Debatte um Medien in Schulen

"Digitale Medienkompetenz" als Schulfach - Kretschmann würde Fremdsprache streichen

Wie sieht es mit der Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen aus? Immer wieder rückt die Schule in den Fokus. BW-Ministerpräsident Kretschmann hat dazu eine klare Meinung.

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Stand

Der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen plädiert für ein eigenes Schulfach "Digitale Medienkompetenz". Es reiche nicht, "ein paar Paletten iPads über den Schulen abzuwerfen", sagte Pörksen am Donnerstag im Rahmen des Medienpolitischen Kongresses "Source" in Stuttgart. Die Welt befinde sich mit der Digitalisierung mitten in der dritten großen Medienrevolution nach der Erfindung der Schrift und des Buchdrucks, die Plattform X sei "das neue Leitmedium", die Phase des "Bürgerjournalismus" sei angebrochen, so Pörksen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der ebenfalls bei dem Kongress vor Ort war, zeigte sich offen für ein solches Schulfach. Dafür müsse man allerdings ein anderes Fach sein lassen, etwa eine verpflichtende zweite Fremdsprache, so der 76-Jährige. "Das brauchen wir heute nicht mehr. Ich stecke mir einen Knopf ins Ohr und mein Telefon übersetzt - egal ob mein Gegenüber Spanisch, Polnisch oder Kisuaheli spricht", sagte Kretschmann.

Ich stecke mir einen Knopf ins Ohr und mein Telefon übersetzt - egal ob mein Gegenüber Spanisch, Polnisch oder Kisuaheli spricht.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Grünen-Politiker kontroverse Debatten ausgelöst. Im Rahmen eines Festakts zum 75-jährigen Bestehen des Deutsch-Französischen Institutes in Ludwigsburg hatte Kretschmann damals betont, dass die Technik das mühsame Erlernen einer zweiten Fremdsprache wie Französisch bald ersetzen könne. Es brauche "kleine Kerne", wo richtig Französisch gesprochen werde an Schulen. Man dürfe aber nicht mehr glauben, dass jeder ein bisschen Französisch können müsse. "Und dann kann er noch nicht mal ein Eis bestellen, wenn er in den Urlaub geht", so Kretschmann damals. In der Folge hatte der Ministerpräsident enorme Kritik von Lehrerverbänden und der Opposition geernet.

So hatte SWR Aktuell im Juni 2023 über die Ansichten von Kretschmann berichtet:

Kretschmann mahnt Transparenz im Einsatz von KI an

Medienwissenschaftler Pörksen betonte am Donnerstag in Stuttgart, es sei ein Merkmal des neuen medialen Zeitalters, dass es zwar häufig heiße, man dürfe nicht mehr sagen, was man denke, gleichzeitig aber der "Diskussionskorridor aufgesprengt" werde. Als Elon Musk die Plattform Twitter übernommen habe, seien bereits am nächsten Tag die Hamas-Propaganda oder der Hass gegen Trans-Menschen auf der Plattform explodiert. Auf TikTok brauche es laut einer Studie gerade einmal 40 Minuten, nachdem man sich dort angemeldet habe, bis man russische Propaganda auf dem Smartphone habe.

Kretschmann mahnte für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Netz große Transparenz an. Es sei wichtig, Quellen zu kennzeichnen: "Was kommt von wem?" und "Wo wählen Algorithmen aus, was ich überhaupt zu sehen kriege? Wo mischt KI in Text und Bildern mit?", formulierte der Grünen-Politiker. Transparenz und Fakten seien entscheidend für die Gesellschaft. "Wenn Fakten systematisch geleugnet, verdreht oder erfunden werden, dann zerbröselt unser gemeinsames Fundament", sagte Kretschmann. Der Ministerpräsident betonte: "Der öffentliche Raum ist das eigentliche Herz der Demokratie. Er muss funktionieren, soll die Demokratie funktionieren."

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) steht bei der Eröffnung des Medienpolitischen Kongresses "source" der Landesregierung in Kooperation mit der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK). Kretschmann zeigte sich offen, ein Schulfach "Digitale Medienkompetenz" einzuführen.
Winfried Kretschmann im Rahmen des Medienpolitischen Kongresses "Source" in Stuttgart. picture alliance/dpa | Roland Freund
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SWR