Im April ist bekannt geworden, dass die SLK-Klinik in Löwenstein (Kreis Heilbronn) geschlossen werden soll. Bis 2029 sollen die medizinischen Abteilungen in die beiden anderen SLK-Standorte in Heilbronn und Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) integriert werden. Am Montag hat die Stadt eine Studie mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz vorgestellt, die davon ausgeht, dass durch fehlende Kaufkraft und Steuern der Region Millionen Euro fehlen werden. Für Dienstag ist eine Demo geplant.
Ver.di befürchtet Verlust von Arbeitsplätzen Schock für 500 Beschäftigte: SLK-Klinik Löwenstein steht nach 70 Jahren vor dem Aus
Die SLK-Klinik in Löwenstein steht vor einer möglichen Schließung. Es seien weitreichende Umstrukturierungen geplant, vor allem aus medizinischen und wirtschaftlichen Gründen.
Studie stellt den Ausbau in Bad Friedrichshall infrage
Sollte die Lungenfachklinik schließen, müsste unter anderem die Belegschaft weiter fahren und das Klinikum am Plattenwald in Bad Friedrichshall müsste mit Steuergeldern ausgebaut werden. Möglicherweise hätte die Klinikgesellschaft selbst einen Vorteil, wenn der Standort Löwenstein schließt. Doch für die Beschäftigten, die Stadtverwaltung und für den Landkreis Heilbronn entstünden Nachteile, heißt es in der Studie, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt wurde.
Sie stellt infrage, ob sich ein Ausbau in Bad Friedrichshall, der zwischen 23 und 35 Millionen Euro kosten könnte, wirtschaftlich lohnt. Die Schließung könne für den SLK-Verbund nur dann wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn die erwarteten Einsparungen höher sind als Investitionen in den Standort Plattenwald, Ersatzpersonal, Patientenabfluss und weiteres.
KI errechnet Kaufkraftverluste für ganze Region
Laut Studie müssten die Mitarbeitende längere Anfahrtswege in Kauf nehmen oder möglicherweise umziehen. Das könnte jährlich private Zusatzkosten von bis zu 9.530 Euro pro Person verursachen. Gleichzeitig würden durch Mitarbeiter- und Patientenabgänge im Schnitt 3,39 Millionen Euro pro Jahr an Kaufkraft in der Region verloren gehen. Für Zahlen und Daten listet der Bericht Quellen auf. Die Anweisungen für die KI sind aber nicht nachvollziehbar. Gleichzeitig wird für Wahrheit und Vollständigkeit keine Haftung übernommen.
Unter den Bürgerinnen und Bürgern in Löwenstein wird die geplante Schließung kritisch gesehen. "Der Ruf der Klinik ist einzigartig, vor allem hier in Baden-Württemberg. Es gibt, glaube ich, nur drei Kliniken, die das anbieten," sagte Jürgen Baumanns aus Löwenstein dem SWR. Daniela Demuth ist der Meinung, dass Know-how verloren geht, wenn die Arbeit auf andere Kliniken verteilt werde.
Ich bin mal gespannt, ob uns da ein paar Schüler wegfallen. Wenn die Familien wegziehen müssen, weil ihnen der Weg zu weit ist zur neuen Arbeitsstelle, dann wird es auch da ein paar Veränderungen geben.
Mehrere Faktoren für geplante Schließung ausschlaggebend
Bereits seit Jahren ist bekannt, dass es bei der Fachklinik einen hohen Sanierungsbedarf gibt. Dazu kommen nun laut den SLK-Klinken steigende wirtschaftliche Belastungen und neue gesetzliche Rahmenbedingungen durch das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG), das am 1. Januar 2025 in Kraft getreten ist. Es brauche effizientere Strukturen und eine bessere Versorgung, heißt es.
Zur geplanten Schließung sind am Dienstag in Löwenstein von der Gewerkschaft ver.di Proteste und eine Demonstration geplant. Die Organisatoren rechnen mit mehreren hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Anders als ursprünglich von der Stadt Löwenstein angekündigt, will ver.di die Ortsdurchfahrt zum Feierabendverkehr um 17 Uhr nicht blockieren. Das teilte ein Sprecher der Gewerkschaft dem SWR mit. Voraussichtlich am 27. Juli möchten Stadt und Kreis Heilbronn als Gesellschafter über die Pläne entscheiden.
SLK Klinik Löwenstein mit langer Tradition
Die Klinik in Löwenstein wurde 1960 als Sanatorium für Tuberkulosekranke gegründet. Mitte der 1970er wurde die Klinik durch den Rückgang von Tuberkulose zum Fachkrankenhaus für Lungen- und Bronchialheilkunde umstrukturiert. Später wurde es auch ein Zentrum für Pneumologie, Thorax- und Gefäßchirurgie. Im Jahr 2007 wurde die Klinik eine Tochtergesellschaft der SLK-Kliniken Heilbronn.
Nachdem die geplante Schließung bekannt wurde, hatten sich über 20.000 Menschen bei einer Petition für den Erhalt stark gemacht. Zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern gehörten auch viele ehemalige Patientinnen und Patienten, die ihre Genesung der Klinik zuschreiben. "Ohne die super Behandlung in Löwenstein wäre ich heute nicht mehr am Leben!", berichtet Erwin aus Herrenberg (Kreis Böblingen). Für Jessica aus Leingarten (Kreis Heilbronn) sei die Luft dort oben einfach viel besser und man könne dort besser zur Ruhe kommen.