Kinderfreundliches Neuwied: Junge Leute wollen gehört werden

Kitaplätze fehlen, Spielplätze verkommen und die Schulen könnten auch mal wieder renoviert werden. Viele Orte in Deutschland sind eher nicht so kinderfreundlich. Anders Neuwied - zumindest hat sich die Stadt das vor genau drei Jahren so vorgenommen. Damals wurde Neuwied vom UN-Kinderhilfswerk UNICEF zur ersten und bisher einzigen „Kinderfreundlichen Kommune“ in Rheinland-Pfalz gekürt. Darüber spricht SWR Aktuell-Moderatorin Petra Waldvogel mit Peter Jung, dem Bürgermeister von Neuwied.

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Von Autor/in Kleiss

Fazit nach den ersten drei Jahren

"Ich bin sehr zufrieden, weil wir in Neuwied etwas Grundlegendes verändert haben: Wir sprechen nicht nur über Kinder und Jugendliche, sondern wir sprechen immer mehr mit ihnen", sagt Jung. Sie seien die wahren Experten ihrer eigenen Lebenswelt und wüssten am besten, was ihrem Stadtteil fehle und wo sie sich wohlfühlten. Es sei wichtig, dass sich die jungen Menschen gesehen und gehört fühlten. Ein konkretes Beispiel sei sein eigenes Format "Frag doch mal den Bürgermeister". "Da besuche ich Schulen, Kindertagestätten oder offene Treffs, wo Kinder und junge Menschen sich aufhalten. Dort komme ich mit ihnen ins Gespräch."

Was interessiert die jungen Leute am meisten?

"Wichtig ist unter anderem das Thema Sicherheit und Sauberkeit. Außerdem geht es darum, wo sich junge Menschen aufhalten können und niemanden stören." Auch Demokratie sei für Jugendliche wichtig. Es gehe darum sich einbringen zu können - im Schülerparlament oder im Jugendbeirat zum Beispiel. "Es beeindruckt mich immer wieder, wie weitsichtig sie da oft schon sind. Das trauen wir jungen Leuten ja oft noch gar nicht zu. Aber sie sind unsere Zukunft und das müssen wir ernst nehmen. Am besten schon gestern."

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"Wenn man sagt, jetzt ist vielleicht erstmal ein Sportplatz in einem anderen Stadtteil an der Reihe oder es fehlt gerade das Geld für eine gewünschte Maßnahme, ist das natürlich nicht schön. Wichtig ist aber, dass sie überhaupt eine Rückmeldung bekommen. Man kann eben nicht immer sofort eine positive Antwort geben," sagt Jung. Aber er komme dann in Mails oder über Schülervertreter auf die Anliegen zurück und halte interessierte junge Leute auf dem Laufenden. Das werde sehr positiv aufgenommen.

Wie geht der Kitaausbau voran?

"Das ist nach wie vor bei uns eine große Herausforderung, da sind wir auch noch nicht zufrieden mit uns. Wir haben immer noch ein Defizit und das muss auf allen Ebenen schneller gehen. Wir stellen da auch personell nochmal nach, damit die Prozesse schneller laufen. Wir sind aber auch oft von Entscheidungen von oben abhängig." Das betreffe Ausschreibungen und das Einhalten von Standards, die teilweise sehr hoch seien. Das führe dazu, dass es teils nicht so schnell gehe, wie es eigentlich erforderlich wäre.

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"Das ist ein Thema, das mir persönlich sehr wichtig ist: Teilhabe und Chancengerechtigkeit für alle. Zu viele sind vom sozialen Status der Eltern, dem Stadtteil, in dem sie leben und der eigenen Herkunft abhängig." Man stelle eigene städtische Mittel für mehr Teilhabe zur Verfügung und bekomme Unterstützung von Banken, Firmen und weiteren Institutionen. "Wir haben einige spezielle Jugendhilfe-Planungen gemacht, um zu schauen, wo der Bedarf am höchsten ist. Ich glaube, dass wir da auf einem sehr guten Weg sind. Auch wenn ich die Überlegungen auf Bundesebene, was die Einschränkungen für Kinder und Jugendliche angeht, für sehr bedenklich halte."

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