Kleine Baustellenpsychologie: Das hilft dagegen, durchzudrehen

Baustellen nerven. Egal, wo: im Haus, auf der Straße, bei der Bahn - und gleichzeitig sind sie wichtig. Wie aber können wir uns psychologisch auf sie einstellen?

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Von Rezeptautor/in Jonathan Hadem

Lange Jahre hat Deutschland seine Infrastruktur vernachlässigt und ist auf Verschleiß gefahren. Das merken wir jetzt - durch sehr viele Baustellen. Anja Katharina Huemer ist Professorin für Verkehrspsychologie an der Universität der Bundeswehr München und im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Jonathan Hadem sagt sie:

Baustellen sind etwas, womit ich mich nicht beschäftigen möchte - und sie sind im Weg.

Ein zusätzlicher Stressfaktor sei für viele Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer die Unberechenbarkeit der Situation: "Wenn die Baustelle heute neu ist, ich länger meine Ruhe hatte und einfach meinen Weg gefahren bin, dann weiß ich zwar, dass da Baustelle ist, aber dass da jemand drängeln wird, dass mich jemand zu eng überholen wird, dass es einen Unfall geben könnte, wo ich dann noch länger stehe", so die Verkehrspsychologin, "darauf bereite ich mich ja nicht vor".

Baustellen-Schilderwald in Ulm

In Ulm stehen im Moment mehr als 27.000 Straßenschilder, so viele wie noch nie und fast doppelt so viele wie üblich. Grund sind nach Angaben der Stadt die vielen Baustellen – es seien aktuell 70, die alle mit Wegweisern, Umleitungsschildern und Bauzäunen ausgestattet seien. Hinzu kommen Geschwindigkeitsschilder, da an vielen Baustellen nur noch eine reduzierte Geschwindigkeit erlaubt ist. Insgesamt stehen nach Angaben der Stadt in Ulm aktuell rund 12.000 Straßenschilder, die ohne Baustellen nicht da wären, im Stadtgebiet. Nach Angaben der Stadt ist derzeit aber auch die Spitze der zusätzlichen Schilder erreicht.

Baustellen-Chaos auf den Autobahnen

Nach Angaben des ADAC summierte sich der Stillstand in den Sommerferien in Baden-Württemberg auf den Autobahnen auf insgesamt gut 6.500 Stunden in einem Stau, der aufaddiert 13.000 Kilometer lang ist. Immer wieder gibt es Chaos, wie zum Beispiel an der A8-Anschlussstelle Pforzheim West. Hier mussten laut Autobahn GmbH unter anderem die Brücken neu asphaltiert werden. Weil in die andere Richtung auch gebaut wurde, kamen Fahrzeuge mit einer Breite über 2,55 Metern nicht an der Baustelle vorbei. Es gibt aber auch Fortschritte. So war das Stau-Aufkommen in den Sommerferien im Vergleich zum Vorjahr geringer - um gut 500 Stunden. Experten erklären das mit weniger Baustellen.

Gelassen bleiben - egal wie

"Ich denke schon, dass es schön wäre, wenn wir es gut finden könnten, dass sich was tut und dass es in die Richtung geht, die dem, was wir dem System abverlangen, näher kommt", sagt die Professorin für Verkehrspsychologie an der Universität der Bundeswehr München. Huemer betont, Bund, Länder und Kommunen sanierten viele Verkehrsträger, während sie über Vollauslastung weiter betrieben werden müssten. Deswegen sei es ratsam, bei Überlastung der persönlichen Geduld möglichst Ausweichstrategien bereitzuhalten – angefangen vom Musik-Mix, der einen durch den Stau trägt, bis zur Kaffeepause, um vom Stau-Ärger runterzukommen.

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Jonathan Hadem
Jonathan Hadem steht im Gang eines SWR-Gebäudes.
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Sebastian Felser
Sebastian Felser steht im Gang eines SWR-Gebäudes.