Die Volleyballerinnen des Allianz MTV Stuttgart haben ihren sechsten Pokalsieg knapp verpasst. In einem hochspannenden Finale holte Stuttgart gegen den VfB Suhl zwar einen 0:2-Rückstand nach Sätzen auf. Am Ende mussten sich die Schwaben aber trotzdem knapp mit 2:3 geschlagen geben.
Allianz MTV Stuttgart mit schlechtem Start
Im DVV-Pokalfinale wollte Stuttgart seiner bisher starken Saison die Krone aufsetzen. Die Generalprobe gegen Suhl hatte der MTV am vergangenen Sonntag allerdings mit 2:3 verloren - die erste Bundesliga-Niederlage für das Team von Trainer Konstantin Bitter. Auch beim Pokalfinale in Mannheim wusste der vermeintliche Außenseiter aus Thüringen zu überraschen, und ging zu Beginn des ersten Satzes mit 5:0 in Führung. MTV-Coach Konstantin Bitter sah sich schon früh in der Partie zu einer Auszeit gezwungen, um den Lauf des Gegners zu brechen. Doch wirklichen Nutzen aus der kurzen Unterbrechung konnten die Schwaben nicht ziehen: Suhl blieb am Drücker und zog auf 8:1 davon.
In der Folge schüttelten sich die Favoritinnen und fanden etwas besser ins Spiel: Beim Stand von 2:8 gelang den Schwaben das erste Break. Trotzdem agierte Stuttgart insgesamt unglücklich, sodass sich die mehr als 12.000 Zuschauer in der ausverkauften Mannheimer Arena vermutlich ein wenig die Augen reiben mussten, als nach etwas mehr als zehn gespielten Minuten ein 15:5 für den VfB Suhl auf der Anzeigetafel stand.
Kurz darauf entlud MTV-Angreiferin Lucia Varela Gomez ihren Frust über den schwachen Stuttgarter Start - mit einem wuchtigen Angriffsschlag in die Drei-Meter-Zone der Suhler Hälfte. Doch dieser "Hallo-Wach-Moment" kam zu spät. Suhl fand im eigenen Angriff immer wieder die Lücken, vor allem Zuspielerin Lara Nagels und die finnische Mittelblockerin Roosa Laakkonen zeigten eine starke Leistung - und sorgten mit dafür, dass der VfB nach 25 Minuten den ersten Satz für sich entschied (25:17).
Stuttgarter Déjà-vu in Satz Zwei
Im zweiten Satz bot sich den Zuschauern zunächst das gleiche Bild wie im ersten Durchgang. Suhl startete mit einer 5:0-Führung - inklusive zweier Asse beim eigenen Aufschlag. Wieder musste MTV-Coach Bitter seine Spielerinnen mit einer frühen Auszeit wach rütteln. Trotzdem zog der Underdog aus Suhl, der sich nicht als solcher präsentierte, auf sieben Punkte davon.
Stuttgart spielte zu wenig dynamisch und verpasste es, ebenfalls mehrere Punkte am Stück zu machen. Und als Pauline Martin dann doch einmal mit einem sehenswerten Block ein Ausrufezeichen setzte, machte die Stuttgarter Diagonalspielerin ihre starke Einzelaktion postwendend mit einem Aufschlagfehler zunichte.
So gab es wie schon im ersten Satz beim Stand von 24:15 reihenweise Satzbälle für Suhl. Zwar konnte Stuttgart diese erneut mehrfach abwehren. Doch der Vorsprung für Suhl war zu komfortabel: Dden vierten Satzball nutzte der VfB und ging mit 2:0-Sätzen in Führung (25:18).
Varela Gomez bringt Stuttgart zurück ins Spiel
Der MTV Stuttgart versuchte sich gegen die drohende Finalpleite zu stemmen - mit Erfolg: Anfang des dritten Satzes zeigte Zuspielerin Pia Kästner ihr ganzes Können und brachte den MTV mit einem starken Block zum ersten Mal in Führung. Das Bitter-Team zeigte sich nun widerstandsfähig und schaffte es in der Folge, einen Drei-Punkte-Vorsprung zu halten. Vor allem die Spanierin Lucia Varela Gomez glänzte mit fünf Assen in Serie. Das viel zitierte Momentum kippte nun immer mehr auf die Seite der Stuttgarterinnen, die auf einmal mit 15:7 führten - was für grübelnde Gesichter bei Suhl sorgte. Mit 25:15 sicherte sich Stuttgart den dritten Satz.
Starkes Comeback: Stuttgart gleicht zum 2:2 aus
Doch der Optimismus des MTV währte nur kurz. Suhl hatte die passende Antwort parat, ging im vierten Satz mit 10:4 in Führung. Stuttgart - nun mit dem Rücken zur Wand - gab aber nicht auf. Mit einem starken Zwischenspurt kämpfte sich der MTV wieder an die Thüringerinnen heran, glich erst zum 16:16 aus und ging anschließend sogar in Führung.
In der Folge spielte die starke Varela Gomez am Netz ihre ganze Körpergröße von 1,97 Metern aus und schloss gnadenlos zum 20:17 für den MTV ab. Kurz darauf sicherte Außenangreiferin Mikala Mogensen ihrem Team mit einem Weltklasse-Abschluss zwei Satzbälle - von denen der Favorit den zweiten zum Ausgleich nutzte - es ging in den Entscheidungssatz.
Suhl entscheidet Krimi im fünften Satz für sich
Im Entscheidungssatz trieben die Finalistinnen die Spannung auf die Spitze. Kein Team konnte sich absetzen, bis eine Suhler Spielerin das Netz berührte und Stuttgart mit 13:11 in Führung ging. Die Entscheidung? Nein. Denn Suhls Sanaa Dotson blockte einen Stuttgarter Angriffsschalg zum 13:13 - eine weitere Wendung in diesem packenden Finale.
Statt Matchball für Stuttgart hieß es einen Punkt darauf Matchball für Suhl. In einem nervenaufreibenden Ballwechsel war es schließlich einmal mehr Roosa Laakkonen, die den Stuttgarter Angriff blockte und so das Spiel zugunsten Suhls entschied (15:13). Nach 2008 krönten sich die Thüringerinnen zum zweiten Mal zum Pokalsieger. Allianz MTV Stuttgart musste sich dem VfB wie schon am vergangenen Wochenende geschlagen geben - und verpasste den ganz großen Coup.
MTV-Trainer Bitter: "Tut natürlich weh"
"Es ist schwer, gerade Worte zu finden", sagte eine enttäuschte Pia Kästner nach der Niederlage. Nicht nur die Zuspielerin des MTV sah den Hauptgrund der Pleite in den schwachen ersten beiden Sätzen. "Wir sind scheiße reingestartet, sind nicht in unser Aufschlag-Annahme-Spiel gekommen. Dann kommen wir eigentlich super gut zurück. Am Ende hat es leider nicht gereicht."
Auch ihr Trainer Konstantin Bitter war am SWR-Mikrofon spürbar geknickt: "Wenn du das Momentum im letzten Satz noch einmal auf deine Seite holst, den Vorteil hast und es dann nicht durch kriegst, dann tut das natürlich weh." Trotzdem könne man die Silbermedaille "mit sehr viel Stolz tragen, weil vor dieser Saison niemand erwartet hätte, dass wir überhaupt hier stehen werden".