In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz verbringen viele Menschen ihre Freizeit mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit. Am häufigsten engagieren sie sich im Sportverein oder im sozialen Bereich. Das geht aus dem Kurzbericht des sechsten deutschen Freiwilligensurveys hervor.
Ehrenamt: Junge Menschen engagieren sich überdurchschnittlich oft
Felix Häusler und Franka Fockel engagieren sich als Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (AstA) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Den Vorsitz haben die beiden erst im November übernommen, so dass im Augenblick noch viel Organisatorisches zu erledigen ist. Rund 30 Stunden pro Woche verbringen sie gerade neben dem Studium mit der Arbeit für die Studierendenvertretung. Das ist viel Zeit und nicht jeder Studierende kann so viel Zeit erübrigen. "Wir wollen den AstA öffnen, auch für Studierende, die sich nur punktuell einbringen können“, sagt Franka Fockel. "Studentisches Engagement sollte unabhängig von Privilegien möglich sein. Wer aber neben dem Studium noch arbeiten muss, um sein Leben zu finanzieren, der hat diese Zeit nicht."
Was Franka Fockel berichtet, spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Freiwilligensurveys vom Frühjahr 2024 wider: Wer in stabilen sozioökonomischen Verhältnissen lebt, hat häufig auch noch die Energie und Zeit für ein Ehrenamt. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz engagieren sich laut der neuesten Ehrenamts-Befragung (Frühjahr 2024) 40 beziehungsweise knapp 38 Prozent der Menschen. Am häufigsten gehen jüngere Menschen zwischen 14 und 49 Jahren in ihrer Freizeit einem Ehrenamt nach. Männer und Frauen sind dabei jeweils zur Hälfte vertreten.
Nachwuchs-Sorgen plagen vielen Vereine: Neue Strategien gefragt
Trotz der vergleichsweise hohen Ehrenamts-Quoten im Südwesten haben viele Vereine Schwierigkeiten, neue Mitglieder oder Nachwuchs zu gewinnen. Bei Sportvereinen fehlen häufig Übungsleiter oder Trainer. Der Trainerjob ist aufwendig: Christoph Jurcec trainiert beim FV Baden-Oos die D-Jugend der Mädchen. "Die Mädchen trainieren zwei mal pro Woche, jeweils 1,5 Stunden. Als Trainer muss ich das Training planen, mir Übungen überlegen. Da kommt pro Training sicher noch eine Stunde dazu. Und dann gibt es noch die Spiele am Wochenende", rechnet Jurcec vor. Auf acht bis zehn Stunden kommt er so pro Woche während der Saison. Und Mädchenfußball-Beauftragte Jeneny Walter ergänzt: "Viele Eltern wissen gar nicht, dass wir das ehrenamtlich machen."
Immer mehr Einsätze aber weniger Mitglieder DRK Zollernalb geht Geld für Ehrenamtsarbeit aus
Hilfe für die Helfer - unter diesem Motto sucht das DRK Zollernalb Fördermitglieder. Denn die werden immer weniger. Doch die Einsätze der Ehrenamtlichen nehmen zu.
Gerade beim Mädchenfußball sei die Zahl der neuen Mitglieder stark schwankend, so Walter. Wenn wichtige Fußball-Ereignisse wie die Fußball-EM der Frauen in der Schweiz stattfinden, ist das Interesse in der Folge größer als in Jahren ohne Großveranstaltung. Dann gebe es auch mehr neue Vereinsmitglieder.
Viele Vereine und Organisationen haben erkannt, dass sie neue Strategien entwickeln müssen, um junge Menschen fürs Ehrenamt zu begeistern. Deshalb hat das Jugendrotkreuz im Jahr 2024 mit einer Reihe von Diskussionsrunden und Befragungen versucht herauszufinden, was jungen Menschen beim Ehrenamt wichtig ist. "Generation Z und Alpha im Ehrenamt: Ist das DRK noch attraktiv für junge Menschen?" heißt die daraus entstandene Broschüre. Auch das Rote Kreuz spürt demnach den Trend zu projektbezogenem Ehrenamt und will sich dem öffnen.
Micro-Engagement fürs Radfahren
Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) in Baden-Baden geht diesen Weg schon seit längerem. Ralph Neininger, Vorsitzender des Kreisverbandes, verschickt jeden Monat an alle 860 Mitglieder eine E-Mail mit den anstehenden Terminen und dem Aufruf, sich gerne auch nur für eine Veranstaltung zu melden. Fahrräder codieren, Info-Stände oder Fahrrad-Parcours betreuen - bei vielen ginge das dann doch für ein paar Stunden, wenn der Termin gerade passt. "Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht, dass Leute sich dann melden und auf der Veranstaltung im eigenen Dorf für ein paar Stunden mithelfen." Für Neininger spielt das Alter hier auch keine große Rolle: "Unser Thema ist die Förderung des Radverkehrs. Und das ist nicht an eine Altersgruppe gebunden."