Einsatz gegen Ebola: Ein deutscher Arzt im Risikogebiet

Die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo: Mehr als 200 Tote gibt es bisher und das sind nur die offiziell registrierten. Dazu kommen rund 1.000 Verdachtsfälle. Darüber spricht SWR Aktuell-Moderatorin Laura Koppenhöfer mit Dr. Thomas Pärisch. Er fährt als einer der ersten Deutschen für Ärzte ohne Grenzen in den Ebola-Einsatz.

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Pärisch war schon mehrfach im Ebola-Einsatz

"Ich habe einen gewissen Respekt davor, aber keine Angst", erklärt Pärisch. Er sei mit dem Virus-Stamm der Bundibugyo-Variante vertraut. "Ich war 2012 in Isiro (Hauptstadt der Region Haut-Uele der Demokratischen Republik Kongo) und hab da gemerkt, dass man sich im Verlauf der Einsätze an die Abläufe gewöhnt. Aber es bleibt natürlich trotzdem eine große Portion Respekt vor dem Erreger." Er sei gut vorbereitet. Darüber hinaus habe Ärzte ohne Grenzen strenge Regeln, was die Sicherheit angehe.

So schützen sich die Ärzte

Es gebe verschiedene Regeln, sagt der Mediziner. "Im ganz normalen täglichen Ablauf gibt es beispielsweise eine no-touch-policy. Wir umarmen oder herzen uns also nicht. Das hat den Sinn, dass man sich keine gewöhnlichen Infektionskrankheiten einfängt. Dann könnte man nämlich auch als Verdachtsfall für eine Ebola-Krankheit gelten. Gleichzeitig erzieht man sich selbst auch an, keinen Körperkontakt ohne Schutzanzüge zu haben." Sobald man im Ebola-Behandlungszentrum sei, gebe es natürlich noch strengere Schutzmaßnahmen. Das sei eine sogenannte High-Risk-Zone und dort müsse man immer einen Schutzanzug tragen.

Die tägliche Arbeit im Ebola-Einsatz

"Man muss höllisch aufpassen, weil die Patienten oft unterzuckern und das kann natürlich tödlich sein. Außerdem achten wir darauf, dass die Menschen ausreichend Flüssigkeit bekommen, im Zweifelsfall über Infusionen. Darüber hinaus schauen wir auf den Elektrolyte-Haushalt. Es gibt bestimmte Salze wie das Kalium. Wenn da der Wert nicht ganz genau stimmt, kann das auch lebensgefährlich sein."

Die Aufklärung der Bevölkerung ist ein großes Problem

"Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Aufklärung extrem wichtig ist", erklärt Pärisch. Das müsse passieren, bevor man ein Behandlungszentrum eröffne und Verdachtsfälle aus den Gemeinschaften isoliere. „Da habe ich in der Demokratischen Republik Kongo, in Sierra Leone und Guinea ganz verschiedene Erfahrungen gemacht. Teilweise wurden wir sehr gut von den Menschen aufgenommen. In anderen Momenten habe ich mich sehr unwohl gefühlt, wenn zum Beispiel eine Community aggressiv wurde.“ Einmal sei ein Patient verstorben. Seine Angehörigen hätten dann das Behandlungszentrum, in dem er gearbeitet habe, angegriffen.

Woher kommt die Aggression der Menschen?

"Ich glaube es ist eine gewisse Wahrnehmung. Beispiel: da sind Erkrankte, die kommen in die Behandlungszelte und die Hälfte von ihnen verstirbt." Die Menschen wüssten nicht, ob ihre Angehörigen nicht von den Ärzten umgebracht würden. Deswegen seien Transparenz und Kommunikation so extrem wichtig. "Wenn es irgendwie möglich ist, sollten die Angehörigen Kontakt zu den Patienten halten können. Das ist aber unter Einhaltung der Hygieneregeln sehr schwierig."

Ärzte sind hoch angesehen, aber es gibt auch traditionelle Heiler

"Gerade als europäischer Arzt wird man aktuell eher willkommen geheißen, also man wird jetzt nicht schlecht behandelt. Die größte Herausforderung ist, dass es parallel immer noch eine große Anzahl an traditionellen Heilern gibt. Es kann dann schwierig sein, wenn Leute nur an die traditionelle Medizin glauben. Da ist dann oft Misstrauen vorhanden. Andererseits ist es sehr wichtig, diese Heiler einzubinden. Man muss ihnen auch erklären, wenn jemand mit Fieber auftaucht, sollten sie ihn nicht anfassen."

Die Pharmaindustrie sollte Ebola ernster nehmen

"Wir stehen gerade exakt vor der Herausforderung, die wir Anfang 2014 bei dem großen Ebola-Ausbruch in Westafrika auch hatten. Nämlich, dass die Impfstoffe im Tier-Versuchs-Stadium zwar existierten, aber nicht am Menschen weiterentwickelt waren", sagt Pärisch. Das sei jetzt auch wieder der Fall. "In Westafrika wurden die Impfstoffe erst weiterentwickelt, als es den riesengroßen Ausbruch gab. Ich denke, es ist wahrscheinlich, dass sowas jetzt bei der aktuellen Virus-Variante wieder passieren wird. Bis die Impfstoffe dann zugelassen und einsatzbereit sind, wird es natürlich eine große Verzögerung geben."