In diesen Tagen, wenn das Weihnachtsleuchten vorbei und das Frühlingsleuchten noch fern ist, fängt der Winterblues an. Dagegen hilft: Platz schaffen, durchatmen, ausmisten – auch im Kanzleramt. Nur, wo anfangen? Laura Koppenhöfer hat in ihrer Kolumne ein paar Ideen. Feedback? Gerne! Kolumne@swr.de
Geschafft! Dieser Januar, der sich ja immer doppelt so lang anfühlt wie jeder andere Monat und dreimal so lang wie Mai oder August. Der tiefe Fall nach dem feierlichen Weihnachts- und Silvester-Geglitzer tut jedes Mal zuverlässig weh.
Immerhin: In diesen dunklen und gänzlich unfeierlichen Winterwochen fliegen nicht nur die ersten Neujahrsvorsätze wieder raus, sondern auch vieles andere. Secondhand-Basare haben Saison, wo man nicht nur Kruscht und Krempel günstig erwerben, sondern auch kistenweise abgeben kann. Um beim Kistenfüllen nochmal die gleiche Menge an Überfluss auszumachen, der dann - weil zu schrottig für den Basar - in diversen Wertstoffcontainern verschwindet.
Herrlich. Dieser Ballast-Abwurf tut ja so gut! Nicht immer noch mehr shoppen - Klamotten, Spielzeug, arktische Inseln. Besser mal kräftig ausmisten. Nur, wo fängt man da an?
Der Kanzler und seine Partei könnten zum Beispiel ihr notorisches Misstrauen ausmisten. Gegenüber uns ach so faulen, trotz Lifestyle-Teilzeit dauernd krankmachenden Wohlstandsgefährdern. Und mal das Haltbarkeitsdatum beim Ehegattensplitting checken, das kann bestimmt auch weg. Alle Parteien sollten ein paar Plattitüden auf Wahlplakaten aussortieren, auch weil sie sicherheitsgefährdend sind, wenn man im Vorbeifahren vor Langeweile einschläft. Oder gleich ohnmächtig wird, weil man an der Ampel in der Rußpartikelwolke eines abgehalfterten Diesel-Stinkers steht. Bitte auch fachgerecht entsorgen.
Aus den Outlook-Kalendern könnten ein paar überflüssige Meetings raus. Aus den Lehrplänen einiges an lebensfremden Themen, dann wäre auch endlich Platz für lebensnahe Themen, Medienkompetenz zum Beispiel.
Unterdrückte Menschen wie im Iran würden sicher gerne einige in die Jahre gekommene Unterdrücker ausmisten, was schwieriger ist als bei gewöhnlichen Auslaufmodellen, weil sie sich verschanzt in Hochsicherheitstrakten künstlich konservieren. Das gleiche gilt für russische Kriegstreiber.
Dass US-Präsident Trump gerade seinen ausgedienten Border-Patrol-Kommandeur in Minneapolis ausgemistet hat, war kein schlechter Anfang – vielleicht mag er ja bei seiner Heimatschutzministerin weitermachen.
Doch leider mistet ja nicht nur er genau das Falsche aus: Demokratie, Menschen- und Völkerrechte, Fakten, die regelbasierte Weltordnung. Das landet im Schredder. Aber stopp, liebe Despoten und alle, die es werden wollen: Das ist gar kein Müll! Okay, einiges davon wirkt irgendwie kaputt. Kann man aber reparieren! Und das ist am Ende viel billiger, als alles neu zu beschaffen.
So bleibt euch mehr fürs Shoppen - Ballsäle, Golfplätze, Flugzeuge, ... nein, arktische Inseln oder weitere Bundesstaaten kann man nicht einfach kaufen. Es sei denn, der rechtmäßige Besitzer mistet sie aus. Hat ja vor knapp 160 Jahren auch schon mal geklappt.