Vor Skiflug-WM in Oberstdorf

Philipp Raimund - trotz Höhenangst in die Weltspitze

Philipp Raimund gehört zu den besten deutschen Skispringern. Der Göppinger ist erfolgreich, obwohl er mit Höhenangst zu kämpfen hatte. Jetzt steht die Skiflug-WM an.

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Von Autor/in Johannes Holbein

Es war der 27. März 2025, als Philipp Raimund auf Instagram einen Post absetzte, der für großes Aufsehen sorgte. Er antwortete auf die Frage, warum er den Wettkampf im Skifliegen in Planica kurzfristig abgesagt habe: "Wie einige von euch vielleicht wissen, habe ich Höhenangst. Normalerweise habe ich das unter Kontrolle, und beim Skispringen ist das auch kein Problem, aber ab und zu habe ich das Problem (vor allem beim Skifliegen), dass mein Körper reagiert, ohne dass ich ihn kontrollieren kann." Er fügte hinzu: "Ich verliere die Kontrolle und für etwa eineinhalb Sekunden beobachte ich nur mich selbst, während ich mich in der Klaue befinde, die mich festhält."

Ein Skispringer mit Höhenangst - wie geht das?

Viele fragten sich, ob der 25-Jährige mit ausgerechnet dieser Angst in seiner Sportart gut aufgehoben sei. Wie konnte der Schwabe, der als Fünfjähriger beim SC Degenfeld mit dem Skispringen begonnen hatte, all die Jahre von Schanzen springen und dabei so erfolgreich sein? Aber Raimund sorgt sich nicht um die Höhe, sondern um das Gefühl des Kontrollverlustes. Er hat für gewöhnlich keine wackeligen Knie, wenn er oben auf dem Balken sitzt und loslässt. Aber beim Skifliegen ist alles extremer: die Schanzen sind größer, die Anfahrten schneller, die Flüge weiter, der Druck auf den Körper und den Geist höher. Und Planica im Nordwesten Sloweniens ist eine der extremsten und gefürchtetsten Riesenbakken der Welt. Domen Prevc stellte dort seinen Skiflug-Weltrekord mit 254,5 Metern auf. "Natürlich habe ich das bei 95 Prozent meiner Sprünge unter Kontrolle", schrieb Raimund weiter in seinem Post. "Aber wenn es um Planica geht, gehe ich nicht das Risiko ein, dass es passiert, wenn ich nicht weiß, ob ich noch der Pilot bin oder ob ich überhaupt nicht mehr reagieren kann."

Die Höhenangst überwunden

Jetzt geht "Hille" (seine kleine Schwester nannte ihn so, weil sie den Namen Philipp nicht aussprechen konnte) bei der Skiflug-WM in Oberstdorf (22. bis 25. Januar) an den Start. Der Schanzenrekord, den der Slowene Prevc 2022 aufstellte, liegt bei 242,5 Metern. Raimund flog 2024 auf dieser Anlage 220 Meter, seine bisher größte Weite. Wie wird es ihm diesmal gelingen, seine Angst zu kontrollieren - und sich nicht von ihr kontrollieren zu lassen?

Vor wenigen Wochen machten neue Schlagzeilen die Runde: "Philipp Raimund besiegt Höhenangst." Im norwegischen Fernsehen sagte der Topspringer: "Ja, ich würde sagen, ich habe es mit Skispringen geheilt." Als er im ARD-Interview vor Beginn der Vierschanzentournee auf das Thema angesprochen wurde, antwortete er im Hinblick auf die Zeit seit seinem Posting.

Ich hätte damit rechnen können, dass ein Skispringer mit Höhenangst Schlagzeilen macht. Aber ich habe meine Schwäche eingestanden.

Raimund wusste, dass er sich bei dieser Thematik Unterstützung holen musste. Er arbeitete intensiv mit einem Mentaltrainer zusammen. Seine Höhenangst habe sich erledigt, sagte er. "Ich habe die Wurzel des Ganzen gefunden und probiert, so gut es geht dagegenzusteuern. Aktuell ist es kein Problem."

Raimunds Familie gibt ihm Kraft

Gestützt wird er seit eh und je von seinen Eltern und sowie seinen Geschwistern Fabian, Sina und Joel. War es früher auf der K15-Schanze in Degenfeld auf der Schwäbischen Alb sein größtes Ziel, weiter zu springen als sein älterer Bruder Fabian, sind seine Ansprüche von Jahr zu Jahr gewachsen. 2025 gewann er als vierter Deutscher nach Sven Hannawald (1999), Andreas Wank (2012) und Andreas Wellinger (2013) den Sommer-Grand-Prix auf der Matte. Bei der zurückliegenden Vierschanzentournee erreichte er mit dem achten Platz in der Gesamtwertung sein bestes Ergebnis - obwohl er mit einer Krankheit zu kämpfen hatte und sich zeitweise nur zu "30 Prozent" fit fühlte.

Jetzt ist Raimund wieder ganz bei Kräften. Jetzt ist er wieder bereit. Auch für die Heini-Klopfer-Schanze in Oberstdorf. Wer wie der Schwabe seine innersten Ängste überwindet, mit dem ist immer zu rechnen.

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Johannes Holbein