Mein oder dein Grönland? Die Bundeswehr fliegt schon mal hin - ohne Trump

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Von Autor/in Marie Gediehn

Die USA brauchen Grönland, sagt der US-Präsident. Nicht wegen der Bodenschätze, sondern wegen Russland. Aber mehr Sicherheit als ein Besuch der Bundeswehr würde vielleicht ein Blick auf einen Globus bringen, meint Marie Gediehn in ihrer Kolumne. Feedback? Gerne! Kolumne@swr.de

Wissen ist Macht. Zitronensäurezyklus, Sonatenhauptsatzform, schriftliches Dividieren und natürlich Erdkunde. Wenn das alles sitzt, dann klappt‘s auch mit dem Nachbarn, oder besser den Nachbarn, also mit Grönland zum Beispiel oder den USA oder Russland. Wir reden von Erdkunde selbstverständlich, von Geografie, nicht von Politik.

 Also Grönland zum Beispiel, gesegnet mit Bodenschätzen, die allerdings offenbar schwer auszubeuten sind. Eine Gegend, sehr dünn, wenn auch offensichtlich recht farbenfroh besiedelt und eher groß. Aber, wer sich auskennt weiß, auf einer Landkarte wirkt Grönland fast so groß wie der afrikanische Kontinent, also wirklich sehr groß. Nur liegt das ausschließlich an einer Art verzerrter Darstellung all der Regionen, die weit weg vom Äquator sind. Je weiter weg nämlich, desto größer erscheint eine Fläche optisch auf einer Karte, weil die Erde rund, aber die Karte flach ist. Weiß man das nicht, könnte man denken, ganz hypothetisch, boah so ein großes Land, will ich haben, und wäre dann womöglich enttäuscht, wenn es eben in echt gar nicht so groß wäre.

 Und wer sich auskennt, weiß auch, vielleicht aus Erdkunde, dass Russland schon jetzt ein direkter Nachbar der USA ist. 85 Kilometer Wasser in Form der Beringstraße trennen den US-Bundestaat Alaska von Russland. Der US-Präsident sagt aber, er wolle Grönland haben, damit es die Russen nicht wegschnappen könnten und dann die USA und Russland direkte Nachbarn wären. Man müsste also Donald Trump vielleicht einfach einen Globus schenken. Da könnte er dann dran rumdrehen und sehen, ach, guck, da ist Alaska, da sind die Russen ja eh schon unsere Nachbarn. Und er könnte sehen, ach guck, da ist Grönland, ist ja auch gar nicht so groß.

 Wissen ist Macht und darum will auch die Bundeswehr gucken, wie es so ist, in echt in Grönland. „Einen Blick ins Gelände werfen“, nennt es Verteidigungsminister Boris Pistorius. Übers Eis schlittern, Schnee-Engel machen, Iglu bauen, würden es Grundschüler nennen. Wissen, wo der Feind steht, würden es Strategen nennen. Wobei noch nicht endgültig ausgemacht scheint, wer denn der Feind überhaupt sein soll oder könnte.

 Trotzdem oder gerade deshalb gilt: Wissen ist Macht, beziehungsweise das, was man darunter versteht. Und in Deutschland variiert das von Bundesland zu Bundesland bekanntermaßen traditionell recht stark. Beispiel schriftliches Dividieren. Das lernen Kinder jetzt teilweise nicht mehr in der Grundschule, erst ab der fünften Klasse. Lehrerinnen, Eltern und Experten haben da Diskussionsbedarf, aber vielleicht sollten wir uns in Sachen Bildung auch einfach mal locker machen:

 Zitronensäurezyklus, Sonatenhauptsatzform, schriftliches Dividieren und Erdkunde, nur um dann für die Bundeswehr gemustert zu werden? Die dann künftig nicht mehr am Hindukusch, sondern womöglich in Grönland Deutschlands Sicherheit verteidigt? Unter Umständen gegen oder für einen Typ, der eventuell weder schriftlich dividieren oder etwas zur Beringstraße sagen kann. Und vielleicht einfach nur einen Globus braucht. 

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