Mit gerade einmal 14 Jahren gewann Franziska van Almsick 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen. Die gebürtige Ost-Berlinerin wurde damit zum ersten Superstar des wiedervereinigten Deutschlands.
Nun widmet die ARD ihrer außergewöhnlichen Karriere mit all ihren Höhen und Tiefen eine Doku-Serie. Wir haben mit ihr darüber gesprochen.
Franziska van Almsick wurde von 0 auf 100 zum Superstar
SWR1: Wie war das aus heutiger Sicht, damals mit 14 Jahren so in der Öffentlichkeit zu stehen?
Franziska van Almsick: Spannend. Ich glaube, ich habe das damals gar nicht gemerkt. Also, ich fand es total witzig. Ich wollte eigentlich nur mal schauen, was da so los ist bei den Olympischen Spielen. Das war natürlich mein großer Traum.
Ich wollte eigentlich nur mal schauen, was da so los ist bei den Olympischen Spielen.
Aber eigentlich war ich viel mehr damit beschäftigt, meine großen Vorbilder zu sehen. Und dass das passiert ist, war so nicht geplant. Das ist dann alles irgendwie passiert. Ich habe das aber ehrlich gesagt gar nicht so gemerkt.
SWR1: Aber später dann schon, da gab es auch Schattenseiten des plötzlichen großen Ruhms.
van Almsick: Ja, absolut. Das ist etwas, was man nicht lernen kann und was man sich nicht antrainieren kann. Die Dinge passieren dann so. Ich habe meinen Sport weitergemacht, ich war auch in den Folgejahren irgendwie sehr erfolgreich, und da kamen dann noch einige Sachen, die nicht so schön waren. Aber ich glaube, es gehört einfach dazu.
SWR1: Sie waren erfolgreich danach. Aber auch mal mit Leistungsdellen, und da hat die Presse eine Menge Häme über Sie gekippt. Kriegt man das überhaupt mit oder kann man sich davor verschließen?
van Almsick: Na ja, verschließen kann man sich, glaube ich, nicht. Also es hat mich persönlich sehr hart getroffen, wobei ich auch ein sehr emotionaler Mensch bin. Jemand, der früher ganz oft und viel Dinge so an sich rankommen lassen hat.
Was ich [...] gelernt habe, ist, dass man fallen darf, dass man aber wieder aufstehen muss und dass man weiterlaufen muss.
Aber ich bin auch jemand, der Herausforderungen liebt, und den Dingen muss man sich dann einfach stellen. Ich glaube, das ist das Wichtigste. Das, was ich in meiner Karriere gelernt habe, ist, dass man fallen darf, dass man aber wieder aufstehen muss und dass man weiterlaufen muss. Und ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen.
"Being Franziska van Almsick" - Jetzt in der ARD Mediathek
van Almsick: "Ich war das erste gesamtdeutsche Sportwunderkind"
SWR1: Sie sind in Ostberlin geboren, waren beim Mauerfall elf Jahre alt. Ist diese Doku-Serie auch eine Ost-West-Geschichte?
van Almsick: Ich weiß es gar nicht, vielleicht ist meine Karriere ein Stück weit auch so ein bisschen Ost-West-Geschichte. Ich bin im Osten geboren und meine sportliche Karriere begann dann nach der Wiedervereinigung und ich war "Unsere Franzi".
Ich war das erste gesamtdeutsche Sportwunderkind, zumindest habe ich es so im Kopf. Also ich glaube, ich konnte schon etwas dazu beitragen, dass wir vielleicht ein kleines bisschen schneller zusammengewachsen sind, zumindest im sportlichen Bereich und das ist ganz schön.
Franziska van Almsick setzt sich für Schwimmförderung ein
SWR1: Sie engagieren sich in Sachen Schwimmenlernen, dass die Kinder besser schwimmen lernen. Was kann ein Mensch mit dem Prominamen Franziska van Almsick ausrichten?
van Almsick: Ich glaube, es ist wichtig, dass man einfach darüber redet. Es gibt immer noch zu viele Kinder, die nicht schwimmen können. Jeder fünfte Grundschüler in Deutschland kann nicht sicher schwimmen. Das müssen wir verändern, weil viele Kinder ertrinken, weil sie es eben nicht gelernt haben. Deswegen muss man etwas tun.
Und wir müssen die Schulen besser unterstützen. Wir müssen zusehen, dass unsere Schwimmbäder erhalten bleiben. Es gibt unheimlich viele Bäder, die geschlossen werden. Wenn wir keine Schwimmbäder haben, kriegen wir die Kinder nicht ins Wasser. Wenn wir alle anpacken, dann können wir es hoffentlich für die Zukunft besser machen.