Tanja Kühnl aus Blaufelden im Kreis Schwäbisch Hall war eigentlich früher großer "Frenchie-Fan". Sie hat ihren Hund Buddy, eine französische Bulldogge, vor fünf Jahren gekauft. Eigentlich sollte er jede Menge Spaß in ihr Leben bringen. Aber es kam ganz anders. Schon mit vier Monaten die erste Diagnose: Fehlbildung beider Hüften und eine extreme Verkrümmung der Wirbelsäule. Dann nahmen die gesundheitlichen Probleme kein Ende mehr. Insgesamt sieben Operationen, 15 Narkosen und unzählige Folgebehandlungen. Am Ende standen über 20.000 Euro Tierarztkosten.
Tanja Kühnl klagte gegen die Züchterin und bekam Recht. Die Elterntiere hätten nicht verpaart werden dürfen, auch sie hatten viele gesundheitliche Probleme. Denn laut Gesetz dürfen keine Wirbeltiere gezüchtet werden, wenn absehbar ist, dass bei deren Nachkommen Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.
Tierschützer: Qualzuchtparagraf ist nicht konkret genug
Konkrete Rassen oder Qualzucht-Merkmale sind allerdings bislang nicht verboten. Das mache es so schwer, dagegen vorzugehen, sagen viele Fachleute. Der Qualzuchtparagraf des Tierschutzgesetzes sei nicht konkret genug. Auch ein Grund dafür, dass nach wie vor Millionen Haustiere in Deutschland darunter leiden.
Wenn ich es zu entscheiden hätte, ich würde diese Rassen verbieten. Ganz einfach.
Mehr als 50 Hunderassen von Qual- und Defektzucht betroffen
Bei Hunden ist die krankmachende Zucht besonders stark verbreitet. Experten wie Achim Gruber von der Freien Universität Berlin schätzen, dass über 50 Hunderassen in Deutschland betroffen sind.
Der Inzuchtkoeffizient, also der Maßstab, wie stark die Zuchttiere untereinander verwandt sind, sei bei vielen beliebten Hunderassen wie dem Golden Retriever, dem Labrador Retriever oder dem Collie extrem hoch. So hoch, als würde man ständig Bruder und Schwester miteinander verpaaren.
Wir züchten viele Haustiere seit Jahren krank und kaputt und kaputter. Das kann man nicht anders sagen.
Auch bei Katzen sei Qualzucht verbreitet. Man schätzt, dass etwa ein Dutzend Katzenrassen von massiven gesundheitlichen Problemen betroffen seien.
Landestierschutz BW setzt sich mit Kampagne gegen Qualzucht ein
Um über das Thema Qualzucht aufzuklären hat die Stabsstelle Landestierschutz Baden-Württemberg die Kampagne "Erkenne Qualzucht - Frei Schnauze!" ins Leben gerufen. Auch Käufer würden Mitschuld am Problem tragen, heißt es. Deswegen sei es wichtig, Wissen über Qualzucht zu vermitteln, um die Nachfrage zu stoppen.
In der neuen SWR-Doku "Leiden auf vier Pfoten" werden Verstöße gegen das Ausstellungsverbot auf einer Hundeausstellung aufgedeckt und dokumentiert. Außerdem zeigt eine verdeckte Recherche des Film-Teams, dass teure Zwergspitz-Welpen verkauft werden, ohne die Eltern auf Erbkrankheiten untersucht zu haben:
Link zur SWR Doku "Leiden auf vier Pfoten" in der ARD Mediathek
Mariana Peer, stellvertretende Landestierschutzbeauftragte, sagt: "Wenn man gewisse Fakten über Krankzucht weiß, dann sieht man irgendwann automatisch von einer Kaufentscheidung ab." Davon sei sie überzeugt, "denn niemand möchte ein krankes Tier. Niemand möchte ein leidendes Tier. Niemand möchte in regelmäßigen Abständen mit seinem Tier beim Tierarzt sitzen."
Hundebesitzerin: Eine unbedarfte Zeit sieht anders aus
Hundebesitzerin Tanja Kühnl aus Blaufelden musste eine traurige Entscheidung treffen. Der Gesundheitszustand von Buddy, ihrer französischen Bulldogge, verschlechterte sich stark. Er hatte heftige Kopfschmerzen und neurologische Störungen, berichtet Kühnl. Sie musste ihn einschläfern lassen.
Kühnl blickt am Ende auf einen jahrelangen Kampf zurück: "Das macht schon was mit einem. Belastet die Nerven, Ängste, Sorgen. Eine unbedarfte Zeit mit seinem Tier sieht anders aus." Sie ist sich sicher: Sie würde nie wieder einen Frenchie kaufen. Und fordert: "Ich würde mir wünschen, der Gesetzgeber kommt jetzt einfach mal in die Pötte."