Die Boerse Stuttgart Group blickt optimistisch ins neue Jahr, nachdem die sechstgrößte Börsengruppe Europas erneut gewachsen ist. Sowohl im klassischen Kapitalmarktgeschäft als auch im Digital- und Kryptosektor gab es ein Plus. Bei Aktien gab es einen Umsatzanstieg um 25 Prozent auf rund 24 Milliarden Euro. Dies wurde auch getrieben durch neue Index-Höchststände, beispielsweise beim DAX.
DAX, MDAX und SDAX im Plus
Der deutsche Leitindex geht mit knapp 24.500 Punkten aus dem Jahr, das sind gut 22 Prozent Plus. Mehr gab es zuletzt nur 2019, das Jahr nach dem unter anderem der Brexit-Schock überwunden wurde. Und dieser satte Jahresgewinn ist übrigens nicht nur ein Effekt der ersten Börsenliga der 40 größten deutschen Unternehmen. Auch der MDAX der mittleren Werte verzeichnet immerhin 19 Prozent Plus, der SDAX mit den kleineren Unternehmen sogar 25 Prozent Plus.
Rüstungskonzern Rheinmetall legt stark zu
Das Jahr verlief extrem unterschiedlich für die einzelnen Konzerne. Da fallen etwa Handelsmarken wie Adidas, Beiersdorf oder Zalando auf, die jeweils etwa ein Viertel ihres Werts verloren haben. Das wertvollste Unternehmen im DAX, der baden-württembergische Softwarekonzern SAP, musste bei seinen Papieren einen Wertverlust um zwölf Prozent erleben. Demgegenüber steht aber auch eine Reihe von Unternehmen, die ihren Wert mehr als verdoppelt haben: Das sind die Commerzbank, Siemens Energy und allen voran der Rüstungskonzern Rheinmetall mit 146 Prozent Plus.
Porsche AG flog aus dem DAX
Für Porsche war es ein schwaches Börsenjahr. Sowohl die Porsche AG als auch die Porsche Holding zählten 2025 zu den größten DAX-Verlierern: Die Porsche AG flog sogar aus dem DAX, während die Porsche Automobil Holding ebenfalls starke Verluste verzeichnete. Für 2026 wird allerdings eine Erholung erwartet.
US-Zollandrohungen und der KI-Hype
Im April 2025 hatte US-Präsident Donald Trump weitreichende Zölle für fast alle Länder der Welt angekündigt, und die Börsen sind weltweit nahezu gecrasht. Diesen Knick sieht man mit einzelnen Ausnahmen - wie etwa Rheinmetall - bei allen Aktienunternehmen. Gleichzeitig hat das Thema Künstliche Intelligenz die Aktienmärkte weltweit beflügelt. Für Carsten Brzeski, der Chefvolkswirt des Finanzinstituts ING, war 2025 aufgrund "geopolitischer Verschiebungen" insgesamt wohl eines der aufregendsten Jahre in den letzten Jahrzehnten.
Es war ein Jahr, in dem wir den Anfang von großen, langfristigen geopolitischen Verschiebungen gesehen haben. Veränderungen im Welthandel, Veränderungen aber auch in der Sicherheitspolitik.
Gleichzeitig sei es aber auch ein Jahr gewesen, in dem sich die Finanzmärkte nach anfänglicher Aufregung fast komplett von diesen geopolitischen Verschiebungen entkoppelt hätten, so Brzeski. Und eine Party nach der anderen, "vor allem eine Party der künstlichen Intelligenz gefeiert haben".
Stuttgarter Börse: Umsatzverlust bei Anleihen
An der Stuttgarter Börse ging der Umsatz mit Anleihen um zehn Prozent auf rund 17,3 Milliarden Euro zurück. Grund dafür: Das geringere Zinsniveau machte Anleihen für Anlegerinnen und Anleger weniger attraktiv. Insgesamt lief aber das Kapitalmarktgeschäft für die drei europäischen Börsen der Börse Stuttgart Gruppe (Deutschland, Schweden und Schweiz) mit einem Anstieg des Handelsvolumens um rund 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr gut. Nach Angaben des Unternehmens entwickelten sich erneut die schwedische NGM sowie die schweizerische BX Swiss besonders dynamisch. Beide erzielten neue Rekordwerte.
Börsenchef: Digitalgeschäft wächst auch
Der Vorstandschef der Boerse Stuttgart Group Matthias Voelkel sagte, das Digitalgeschäft habe eine sehr gute Geschäftsentwicklung verzeichnet. Das Handelsvolumen mit Kryptowährungen sei weiterhin auf hohem Niveau gewesen. Die Zahl der Kunden auf den Plattformen stieg auf 1,2 Millionen Personen an. Das Volumen der bei der Börse Stuttgart Digital treuhänderisch verwahrten Kryptowährungen habe in der Spitze rund 5,2 Milliarden Euro erreicht.
Finanzmärkte-Ausblick auf 2026
Die Risiken schätzen Börsenexperten nahezu unverändert ein, vor allem mit Blick auf die internationale politische Lage. Da ist einerseits die Hoffnung, dass der Krieg gegen die Ukraine nicht weiter eskaliert und die Handelskonflikte nicht weiter zunehmen. Andererseits erwarte er 2026 ein turbulentes Jahr "für die Finanzmärkte, für die Realwirtschaft, ein Jahr, in dem es wiederum wenig Zeit für Verschnaufpausen geben wird", so ING-Chefvolkswirt Brzeski.
Er erwarte aber auch ein Jahr, "in dem es unter dem Strich eine deutsche Wirtschaft geben wird, die wieder erstarkt ist, eine deutsche Wirtschaft, die die Rezession, die Stagnation hinter sich lassen kann und eine Weltwirtschaft, die mehr als zuvor von KI und dem Einsatz von KI in Industrie, in Realwirtschaft dominiert wird. Chancen sehen Anleger in den vielen Milliarden Sondervermögen der deutschen Bundesregierung, die das Wirtschaftswachstum in Deutschland ankurbeln könnten.