Der Goldpreis steigt und steigt - zuletzt auf ein Rekordhoch: Vor wenigen Tagen hat das Edelmetall erstmals die Marke von 4.000 Dollar je Feinunze überstiegen - das entspricht über 3.400 Euro für etwa 31,1 Gramm Gold.
Seit Anfang des Jahres ist Gold bereits um mehr als 50 Prozent teurer geworden. Insgesamt stieg das Edelmetall seit 2019 fast ununterbrochen im Preis, legte seit Ende 2024 auch deutlich mehr zu als andere Anlageklassen. Was sind die Gründe dafür? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Was sind die Gründe für das jüngste Rekordhoch beim Goldpreis?
Der jüngste Anstieg beim Goldpreis wurde von Fachleuten auf aktuelle politische Krisen zurückgeführt - vor allem auf den teilweisen "Shutdown" des Haushalts der US-Regierung und die enorme Staatsverschuldung in den USA. So fehlten durch die Schließung von US-Behörden etwa wichtige Konjunkturdaten. Aber auch die Rücktritte der Premierminister in Frankreich und Japan haben nach Ansicht von Analysten für akute Verunsicherung gesorgt.
Viele Anlegerinnen und Anleger reagieren aus Sorge um die finanzielle Stabilität der Staaten auf solche Entwicklungen. Sie suchen nach Sicherheit vor wirtschaftlichen und geopolitischen Risiken, schichten ihr Kapital in als sicher geltende Anlagen um. Und das ist für viele: Gold.
Händlerin verrät Alternative zu teuren Eheringen Gold so teuer wie nie: Kaufen Kunden in Pforzheim trotzdem noch Schmuck?
Gold wird immer teurer - und damit auch Schmuck und Eheringe. In der Schmuckstadt Pforzheim passen sich Händler und Kundinnen an die neuen Preise an.
Entwicklung des Goldpreises: Warum wird Gold immer teurer?
Das Edelmetall ist endlich - das ist der Hauptgrund dafür, dass Gold grundsätzlich wertvoller wird. Weltweit lagern Schätzungen zufolge noch rund 50.000 Tonnen Gold im Boden, die abgebaut werden können. Fachleuten zufolge lässt sich damit der Bedarf noch für etwa 20 Jahre decken - dann ist Schluss.
Allerdings lässt sich Gold gut recyceln. Wenn sich aus den Goldminen kein Gold mehr gewinnen lässt, wird sich die Industrie auf Wiederverwertung des Edelmetalls konzentrieren. Die aktuelle Rallye - also der Wettbewerb oder Hype um Gold - hat daher andere Gründe. Der am häufigsten genannte lautet: Donald Trump, der amerikanische Präsident.
Was hat der US-Präsident mit dem Goldpreis zu tun?
Donald Trump sei "ein weiterer Unsicherheitsfaktor in der sowieso schon chaotischen Welt", beschreibt Edelmetall-Fondsmanager Daniel Rauch von der Landesbank Baden- Württemberg (LBBW). Für Unsicherheiten sorgen insbesondere Trumps Zollpolitik sowie seine insgesamt undurchsichtige Wirtschaftspolitik. Aber auch der massive politische Druck, den Trump auf die US- Notenbank ausübt.
Die US- Notenbank lebe davon, als unabhängig wahrgenommen zu werden, erklärt Daniel Rauch. Dies untergrabe Trump massiv.
Wenn aber die wichtigste Notenbank der Welt tatsächlich politisch kontrolliert würde und ihre Geldpolitik so sprunghaft wäre, wie der US- Präsident selbst, wäre dies ein enormer Unsicherheitsfaktor. Und das wiederum führt auch zu Goldkäufen. Denn: Gold gibt ein Gefühl von Sicherheit.
Donald Trump ist einfach ein weiterer Unsicherheitsfaktor in der sowieso schon chaotischen Welt, in der wir uns bewegen.
Warum gilt Gold als "sicherer Hafen" in Krisenzeiten?
Dass Gold sicher ist, ist seit Jahrhunderten in unseren Köpfen, zeigen Wissenschaftler. Gold ist nicht nur begrenzt, sondern auch beständig. Man kann es anfassen, mitnehmen und lagern oder sogar verstecken. Anders als Papiergeld oder Aktien kann es zum Beispiel auch nicht durch staatliches Drucken oder die wirtschaftliche Lage einzelner Länder einfach entwertet werden.
Deshalb wird in unsicheren, in Krisenzeiten immer mehr Gold gekauft. Das gilt auch und ganz besonders für die Notenbanken: Sie haben in ihren Tresoren geschätzt mehr als 36.000 Tonnen Gold. Insbesondere seit dem Ukrainekrieg kaufen Notenbanken massiv Gold zu, was wiederum den Preis antreibt.
Wie beeinflussen Notenbanken und Zinspolitik den Goldpreis?
Indem Notenbanken Gold zukaufen, versuchen sie, ihre Devisenreserven zu diversifizieren. Experte Rauch erklärt: "Eine Notenbank, die Einnahmen durch Öl oder durch den Export von Gütern hat, kann dieses ganze Geld natürlich in US-Dollar anlegen. Allerdings macht es wenig Sinn, alles auf eine Karte zu setzen." Gold bietet da eine Alternative.
Auch die Zinspolitik spielt eine Rolle dabei. Derzeit etwa sinken die Zinsen in vielen Ländern der Welt wieder. "Wenn der Zinssatz auf dem Weg nach unten ist, wird Gold relativ gesehen immer attraktiver und zieht Käufer an", sagt Rauch. Sprich: Wenn andere Anlageformen durch niedrige Zinsen weniger attraktiv werden, gewinnt Gold.
Zwar ist eine Nullprozent-Zinsphase derzeit nicht absehbar, doch allein die Möglichkeit weiterer Zinssenkungen insbesondere der amerikanischen und der europäischen Notenbanken führt zu mehr Goldkäufen.
Prognose Goldpreis: Wird Gold weiter in Wert und Preis steigen?
Nach dem Rekordhoch beim Goldpreis fiel dieser zwar wieder etwas ab und unter die 4.000-Dollar- Marke je Feinunze. Doch Analysten gehen davon aus, dass der Trend beim Gold anhält - denn die beschriebenen Hintergründe für die Gold- Rallye werden wohl erst einmal weiter gelten.
Nach Einschätzungen von Fachleuten werden daher vor allem professionelle Investoren auch weiter Gold kaufen. "Das wird aus meiner Sicht dazu führen, dass sich der positive Trend beim Gold sich noch eine Weile fortsetzt", glaubt LBBW-Fondsmanager Rauch.
Gold kaufen: Ist es sinnvoll, privat in Gold als Anlageform zu investieren?
Gold sei eine Krisenwährung, heißt es auch von der Verbraucherzentrale. Gold habe Kriege, Depressionen und mehrere Währungsreformen überstanden und werde bisher immer noch als Anlage geschätzt. Trotz der guten Wertentwicklung sei Gold "alles andere als eine sichere Geldanlage", gerade für Privatanleger.
Wichtigster Punkt aus Sicht der Verbraucherzentrale: Der Wert von Gold sei heftigen Schwankungen unterworfen - und bleibe daher eine riskante und spekulative Geldanlage. Kursanstiege von Gold waren demnach immer wieder auch von heftigen Kurseinbrüchen begleitet.
Nachteile von Gold als private Anlage sind demnach
- dass der Ankauf bereits kleiner Mengen an Gold teuer ist und hier jeweils Handelsmargen zu beachten sind
- dass die Aufbewahrung von Gold Risiken birgt oder teuer ist
- dass Gold keine Zinsen oder Dividenden bringt
- dass die historische Rendite bisher unterhalb jener von langfristigen Staatsanleihen oder Aktien lag.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt privaten Anlegern daher, nicht mehr als zehn Prozent des Vermögens in Gold anzulegen. In einem Anlagemix - zum Beispiel mit Zinspapieren und Aktienfonds - könne Gold das Risiko insgesamt aber senken.