Die Besuche in Frankfurt am Main und in Wismar bilden den Rahmen für "ein kompaktes Roadmovie", sagt die Filmexpertin. Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter Erika (Sandra Hüller) seien mit Zerstörung und Neuanfang im Nachkriegs-Deutschland konfrontiert. Während der Vater an Form und Distanz festhalte, dränge Tochter Erika wegen ihrer radikaleren politischen Ansichten auf eine Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Situation.
"Vaterland" bringt Vater-Tochter-Konflikt auf die Leinwand
Der Film "Vaterland" sei allerdings keine Biografie über Thomas Mann, sondern fokussiere auf den Vater-Tochter-Konflikt. Den spiele Sandra Hüller brillant, sagt die Filmkritikerin: "Man sieht ihrer Figur beim Denken zu." Sie müsse es deshalb nicht aussprechen, dass sie als Erika Mann das Verhalten ihres Vaters auf der Deutschlandreise kritisch betrachtet. "Thomas Mann wahrt die Form. Erika fällt das zunehmend schwerer und daraus entsteht eine unglaubliche Spannung zwischen den beiden."
In "Vaterland" geht es auch um verloren gegangene Heimat
Auf der Reise durch Nachkriegs-Deutschland verknüpft der Regisseur nach Ansicht der Kinoexpertin privaten Schmerz wegen des Todes von Klaus Mann mit der Frage nach deutscher Schuld. Deshalb sei "Vaterland" auch ein Film darüber, was Heimat nach dem Nationalsozialismus überhaupt noch sein kann. Erzählt werde die Geschichte in "schwarz-weiß Bildern im strengen Academy-Format. Die Figuren wirken darin häufig eingeschlossen. Vieles bleibt außerhalb des Bildes." Dadurch mache der Film deutlich, dass Thomas Mann und seine Tochter Erika in ein Land zurückgekehrt seien, "das einmal ihre Heimat war". Beide hätten während der Reise jedoch feststellen müssen, "dass diese Heimat nicht mehr existiert".