Er ist Inhaber und Falkner im Wildpark Potzberg in der Westpfalz und arbeitet jeden Tag mit Greifvögeln.
Das kann einen Angriff von Wildtieren auslösen
SWR1: Warum war dieser Vogel so aggressiv?
Harald Schauß: Man hat von solchen Fällen schon öfter gehört. Das ist eigentlich ein fast harmloses, aber häufig vorkommendes Verhalten. Oft betrifft das Leute, die sich hektisch und schnell durch das Revier – gerade jetzt zur Brut- und Hauptausflugszeit der Jungvögel – bewegen. Da können 100 Menschen durchlaufen, aber einen pickt sich der Vogel raus und der kriegt dann Prügel.
SWR1: Das heißt, Fahrradfahrer sind besonders gefährdet. Wer noch?
Schauß: Ganz extrem, Jogger. Davon hat man schon sehr oft gehört. Vor Jahren musste eine Frau einen Jogger mit ihrem Regenschirm von einem Vogel befreien. [...]
Angriff nicht nur von Greifvögeln möglich
SWR1: Kommt das auch bei anderen Wildtieren vor, dass sie Menschen angreifen?
Schauß: Bei Wildschweinen ist es bekannt, aber nur wenn sie Frischlinge haben. Gerade vor kurzem ist ein Wels von einem Polizisten erschossen worden. Der arme Wels – hätte das sein müssen? Im Raum Kaiserslautern, am Gelterswoog, haben angeblich Hechte letztes Jahr mehrfach Leute gebissen. […]
Da kann man den Tieren auch nicht böse sein, weil wir überall herumschlappen und herumschwimmen und immer mehr in die Reviere der Tiere eindringen.
Es sind Einzelfälle. Das ist jetzt nicht so, dass man sagen kann, das tut jedes Tier. Die Tiere verlieren mit der Zeit ihre Scheu. Da kann man den Tieren auch nicht böse sein, weil wir überall herumschlappen und herumschwimmen und immer mehr in die Reviere der Tiere eindringen. Und dann sind Einzelfälle dabei, die schlagen dann halt mal zurück.
"Er wird seine Familie verteidigt haben" Radfahrer erzählt von seinem Angriff durch einen Greifvogel
Begegnungen mit Wildtieren können gefährlich sein – das zeigt auch ein Fall aus dem Kreis Mainz-Bingen. Rennradfahrer Stephan aus Mainz wurde von einem Greifvogel angegriffen.
Verhalten der Greifvögel im Wildpark Potzberg
SWR1: Sie arbeiten täglich mit Greifvögeln. Erleben Sie da auch Situationen mit Besuchern bei Ihnen im Wildpark?
Schauß: Natürlich, man lernt ja auch immer dazu und man lernt mit den Tieren. Wir haben hier den älteren Rotmilan "Erwin". Ich kann zwar nicht verstehen warum, aber der klaut alles, was pink ist. Wenn Kindern eine pinkfarbene Mütze aufhaben, fliegt er vorbei und zieht sie vom Kopf. Eine Handyhülle, die pink war, hat er geklaut.
Jetzt mal von der Aggression wegzugehen, ich habe einen Rotmilan, der heißt "Milanchen". Er hat mir während der Flugschau Äste und Zweige hingeworfen. Damit will er sagen "Ich mag dich, ich will mit dir ein Nest bauen". Man weiß ja nie genau, was in ihnen vorgeht.
Aber jetzt speziell zu diesem Mäusebussard, der den Fahrradfahrer vermöbelt hat. Der hätte stehen bleiben sollen, abwehren, langsam gehen. Dann ist Ruhe. Es tut mir leid, dass er gestürzt ist, aber da trägt er ein bisschen Mitschuld daran.
Richtiges Verhalten beim Angriff von Wildtieren
SWR1: Jetzt ist ein Mensch auch in einer Stresssituation. In so einem Moment handelt man vielleicht nicht richtig. Können Sie allgemeine Tipps für Spaziergänger oder Jogger geben, die zufällig durch solche Brutgebiete kommen?
Schauß: Auf alle Fälle ruhig und nicht hektisch bewegen. Der Vogel wird zu 100 Prozent ablassen, wenn ich nur herumstehe. Das ist ähnlich, wie wenn Sie ein Eis essen und viele Bienen mitschlecken wollen. Wenn Sie um sich herumfuchteln und -hauen, machen sie die Tiere nur aggressiv und kriegen noch mehr Stiche. Also locker bleiben, weggehen und auf gar keinen Fall hektisch reagieren.
Locker bleiben, weggehen und auf gar keinen Fall hektisch reagieren.
Ich kenne viele solcher Fälle. Die Wildtiere rücken immer näher, weil wir ihnen den Lebensraum nehmen. Wir verbreiten uns immer mehr. Also müssen sie auch mit uns leben. Dann bin ich der Meinung, wir müssen uns auch ein bisschen den Wildtieren anpassen.