"Ich habe seit gestern nichts mehr von meinen Freunden aus dem Iran gehört", erklärt Gilda Sahebi. Die Nachrichten seien nicht durchgegangen. Sie hoffe, dass das nur am gekappten Internet liege. Das Regime hat diese Maßnahme gestern verkündet, um zu verhindern, dass zu viele Informationen von den Protesten nach außen dringen.
Die Menschen im Iran sind entschlossen
Eine ihr bekannte Person im Iran habe ihr gesagt, "Jetzt oder nie". In der iranischen Hauptstadt Teheran gehen die Menschen jeden Tag auf die Straße. Hier in Europa sei schwer zu verstehen, wie verzweifelt die Menschen im Iran sind. Problematisch sei nicht nur die wirtschaftliche Lage, auch wenn diese eine absolute Katastrophe sei. Die Lebensmittelpreise seien im Vergleich zum Dezember vor einem Jahr um 70 Prozent gestiegen. Medikamente, alles, was mit Gesundheit zu tun habe, sei um 40 Prozent teurer geworden. Eine Mittelschicht gebe es praktisch gar nicht mehr. Zu all dem könne man noch nicht mal etwas sagen, weil jede Kritik vom Regime mit brachialer Gewalt unterdrückt werde. Die Proteste werden aus Sicht von Sahebi von der Frage angetrieben "Was sollen wir eigentlich noch ertragen?".
Viele Menschen haben Angst
Es sei die Taktik des Regimes, Furcht zu verbreiten. Bei den letzten großen Protesten 2022 sei von den Regierungstruppen viel Gewalt angewendet worden. Hunderte Menschen seien getötet worden - viele davon Kinder und Jugendliche. Außerdem seien mehr als 20.000 Menschen festgenommen worden. Und man wisse, dass in den Gefängnissen systematisch gefoltert und vergewaltigt werde. Dazu habe es noch eine Hinrichtungswelle gegeben. All das habe den Zweck, die Menschen davon abzuhalten, zu protestieren. Es sei daher verständlich, wenn viele Leute zu Hause blieben. "Sie warten alle darauf, dass dieses Regime fällt", erklärt Sahebi. Die Große Mehrheit wolle nicht mehr unter der iranischen Führung leben.
Könnte der Umsturz diesmal gelingen?
Es sei schwer zu sagen, ob die Proteste diesmal erfolgreich seien. In den letzten Jahren habe es viele Protestaktionen gegeben, die Frequenz habe sehr stark zugenommen. Nicht nur große Demonstrationen, sondern auch kleinere Streiks hätten stattgefunden. Allein daran könne man sehen, dass sich etwas verändert habe. Die aktuellen Proteste seien von Händlern, also dem Herzstück der iranischen Wirtschaft ausgegangen. Das seien Menschen, die eigentlich traditionell auf Stabilität setzten. Denn Instabilität schade dem Geschäft. Sahebi zeigt sich überzeugt: "Dieses Regime wird stürzen, wenn die letzten verbliebenen Loyalisten sich gegen die Führung wenden." Was in dieser Blackbox des Regimes passiere, wisse man nicht. Man könne nur sagen, dass es sehr geschwächt sei.
Es hat sich etwas geändert in den Köpfen der Menschen
Zu Beginn der Proteste habe das Regime versucht zu beschwichtigen und angekündigt, einen Kongress einzurichten. Inzwischen sei die Kommunikation aber so wie immer. Der oberste Revolutionsführer Chamenei soll heute den USA gedroht und gesagt haben, die islamische Republik werde niemals fallen. Man könne aber davon ausgehen, dass die iranische Führung Angst habe. Allein schon, weil US-Präsident Trump gedroht habe, einzugreifen, wenn sie zu gewalttätig wird.
Reza Pahlavi als Akteur von außen
Der Sohn des ehemaligen Schah von Persien, Reza Pahlavi, scheine momentan eine größere Rolle zu spielen als noch vor ein paar Jahren, sagt Sahebi. Die Leute, mit denen Sahebi gesprochen habe, hätten gesagt, es gehe nicht darum, dass sie ihn als Anführer oder gar wieder als König haben wollten. Er habe aber in seiner Exil-Situation eine sehr prominente Rolle eingenommen. Er reise nach Israel und rede mit Netanjahu, er komme auf die Münchner Sicherheitskonferenz, er sei eine starke Figur geworden. Man hoffe einfach, dass er helfen könne. Und jede Hilfe sei willkommen.
Die Iraner setzen auf ihre eigene Kraft
Man höre die Gesänge auf den Straßen im Iran, "Wir sind alle zusammen". Dieser Zusammenhalt sei extrem wichtig, denn die Menschen wüssten, sie hätten nur einander. Auch auf das Ausland könne man sich letztendlich nicht verlassen. Das Wort "Drecksarbeit", welches Bundeskanzler Merz im vergangenen Sommer benutzt habe, würden viele Menschen im Iran kennen. Natürlich würden sie trotzdem hoffen, dass US-Präsident Trump so etwas mache wie in Venezuela und Chamenei einfach extrahiere. Das müsse man aber verstehen, weil sie so sehr unter dieser Führung gelitten hätten. Ob das gut sei, sei eine ganz andere Frage.