Der Schuldner-Atlas 2025 der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zeigt: Nach sechs Jahren rückläufiger Zahlen kehrt die Überschuldung nach Deutschland zurück. 2025 sind etwa 5,7 Millionen Menschen über 18 Jahren überschuldet - 111.000 mehr als im Vorjahr.
Die Überschuldungsquote steigt auf fast 8,2 Prozent. Überschuldet zu sein heißt, dass die Ausgaben der Betroffenen dauerhaft ihre Einnahmen übersteigen.
Warnsignal für eine Trendwende ins Negative
Der Anstieg der Überschuldung im Vergleich zum Vorjahr ist zwar nur gering, trotzdem sehen die Autoren der Studie das als Warnsignal für eine Trendwende. Der Anstieg sei eine Folge der "Multi-Krisen" der vergangenen Jahre: Durch Kurzarbeit in der Corona-Pandemie, hohe Energiepreise durch den Ukraine-Krieg und die anhaltende Inflation seien bei vielen Menschen die Ersparnisse inzwischen aufgebraucht.
Nach Jahren des Angst-Sparens sind die finanziellen Puffer vieler Menschen schlicht aufgebraucht. Die Multikrise hat nicht nur Spuren hinterlassen, sie wirkt jetzt nach.
Überschuldung im Bundesgebiet unterschiedlich verteilt
In 69 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte sind die Überschuldungsquoten 2025 gestiegen - das ist doppelt so häufig wie im Vorjahr. Besonders stark betroffen sind wirtschaftlich angeschlagene Regionen in Nordrhein-Westfalen, aber auch Teile Bayerns und Sachsens zeigen Zuwächse.
Überschuldungsquote in Baden-Württemberg: Mannheim und Heilbronn vorn
Baden-Württemberg steht im Ranking der Bundesländer zwar mit vergleichsweise wenig überschuldeten Menschen auf dem zweiten Platz in der Rangliste gut da. Allerdings ist die Überschuldungsquote hier stärker gestiegen als in den meisten anderen Bundesländern. 640.000 Menschen im Land sind überschuldet.
Zu den am stärksten betroffenen Gebieten in Baden-Württemberg gehört der Stadtkreis Mannheim mit einer Quote von fast 11,3 Prozent. Im Stadtkreis Heilbronn ist die Lage mit knapp 10,2 Prozent Überschuldungsquote nur wenig besser.
Deutlich weniger Sorgen hat in diesem Zusammenhang Tübingen mit einer Quote von rund 4,8 Prozent. In der Landeshauptstadt Stuttgart ging die Zahl der überschuldeten Menschen auch in diesem Jahr weiter zurück. Der Wert liegt bei 8,1 Prozent und damit liegt die Stadt leicht unter dem Bundesdurchschnitt.
Starker Anstieg bei jungen und älteren Menschen
Die Daten zeigen: Bei jungen Menschen unter 30 Jahren und bei älteren über 60 Jahren ist die Überschuldung überdurchschnittlich stark gestiegen. Jüngere gerieten durch Konsum, Kredite und Onlinekäufe ins Straucheln - Ältere litten zunehmend unter steigenden Lebenshaltungskosten und einer begrenzten Rente.
Wir erleben eine neue Zweiteilung der Überschuldung. Die Jungen stolpern über Konsumverhalten, die Älteren über strukturelle Knappheit. Beide Gruppen haben kaum Spielraum, wenn unvorhergesehene Ausgaben kommen.
Creditreform rechnet damit, dass sich der negative Trend auch 2026 fortsetzen wird. Steigende Zinsen, hohe Lebenshaltungskosten und ein schwächerer Arbeitsmarkt dürften die Situation weiter verschärfen.