"Die schönsten Erlebnisse eines Lebens", so der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, handeln "oft von dem gelingenden Zuhören, der gelingenden Verständigung". Für ihn steht außer Frage, "wir Menschen sind Dialogtiere. Wir lieben den Sauerstoff guter Gespräche, wir sind Zuhörsehnsüchtige."
Sein Buch "Zuhören. Die Kunst, sich der Welt zu öffnen" wird bereits im Titel zum Plädoyer. "Ohne wirkliches Zuhören ist alles nichts. Keine gelingenden Gespräche, kein respektvoller Streit, keine vonstattengehende Versöhnung." Pörksen wollte über Jahre hinweg verstehen, wie das Zuhören funktioniert. Er erkannte, wie es uns zunehmend erschwert wird.
Unentwegt gereizt
Ein wesentlicher Faktor seien die sozialen Medien, die vielen Reize: "Das permanente Entrüstungs- und Empörungsspektakel, die Regungsstichflammen, all das blockiert das Zuhören, macht es schwieriger." Und dann noch das endlose gegenseitige Labeln. Unser (virtuelles) Gegenüber als "alten weißen Mann" und "hysterische Feministin" zu bezeichnen, nennt Pörksen Gift für das Kommunikationsklima.
Grund für unsere strenge Abgrenzung sieht der Medienwissenschaftler darin, dass wir uns anderen Ansichten kaum noch entziehen können: "Wir sehen zu viel, zu schnell, zu unmittelbar, zu direkt. Auf einem einzigen Kommunikationskanal."
Das perfekte Geheimrezept hat Bernhard Pörksen leider nicht im Angebot, doch er animiert konkret dazu, sich Zeit zu nehmen. Das Handy auch mal beiseitezulegen – außer Reichweite. "Existenzielle Themen, schwierige Themen, dramatische Themen werden vermieden, wenn die Ablenkungs- und Unterbrechungsdrohung in Gestalt des Smartphones immer da ist." Das zeigen Studien, auf die sich Pörksen bezieht.
Mit mehr Zeit entstünde auch der Raum, den Kontext zu betrachten, Feinheiten wahrzunehmen und die Möglichkeit, eben nicht direkt ein Urteil zu fällen. Pörksen lädt ein, Offenheit neu zu lernen und sich zu fragen: "In welcher Welt ist das, was der andere mir sagt wahr, schön, plausibel?"
Zuhören als Seelsorge
In schweren Zeiten zuzuhören, das erfordere die richtige Haltung. "Kann ich offen sein, für das, was ein anderer Mensch mir mitteilen möchte? Und bin ich bereit, mich einzufühlen in einen anderen Menschen?", sagt Claudia Orthlauf-Blooß. Sie ist eine von 80 Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge Mainz Wiesbaden. Jede und jeder von ihnen habe eine eigene Art zuzuhören.
Sind die Ehrenamtlichen offen und bereit, den Anrufenden zuzuhören, falle es diesen leichter, sich zu öffnen. Auch explizites Nachfragen sei essenziel: "Habe ich das richtig verstanden?" Claudia Orthlauf-Blooß erzählt: "Ich habe das so erlebt, dass gerade Menschen, wo jemand am Anfang so sehr zögerlich ist, und ich sage, ‚Habe ich das richtig verstanden, dass Sie unheimlich traurig sind?‘ dann sagt die Person: ‚Ja, das stimmt ich bin sehr traurig, aber eigentlich bin ich auch noch sauer.‘ und dann faltet das sich auf".
Wirklich zuhören, sich in das Gegenüber einfühlen, das kann herausfordernd und belastend werden. Deshalb bekommen die Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge Supervision. Erleichterung bei schwierigen und privaten Gesprächen könne – so Orthlauf-Blooß - der Gedanke bringen: "Der Mensch, mit dem ich spreche, ist für sein eigenes Leben verantwortlich. Dann kann ich jemanden auch wieder gut gehen lassen, auch in schweren Situationen."
Lärmquellen und Ruhezeit in der Nachbarschaft
Ein weiterer Faktor, der unser Zuhören beeinflusst, ist die Umwelt. Lärm wird unterschiedlich empfunden, kann jedoch gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. "Lärm erzeugt Stress im Körper und der Stress verursacht dann solche Dinge wie Bluthochdruck", so Christian Fabris vom Umweltbundesamt.
Die größte Lärmquelle ist mit Abstand der Straßenverkehr. 50-60% der Deutschen nehmen ihn als Belästigung wahr. Wesentliche Stellschrauben der Lautstärke hierbei sind die Geschwindigkeit und das Verkehrsaufkommen. Reduzieren könnte man den Lärm also.
Generell gilt deutschlandweit eine Ruhezeit von 22-6 Uhr und je nach Region gibt es zusätzliche Vorschriften. In Wohngebieten gilt zudem häufig eine Mittagsruhe von 13-15 Uhr, in der keine lauten Geräte wie Laubbläser verwendet werden dürfen.