWR Sport

Zwischen Rückschlägen und Aufbruch: Uwe Gensheimer über die Zukunft der Löwen

Uwe Gensheimer ist bei den Rhein-Neckar Löwen vom Spielfeld in die Büro-Etage gewechselt. Von dort steuert er den Umbruch und will die Mannschaft wieder zu einem Spitzenteam formen.

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Stand

Von Autor/in Michael Richmann

Seit einem Jahr ist Uwe Gensheimer Sportlicher Leiter der Rhein-Neckar Löwen. In diesen Monaten hat der ehemalige Weltklasse-Linksaußen einiges gelernt - vor allem, was er nicht mehr braucht, zum Beispiel die Saisonvorbereitung: "Das habe ich lange genug mitgemacht, 21 Jahre lang. Mein Körper würde es auch nicht mehr so aushalten, das Programm und das Pensum, das sie durchziehen." Er sei trotzdem noch sehr nah an der Mannschaft, begleite das Training oder die Team-Besprechungen. Dann schaue er, ob die Jungs das auch umsetzen, sagte er im Interview mit SWR Sport.

Doch auch der neue Alltag schlaucht ganz schön: "Es ist nicht langweilig, aber es ist auch nicht nur im Büro. Es gibt ja viele Themen, die ich auch von zu Hause machen kann - Telefonate zum Beispiel. Es gibt keinen typischen Tag - da gibt es auch mal eine Aufsichtsratssitzung, die bis 24 Uhr geht, nach der man dann noch Gedanken im Kopf hat und erst um 4 Uhr morgens einschlafen kann."

Turbulenter Sommer für die Rhein-Neckar Löwen

Sein Kerngeschäft war in diesem Sommer jedoch der neue Kader: "Dazu gibt es viel Kontakt zu Beratern, zu Spielern, zur Geschäftsführung, zu einem Aufsichtsrat, Sitzungen, in denen alle abgeholt werden müssen. Und dann gibt es natürlich die Spiele, bei denen alles auf den Prüfstand gestellt wird, was so in der täglichen Trainingsarbeit geleistet wird."

Turbulent war es trotzdem. Denn Gensheimer muss den Umbruch managen: neues Trainerteam, acht Neuzugänge, viele Abgänge - allen voran Zugpferd und Aushängeschild Juri Knorr. Hinzu kommt der Verlust von Leistungsträgern wie Mikael Appelgren, Patrick Groetzki oder Ivan Martinovic. Zudem haben die Rhein-Neckar Löwen im vergangenen Jahr einen neuen Geschäftsführer bekommen. Holger Bachert hat Jennifer Kettemann beerbt, nachdem sie "erhebliche Unregelmäßigkeiten" in den Bilanzen entdeckt hatte.

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Machulla will den Rhein-Neckar Löwen seinen Stempel aufdrücken

Als klar war, dass die Rhein-Neckar Löwen nicht mit Sebastian Hinze als Chefcoach in die neue Saison gehen wollen, fiel die Wahl laut Gensheimer schnell auf Maik Machulla, "weil ich die Art und Weise, wie Maik Handball spielen lässt, schon immer sehr, sehr interessant fand und die Idee, die er verkörpert, die er mitbringt, mir schon immer gelegen hat".

Denn nach Platz neun in der Handball-Bundesliga (36:32 Punkte) will der zweifache Deutsche Meister und Pokalsieger wieder an glorreichere Tage anknüpfen: "Wir stehen für eine breite Spielanlage im Angriff. Die Spielertypen, die wir auch gescoutet haben, sind sehr, sehr schnelle Spieler, können schnell den Ball spielen und gute Entscheidungen treffen. Das hat mit dem, was Maik sich vorgestellt hat, gut gematched."

Rhein-Neckar Löwen müssen sich noch finden

Das hat in der Vorbereitung und in den ersten beiden Bundesliga-Spielen in Melsungen und gegen Minden schon ganz okay geklappt. "Nicht immer zu 100 Prozent", schränkt Gensheimer ein. "Aber das ist auch normal in so einer neu formierten Mannschaft. Gerade mit dieser Spielidee muss das Verständnis für den Nebenmann da sein, muss die Anlaufrichtung da sein, um dann den schnellen Pass spielen zu können."

Schaffen die Rhein-Neckar Löwen mehr Konstanz?

Und weil das alles noch zusammenwachsen muss, will Gensheimer auch keine allzu hohen Saisonziele setzen. "Langfristig ist schon unser Anspruch, auch wieder im europäischen Wettbewerb vertreten zu sein. Aber mit der realistischen Einschätzung meine ich zum einen zu wissen, wo wir herkommen und was uns da in den letzten Jahren gefehlt hat, um dort anzugreifen. Zum anderen müssen wir auch den extremen Wettkampf in der Bundesliga anerkennen und respektvoll mit der Konkurrenz umgehen. Da wird auch super Arbeit geleistet." Damit ist er ganz auf Linie von Chefcoach Machulla.

In der vergangenen Saison hatten die Löwen häufig mit Verletzungen und schwankenden Leistungen zu kämpfen. Der gute Saisonstart zeigt schon mal in die richtige Richtung. "Uns ist trotzdem bewusst, dass sich das alles noch beweisen muss und wir sehen müssen, wie es ist, wenn Negativbeispiele kommen. Dann zeigt sich, wie die Mannschaft zusammenhält."