Tag der Tafel: „Aktuell kommen viele Alleinerziehende“

Heute ist Tag der Tafel. Da machen die Tafeln bundesweit auf ihre Arbeit aufmerksam. Die besteht in erster Linie darin, Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen. Aber nicht nur. Darüber spricht SWR Aktuell-Moderatorin Marie Gediehn mit Sandra Hüsges. Sie engagiert sich ehrenamtlich als Vorsitzende der Tafel in Bühl.

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Stand

Der Aktionstag steht unter dem Motto "Teilen, um zusammenzuhalten". Bundesweit gibt es knapp 1.000 Tafeln, bei denen sich rund 77.000 Menschen engagieren. Jeder hat seine eigenen Gründe für dieses Engagement. "Wir haben vor einigen Jahren Kurzarbeit gehabt in meinem Betrieb und ich hab eine Alternative für die freien Tage gesucht. Und so bin ich dann hängen geblieben – 15 Jahre ehrenamtliche Tafelarbeit", erzählt Hüsges. Vor zehn Jahren hat sie den Vorsitz der Tafel übernommen. Eine bunte und vielfältige Arbeit, findet sie. Das hat nicht nur mit Lebensmittelverteilung zu tun, sondern es geht darum, Menschen zu helfen.

In Bühl engagieren sich viele junge Leute

"Wir haben knapp einhundert Ehrenamtliche, die für uns arbeiten. Darunter sind sehr viele junge Menschen. Das ist das Besondere an unserer Tafel. Wir sind zwar keine Studentenstadt, trotzdem sind knapp 30 Prozent unserer Helfer unter 35 Jahren. Zehn machen ihren Bundesfreiwilligendienst und wir haben auch drei Auszubildende." In Baden-Württemberg gibt es zwei sogenannte Jugendtafeln: eine in Tübingen und eine in Bühl.

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Viele Menschen schämen sich

"Wir versuchen natürlich möglichst viele Leute zu erreichen, die bedürftig sind. Gerade Menschen, die sich nicht trauen. Vor allem ältere Menschen, die wenig Rente haben, leben lieber mit dem Wenigen, das sie haben, als Hilfe anzunehmen." Dabei gehe es nicht nur um Hilfe von der Tafel, sondern generell schämen sich viele Menschen, nach Hilfe zu fragen. Diese Leute zu erreichen sei schwierig. Deswegen geht Hüsges mit ihrem Team oft auf Wochenmärkte und veranstaltet Tage der offenen Tür. Es geht darum, die Menschen zu erreichen. "Wir haben auch niederschwellige Angebote bei uns. Man kann einen Probeeinkauf machen und muss nicht viele Dokumente mitbringen, um seine Bedürftigkeit nachzuweisen."

 Auch die Hintergründe der Bedürftigen sind vielfältig

"Zu uns kommen sehr unterschiedliche Menschen. 2015/16 kamen sehr viele Flüchtlinge aus dem arabischen Raum. Nachdem Russland in der Ukraine eingefallen ist, kamen sehr viele Flüchtlinge aus der Ukraine. Das hat sich jetzt alles wieder gewandelt. Wir sind zwar auf gleichem Niveau – also wir haben 1.800 Kunden, die wir versorgen. Aber die meisten Ukrainer, die zu uns gekommen sind, haben inzwischen zwar eine Arbeit. Sie verdienen allerdings relativ wenig, so dass sie trotzdem noch Kunden bei uns sind, weil sie zum Beispiel Wohngeld bekommen." Aktuell kämen sehr viele Alleinerziehende in die Tafel oder auch junge Familien mit Kindern.

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Hier werden vor allem Sachleistungen verteilt. Darunter Kleidung, Schulranzen, Hausrat und Geschirr. "Wir haben alles, was man so im täglichen Leben braucht. Das wird super angenommen. Es ist auch eine Begegnungsstätte. Die Leute treffen sich und unterhalten sich. Die Kleidung kostet bei uns sehr wenig. Das soll dazu beitragen, dass man sich auch mal ein Eis kaufen oder ins Kino gehen kann."

 Jede Spende hilft drei Mal

"Zum einen hilft sie demjenigen, der Spendet. Er fühlt sich besser damit. Dann hilft sie dem Helfer, der bei uns ist und die Spende an die Bedürftigen weitergeben kann. Wenn man von den Menschen angestrahlt wird, ist das ein unglaublich gutes Gefühl. Und natürlich hilft die Spende demjenigen, der sie bekommt."

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Marie Gediehn
Marie Gediehn steht im Gang eines SWR-Gebäudes.
Onlinefassung
Moritz Kleiß