Qualzucht: Warum gewinnen Möpse weiter Hunde-Preise?

"Erkenne Qualzucht - Frei Schnauze!" So heißt eine Kampagne des Landes Baden-Württemberg gegen Qualzucht. Sie will Fans von Mops & Co. mit in die Pflicht nehmen. Kann das gelingen?

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Von Autor/in Stefan Eich

Nur, wenn auch die Zuchtverbände ihre Rassenstandards anpassen, sagt die baden-württembergische Landestierschutzbeauftragte Julia Stubenbord im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Stefan Eich. Das Thema ist - nicht nur juristisch - komplex. Die Stabsstelle Landestierschutz Baden-Württemberg will deswegen Wissen über Qualzucht vermitteln, um die Nachfrage zu stoppen.

Qualzucht-Kauf aus Unwissenheit?

Landestierschutzbeauftragte Julia Stubenbord glaubt nicht, dass etwa die Besitzerinnen und Besitzer von Möpsen oder etwa französischen Bulldoggen böswillig handeln. Sie geht davon aus, dass vielmehr ein Mangel an Aufklärung dazu führt, dass es bei dem Problem nicht vorwärts geht:

Oft ist es Unwissen. Das ist wirklich immer wieder ein Grund, dass Menschen sagen, das wussten sie ja gar nicht.

Andererseits gebe es zahlreiche Informationen über Qualzucht für Interessierte - nicht zuletzt die Informationen der Landesregierung - was aber bei ausgewiesenen "Rasse-Fans" in der Regel auch nicht zu einer Veränderung ihrer Einstellung führe.

Geschäftemacherei mit Trend-Hunden & Co.

Viele Tiere aus Qualzucht, die auf Online-Plattformen im Trend liegen, erzielen sehr hohe Preise im Verkauf. Das sei ein Problem, sagt auch Julia Stubenbord. Viele solcher Tiere kämen inzwischen aber nicht mehr aus Deutschland, sondern aus dem europäischen Ausland. Für Deutschland gelte: "Die Zucht und die Züchter müssen sich an Gesetze halten", fordert die Landestierschutzbeauftragte, "das Gesetz ist leider die letzten Jahrzehnte nicht umgesetzt worden".

Auszeichnungen für Qualzucht-Tiere bei Wettbewerben

Außerdem mahnt Stubenbord ein Umdenken an: "Da müssen sich jetzt auch die Zuchtverbände langsam mal auf den Weg machen und sagen: Ja, wir müssen unsere Rassenstandards hier ändern." Bis dahin sei es aber noch weit - das zeigt der Blick auf Wettbewerbe, wie Hundeschauen: "Wenn diese 'besonders rassetypischen' Hunde auch immer noch gewinnen, weil sie besonders ausgeprägte Rassemerkmale haben, dann zeigt das natürlich auch, dass die Verbände da noch nicht angekommen sind." Für komplette Rassen-Verbote fehle zudem aktuell die rechtliche Grundlage.

Tierschützer: Qualzuchtparagraf ist nicht konkret genug

Konkrete Rassen oder Qualzucht-Merkmale sind bislang nicht verboten. Das mache es so schwer, dagegen vorzugehen, sagen viele Tierschutzorganisationen. Das Tierschutzgesetz sei beim Thema Qualzucht nicht konkret genug. Das sei auch ein Grund dafür, dass nach wie vor Millionen Haustiere in Deutschland darunter leiden.

Mehr als 50 Hunderassen von Qual- und Defektzucht betroffen

Bei Hunden ist die krankmachende Zucht besonders stark verbreitet. Experten, wie der Tierpathologe Achim Gruber von der Freien Universität Berlin, schätzen, dass über 50 Hunderassen in Deutschland betroffen sind. Der Inzuchtkoeffizient, also der Maßstab, wie stark die Zuchttiere untereinander verwandt sind, sei bei vielen beliebten Hunderassen wie dem Golden Retriever, dem Labrador Retriever oder dem Collie extrem hoch. So hoch, als würde man ständig Bruder und Schwester miteinander verpaaren. "Wir züchten viele Haustiere seit Jahren krank und kaputt und kaputter. Das kann man nicht anders sagen", so Tierpathologe Gruber.

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Stefan Eich