Eine Gruppe von Schülerinnen sortiert Obst in der Bühler Tafel. Heute steht keine Theorie auf dem Lehrplan, sondern echte Lebenspraxis. Die siebte Schulklasse der Realschule Rheinmünster (Landkreis Rastatt) ist zu Gast in der Tafel in Bühl. Im Unterricht ging es um das Thema Armut, ein Kontakt zur Tafel machte diesen speziellen Schulausflug möglich.
Die Bühler Tafel-Jugend begeistert Schüler fürs Ehrenamt
Das Besondere: Die Schüler werden direkt vom Tafelnachwuch empfangen, sie bekommen Führungen und Einweisungen. In Bühl engagieren sich besonders viele junge Menschen bei der Tafel. Der Nachwuchs, das ist eine Mischung aus Bundesfreiwilligen, ehrenamtlich engagierten Jugendlichen, Schülern und Auszubildenden. Laut Tafel-Vorsitzender Sandra Hüsges sind etwa 25 der rund 90 Ehrenamtlichen junge Menschen.
Bald zehn Bundesfreiwillige bei Bühler Tafel
Woran das liegt? Bisher gibt es laut Hüsges nur wenige Tafeln in Deutschland, die derart auf Nachwuchs setzen wie die Bühler Einrichtung. Anders als deutsche Großstädte gibt es hier keine Studierenden. Das Leuchtturmprojekt der Bühler Tafel sind die Bundesfreiwilligen. Momentan gibt es sechs "Bufdis", demnächst werden es zehn. Außerdem bildet die Tafel auch zwei Azubis aus.
Die meisten Bufdis bleiben über ihr Bufdi-Jahr oder über ihr Engagement darüber hinaus noch bei uns und helfen uns regelmäßig. Und wir hoffen natürlich, dass die nächste Generation heranwächst.
Junge Freiwillige arbeiten mit Schülern bei Tafel-Besuch in Bühl
Lily Svay ist eine der Bufdis und steht mit zwei Schülerinnen in der Bäckerei-Ecke. Sie strahlt. Ihr Wissen weiterzugeben macht ihr Spaß.
Die Schüler sind richtig motiviert. Es ist wieder eine neue Gruppe da, die machen viel mit. Ich sage denen, was sie machen können und erkläre Sachen und die hören aufgeregt zu, stellen Fragen. Das ist richtig gut.
Bühler Tafel hat keine Nachwuchssorgen
Auch bei den Schülerinnen und Schülern selbst kommt der Nachmittag bei der Tafel sehr gut an. Mit Feuereifer sortieren sie Schokolade, kümmern sich um die Backwaren und rechnen eifrig an der Kasse. Vorne mit dabei: Luisa Käshammer. Mit drei anderen Mädchen sortiert sie Gemüse. Besonders schockierend findet sie, dass 50 Prozent der Tafel-Kunden eine Arbeit haben, aber trotzdem hierher kommen müssen.
Ich denke auch darüber nach, ein Praktikum hier zu machen. Ich habe gehört, dass man hier freiwillig arbeiten kann. Dafür interessiere ich mich total, nur bin halt noch ein bisschen zu jung.
Luisas Klassenkameradin Sofie Meier sieht das ähnlich: "Einfach mal zu wissen, wie viel Arbeit dahinter steckt." Auch sie könnte sich ein Praktikum bei der Tafel gut vorstellen.
Die Bufdis der Bühler Tafel haben noch viel vor
Die Bufdis, die den Schülerinnen und Schülern Einblick in ihre Arbeit gegeben haben, freuen sich über den positiven Anklang. Es war das erste Mal, dass sie eine Schulklasse hier durchgeführt haben. Weitere Aktionen sollen folgen. Lily Svay erzählt: "Ein Spieleabend, ein Filmabend können wir uns vorstellen." Außerdem soll ein Tafel-Café entstehen, bei dem kostenlose Nachhilfe angeboten werden soll.
Auch Lehrerin Heike Gersbach freut sich über so viel Elan ihrer Schüler. Einen praktischen Einblick zu bekommen, sei eine tolle Sache.
Die Schüler lernen damit auch noch mehr als in der Schule und vielleicht sogar auch noch wichtigere Sachen, als wir in der Schule manchmal gar nicht vermitteln können.