Jetzt ist er weg, endgültig. Seit Samstag, 12 Uhr, ist es fix. Und - nicht falsch verstehen - das ist aus meiner Sicht gut so für alle Beteiligten. Denn der Wechsel von Nick Woltemade kurz vor Toresschluss zu Newcastle United löst in Stuttgart eine verfahrene Situation zwischen Spieler und Verein, die im Grunde niemanden mehr zufriedenstellen konnte und die auch in Zukunft Konfliktstoff geboten hätte.
Finanziell und sportlich verlockend
Da ist zunächst einmal der wechselwillige Torjäger selbst. Der darf sich nach seinem "Traum, für den VfB Stuttgart zu spielen" (Zitat Nick Woltemade im Sommer 2024) endlich den nächsten "großen Wunsch erfüllen und in der Premier League auflaufen" (so oder so ähnlich könnte Nick Woltemade demnächst in Newcastle zitiert werden).
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Jetzt ist es fix: Für bis zu 90 Millionen Euro wechselt Nationalspieler Nick Woltemade vom VfB Stuttgart zu Newcastle United. Dort soll er einen langfristigen Vertrag erhalten.
Dem jungen Mann kann man den Wechsel kaum übel nehmen, schließlich erwartet ihn im Nordosten Englands nicht nur ein finanzieller Segen mit Langfrist-Vertrag und üppigem Gehalt, sondern in der Tat auch neue sportliche Herausforderungen in der stärksten Liga der Welt und in der Champions League. Highlight-Spiele mit den "Magpies" in der Königsklasse des Fußballs, die ihm beim VfB in der vergangenen Saison durch die Kader-Nichtnominierung noch verwehrt blieben.
Newcastle United wiederum hat sich mit Nick Woltemade einen hochtalentierten deutschen Nationalstürmer geangelt, der mit seiner Art Fußball zu spielen auch in der englischen Liga für Furore sorgen könnte. Der völlig überhöhte Preis dafür? Kein Problem. Zahlungsmittel sind in der Premier League dank sprudelnder TV-Gelder genügend vorhanden, Newcastle United wird darüber hinaus von saudi-arabischen Gönnern großzügig alimentiert.
Fußball | VfB Stuttgart Neustart ohne Woltemade - Debütant Chema Andrés köpft den VfB zum Sieg
Erst der fixe Transfer von Torjäger Nick Woltemade, dann der emotionale Fanmarsch samt Choreo und am Ende der Siegtreffer von Chema Andrés gegen Mönchengladbach. Rund ums erste Stuttgarter Heimspiel wurde viel geboten.
Nick Woltemade: Von 0 auf 90 Millionen in einem Jahr
Beim VfB Stuttgart dürfte man hin- und hergerissen sein. Sportlich ist der Verkauf des zentralen Offensivspielers in Top-Form zwar ein herber Verlust, der Frust von Trainer Sebastian Hoeneß durchaus verständlich. Finanziell allerdings ist das ebenso überraschende wie hochpreisige Geschäft mit Newcastle wenige Tage vor Schließung des Transferfensters alternativlos.
Schließlich mutet die Ablösesumme geradezu irrwitzig an. Kassieren die Schwaben doch unfassbare 90 Millionen Euro inklusive Boni (ausgeschrieben mit allen Nullen: 90.000.000) für einen Spieler, der erst am Anfang seiner Karriere steht, gerade einmal eine starke Halbserie samt Nationalteam-Nominierung hinter sich hat und vor einem Jahr noch komplett ablösefrei als Nobody von der Bremer Weser an den Stuttgarter Neckar kam. Der bisherige VfB-Rekordverkauf - Benjamin Pavard für 35 Millionen zum FC Bayern - wurde pulverisiert und mehr als verdoppelt.
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Nach dem überraschenden Wechsel von Nick Woltemade zu Newcastle United kritisierte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß die Stuttgarter Chefriege für ihre Transferpolitik.
Das beste Geschäft für den VfB Stuttgart
Hut ab an dieser Stelle für die VfB-Macher Alex Wehrle und Fabian Wohlgemuth, die zunächst dem hartnäckigen Werben des FC Bayern um Woltemade standhielten und die letztlich gebotenen rund 60 Millionen der Münchener in den Wind schlugen. Jetzt, bei dieser Summe, haben sie zurecht das Schild mit der Aufschrift "Unverkäuflich" schnell unter die Ladentheke gelegt und dem Transfer stattgegeben.
Die Belohnung für den langen Atem und den perfekten Poker kam dann eben aus Newcastle: Das 90-Millionen-Geschäft ist DER Deal schlechthin in der Vereinsgeschichte der Schwaben. Diese Summe konnten die Schwaben einfach nicht mehr ablehnen, auch wenn "Big Nicks" Weggang weh tut.
Kein Unruheherd beim VfB in der neuen Saison
Allerdings, und auch diesen Sachverhalt sollte man nicht vergessen, hat der VfB mit dem Last-Weekend-Verkauf von Nick Woltemade auch eine mögliche Dauerbaustelle geschlossen, die Endlos-Diskussionen um Nick Woltemade sind endlich beendet. Bei jedem nicht ganz so guten Auftritt des Torjägers wären sofort wieder ungute Fragen aufgetaucht: Spielt er noch gerne für den VfB? Hat er noch Lust auf Stuttgart?
Der Nationalstürmer wäre fortlaufend kritisch beäugt worden. Gerade von jenen bitter enttäuschten VfB-Fans, die dem Torjäger den dringenden Wechselwunsch zu den Bayern übelnahmen. Die unbändige Liebe zum Publikumsliebling war bei vielen zerstört.
Und auch zwischen Verein und Spieler dürfte nach den Bayern-Verhandlungen hinter dem Rücken des VfB und dem letztlich geplatzten München-Transfer etwas zerbrochen sein, das gegenseitige Vertrauen war auf dem wochenlangen Weg der Dauerschlagzeilen möglicherweise verlorengegangen. Zumal spätestens 2026 das Bayern-Werben um den Wunschkandidaten mit einem "Sommertheater Teil 2" seine Neuauflage erfahren hätte. Vielleicht sogar schon im Wintertransferfenster. Und der "Spuk" hätte von neuem begonnen.
SWR Sport | 24. Mai ab 22:00 Uhr SWR Sport mit DFB-Pokalfinale, Europa League-Finale und Nils Petersen
Europa League-Finale mit dem SC Freiburg, DFB-Pokalfinale VfB Stuttgart gegen FC Bayern und der deutsche WM-Kader. Viel Gesprächsstoff mit Studiogast Nils Petersen, Ex-Freiburg-Profi.
Erfolge in Newcastle wären wichtig fürs Nationalteam
Jetzt ist er also endgültig weg, der Nick Woltemade. Und - man muss es wiederholen: Es ist gut so für alle Beteiligten. Die Reise des schlaksigen Fußballprofis mit dem unnachahmlichen Bewegungsablauf findet nicht in oberbayrischen Gefilden, sondern auf der britischen Insel ihre spannende Fortsetzung.
Und auch wenn der 23-Jährige in dieser denkwürdigen Transfergeschichte nicht die glücklichste Figur abgab, so mag man dem langen Bremer doch viele Tore auch in Newcastle gönnen.
Denn das wäre vor allem im Hinblick auf die Nationalmannschaft und die WM 2026 auch im Sinne aller VfB-Fans, die am Fall-Woltemade einmal mehr erfahren mussten, dass Profifußball vor allem ein großes Geschäft ist.