Programm "freii" aus Lörrach

App gegen Handysucht: Was bringen solche Angebote wirklich?

Eine neue App aus Lörrach soll Jugendliche dazu motivieren, das Handy weniger zu nutzen. Ein Medienexperte erklärt, warum solche Programme allein das Problem nicht lösen.

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Von Autor/in Isabell Erb

Sieben Stunden täglich am Handy - für viele Teenager ist das längst Alltag. Die möglichen Folgen sind bekannt: Weniger soziale Kontakte, weniger Routinen, was zu Konzentrations- und Schlafstörungen sowie psychischen Problemen führen kann.

Das Zentrum für Suchtprävention "Villa Schöpflin" in Lörrach hat deshalb die kostenlose App "freii" entwickelt, die seit Kurzem nutzbar ist. Das Programm soll Jugendliche und ihre Eltern zu einem bewussten Umgang mit TikTok, Instagram und dem Smartphone generell anregen. "freii" ist Teil eines gleichnamigen Präventionsprogramms, das Kinder und Jugendliche dazu motivieren soll, das Smartphone häufiger zur Seite zu legen. Das Angebot gibt es bereits seit Herbst 2025 als Webversion, nun kann es auch als App auf dem Handy durchlaufen werden.

Smartphone-Auszeit: Jugendliche sollen Handy wegsperren

In einer 21-Tage-Challenge mit kurzen täglichen Aufgaben will die App mehr Bewusstsein für die Risiken einer übermäßigen Nutzung schaffen. Zudem soll sie die Nutzerinnen und Nutzer dazu anregen, offline Zeit mit Freunden oder in der Natur zu verbringen. Eine der Aufgaben ist etwa, das Handy für mehrere Stunden komplett wegzuschließen.

Das Angebot richtet sich konkret auch an Schulen, an denen das Programm durch Workshops von einer geschulten Person begleitet werden kann. "freii" sei kein therapeutisches Angebot, aber ein gutes Präventionsmittel, sagt Peter Eichin, Geschäftsführung der Villa Schöpflin. Die App soll stetig weiterentwickelt und mit neuen Inhalten ergänzt werden.

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Wie sinnvoll sind Apps zur Einschränkung der Handynutzung?

Angebote wie die App "freii" gibt es viele. Aber wie effektiv sind diese eigentlich tatsächlich? Der Tübinger Medienwissenschaftler Guido Zurstiege hält sie grundsätzlich für positiv, gibt aber zu Bedenken, dass viele junge Menschen bereits wüssten, dass sie zu viel am Handy seien - und das auch selbst problematisch fänden. Doch die Apps seien oft so konzipiert, dass die Nutzer nicht von ihnen weg kämen. Besonders Kinder und Jugendliche hätten noch Probleme, sich selbst zu regulieren.

Das bringt den Medienwissenschaftler zu seinem nächsten Punkt: Apps wie "freii" konzentrieren sich mit ihrem Angebot oft auf den Einzelnen - und legen die Verantwortung, das Smartphone angemessen zu nutzen, damit auch auf das Individuum. "Dadurch gerät aber die Tatsache aus dem Blick, dass diese Verantwortung in vielen Fällen zu schwer ist, um nur von ein paar Schultern getragen zu werden", sagt Zurstiege.

Politik und Unternehmen in die Pflicht nehmen

Der Medienwissenschaftler pocht deshalb darauf, dass die Politik auch die Softwareunternehmen in die Pflicht nimmt: "Meine Idealvorstellung wäre, dass wir digitale Medienprodukte nicht wie Kommunikationstechnologien, sondern wie pharmazeutische Produkte behandeln."

Wie etwa eine Kopfschmerztablette, die ein Unternehmen auf den Markt bringen möchte: "Das ist erst möglich, wenn das Unternehmen vorher den lückenlosen Beweis geliefert hat, dass diese Tablette niemandem ernsthaften Schaden zufügen wird", sagt Zurstiege. Übertragen auf Smartphones hieße das: Erst, wenn eine Firma belegen kann, dass ihre App weder Kinder und Jugendliche noch Erwachsene süchtig macht, darf sie auf den Markt kommen.

Tipps, um die Handynutzung einzuschränken

Fakt ist aber, dass es aktuell noch keine rechtliche Regelung gibt. Also ist - zwangsläufig - doch jeder Einzelne dafür verantwortlich, seine Zeit am Handy einzuschränken - ob mit Apps wie "freii" oder anderen Anwendungen und Methoden. Auch Guido Zurstiege hat einige Tipps:

  1. Die Farben auf dem Smartphone ausstellen und nur Graustufen zulassen
  2. Das Smartphone nicht ständig, sondern punktuell weglassen und Apps zeitweise deinstallieren - beispielsweise vor Klausuren
  3. An Orte gehen, an denen Menschen das Handy generell weniger nutzen oder die Nutzung sogar stört, wie etwa in Kinos oder Bibliotheken. Dass die anderen Menschen in der Umgebung auch nicht am Handy sind, hilft laut Zurstiege dabei, sich selbst zu regulieren.
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