Früher war nicht alles besser, es war vieles sogar viel schlimmer. Aber wir haben trotzdem das Beste draus gemacht.
Neues Buch: Oliver Kalkofe vs. die "gute alte Zeit"
Es scheint in der menschlichen Natur zu liegen, die Vergangenheit gerne ein bisschen zu verklären. Damit möchte Oliver Kalkofe aufräumen und reist in seinem Buch zurück in die 70er und 80er Jahre. Als Omas Telefon noch die grüne Samt-Ummantelung hatte und das gehäkelte Klorollen-Hütchen neben dem Wackeldackel fest zum Autoinventar gehörte.
Das Klorollen-Hütchen hatte jeder. Das hatte auch keiner hinterfragt. Das war einfach schick und lustig.
Viele werden sich wohl auch noch an die stickige Luft auf der Auto-Rückbank erinnern, wenn die Eltern vorne geraucht haben. Damals habe niemand an Lungenkrebs gedacht. Die Fenster wurden lieber zugelassen, damit niemand "Zuch kriegt".
Ich kann über die frühere Zeit lachen, über mich selber lachen – und die trotzdem mögen. Ich kann ein nettes nostalgisches Gefühl haben und trotzdem sagen: Es war auch echt bescheuert und hart.
Nostalgie: Wie öde waren die 70er und 80er wirklich?
Es gebe zwei Worte, die immer wieder mit den 70ern und 80ern in Verbindung gebracht werden, meint Oliver Kalkofe: "Mangel" und "Langeweile". Das seien aber keine negativen Begriffe. Denn: Es habe keinen Mangel gegeben – aber eben auch nichts im Überfluss. Es gab Radio und Fernsehen – aber eben keine 100 Programme. Auch die Produktauswahl im Supermarkt war überschaubarer.
Um der Langeweile zu entfliehen, musste man selbst kreativ werden. Man habe sich noch nicht ständig durch Radio, Fernsehen oder Smartphone unterhalten lassen können. Im Rückblick keine schlechte Sache.
Ich bin für vieles dankbar, was ich früher gehasst habe. So ist das Leben.
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Mit Lachen, Ironie und Humor geht alles leichter
[Früher] machten Männer den Frauen noch die Tür auf – und die Frauen den Männern dafür gerne den Haushalt, das Essen, die Wäsche, eine Handvoll Nachwuchs und was sonst noch so anlag. Es war ein faires Geben und Nehmen.
Oliver Kalkofe liebt es, mit Ironie zu spielen. Das sei ein schönes Mittel, um Dinge klar zu machen. Wer denke, einer Frau die Tür aufzumachen oder den Stuhl zurechtzurücken sei eine Anerkennung von Würde, habe schlicht nicht verstanden, "wo der Hammer hängt".
Wandel von Fernsehrollen: als Frauen endlich cool sein durften
Früher war die Rolle von Frauen im Fernsehen in der Regel auf Ansagerinnen oder Assistentinnen beschränkt, erinnert sich Kalkofe. Dass Frauen auch Sendungen moderieren, habe sich erst in den 90ern durchgesetzt. In Filmen und Serien mussten sie sich meist von Männern beschützen oder retten lassen. Das Frauen-Bild wurde erst durch Figuren wie Emma Peel in "Mit Schirm, Charme und Melone" oder "Drei Engel für Charlie" langsam aufgebrochen.
Aber auch bei Männer-Rollen gab es einen Wandel. Waren die Helden früher in der Regel über 30 oder 40, seien heute 20-Jährige selbstverständlich, die sich in jeden FBI-Computer einhacken können oder Kampfkunst beherrschen.
Früher waren junge Leute im Fernsehen Kinder oder junge Rebellen, denen man erstmal zeigen musste, wo es richtig lang geht.
Vinyl Singles – viel Geld für wenig Musik
Oliver Kalkofe erinnert sich an die Zeit, als man einzelne Songs noch als Single kaufte. Ein Lied mit 3 Minuten Laufzeit habe 6 Mark gekostet. Gleichzeitig war das Abspielen auf dem Plattenspieler ein viel größerer Aufwand. Dafür hätten die Lieder eine viel größere Bedeutung für einen gehabt, weil sie so teuer waren und man nichts anderes hatte.
Kalkofes erste gekaufte Single war "Ich möcht' der Knopf an deiner Bluse sein" von Bata Illic. Damals lustig, heute als "Stalker-Song" wohl eher "cringe", wie junge Leute sagen würden.
Mit seinem Buch möchte Oliver Kalkofe die Vergangenheit nicht glorifizieren, sondern mit Witz Erinnerungen wecken.
Es war zwar bescheuert, aber auch schön. Es hatte auch was Gutes.