Schnee, Schnaps und Tradition

Ein Jahr, das sie nie vergessen: Die Löffinger Zwanzger und ihre Fasnet

Einmal im Leben Zwanzger: 43 Löffinger stellen dieses Jahr den Narrenbaum, verteilen die Laternenpost und halten die Tradition in Löffingen lebendig. Unsere Serie begleitet sie dabei.

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Von Autor/in Vanessa Amann

Fasnet, das bedeutet Löffingen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) im Ausnahmezustand. Für eine Gruppe wird es wohl ein unvergessliches Jahr: die so genannten Zwanzger - also alle 20-Jährigen der Stadt. Seit über 120 Jahren ist es Tradition, dass diese Gruppe bestimmte Aufgaben übernimmt. Früher ging es darum, einfach nochmal Spaß zu haben vor dem Einzug ins Militär. Mit 20 galten sie außerdem erst als anerkannte Mitglieder in der Gesellschaft. Heute werden sie zwar nicht mehr ins Militär eingezogen, doch die Tradition wurde weitergeführt.

"Manche kennt man noch aus der Grundschule und hat sonst nichts mehr mit denen zu tun gehabt", sagt einer der Zwanzger Moritz Hofmeier. "Jetzt lernt man sich quasi wieder ein bisschen neu kennen und das ist einfach schön." SWR-Reporterinnen und -Reporter haben die 43 Auserwählten dieses Jahrgangs begleitet und sind tief in die Traditionen der Löffinger Fastnacht eingetaucht.

Vor Moritz Hofmeier und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern steht eine Menge Arbeit: Christbäume einsammeln, die Narrenzeitung verteilen, den Narrenbaum stellen, einen Umzugswagen bauen - und ihr ganz großer Auftritt beim "Löffinger Abend". Wer in Löffingen 20 Jahre alt wird, hat keinen leichten Job - aber wahrscheinlich das beste Jahr seines Lebens.

1. Ein ganz besonderes Jahr für die Zwanzger beginnt

Samstagmorgen, halb neun. Während viele Gleichaltrige noch in ihren Betten schlummern, stapfen die Löffinger Zwanzger durch den Schnee. "Da kommt das innere Kind so ein bisschen raus, wenn so viel Schnee liegt", scherzt Moritz Hofmeier. Fasnet liegt noch in weiter Ferne. Die heutige Mission: Christbäume einsammeln. Die Aufgabe hat lange Tradition bei den Zwanzgern.

Drei Zwanzger halten sich am Ende des Pick-ups fest und rutschen den Berg runter.
Das Einsammeln der Christbäume in Löffingen war eine ziemliche Rutschpartie.

Der Winter in Löffingen bringt seine ganz besonderen Herausforderungen mit sich. Denn Christbäume einsammeln ist gar nicht so einfach ohne Frontantrieb im verschneiten und hügeligen Löffingen. Zum Glück kennen die Zwanzger Orte, an denen sie sich zwischendurch aufwärmen können - von außen wie von innen.

2. Laternenpost wird in Löffingen noch persönlich verteilt

Fasnet rückt näher und schon folgt die nächste Aufgabe für die Löffinger Zwanzger. Bekleidet mit blauem Fuhrmannskittel und der roten Latzhose, machen sie sich auf ihren Weg durch die Stadt, um die Narrenzeitung zu verteilen. Oder "Laternenpost", wie sie in Löffingen heißt. Und zu der kann beitragen, wer will.

Denn ein Jahr lang können die Löffingerinnen und Löffinger Geschichten in den Narrenbriefkasten werfen. Die werden dann in der Narrenzeitung veröffentlicht. Da kommt einiges zusammen: Witziges, Kurioses und manchmal ist auch ein kleiner Seitenhieb dabei. Zur Belohnung gibt es für die fleißigen Zeitungsausträger das ein oder andere Gläschen. Auch bei dieser Aufgabe ist also wieder für Wärme von innen gesorgt. In der Zunftstube in Löffingen gibt es außerdem ein ganz besonderes Buch aus dem Jahr 1889. Was es damit wohl auf sich hat?

3: Fünf Wochen lang am Umzugswagen getüfelt

Schrauben, tüfteln, verkleiden und aufmotzen: Die wohl zeitaufwendigste Aufgabe der Zwanzger ist der Bau eines eigenen Umzugwagens. Bar und Musikanlage dürfen natürlich nicht fehlen. Von außen soll er aussehen wie ein Zugwaggon. Und durch den TÜV muss er auch noch kommen. Erfahrung im Fasnetswagen-Bau hat keiner der Zwanzger. Dafür um so mehr Ambitionen: Noch besser als die Wagen der vergangenen Jahre soll er werden.

Die Wagen der Zwanzger haben lange Tradition. Sie sind das Markenzeichen eines Jahrgangs - das, was in Erinnerung bleibt. Nach fünf Wochen harter Arbeit kann sich das Ergebnis der diesjährigen Zwanzger durchaus sehen lassen. Ob es auch die Löffingerinnen und Löffinger überzeugt?

4. Narrenbaumstellen am Schmutzige Dunschdig 

Am Schmutzige Dunschdig wartet auf die Zwanzger wohl ihre körperlich anspruchsvollste Aufgabe. Am Morgen wird ein rund 20 Meter langer Narrenbaum gefällt, geschmückt und schließlich am Nachmittag in der Löffinger Altstadt mit vereinten Kräften aufgestellt. Dabei braucht es jedes Jahr Mut: Eine auserwählte Person muss am Stamm nach oben klettern und die Sicherungsseile lösen. Nicht immer klappt das gleich beim ersten Versuch.

Viele Personen tragen einen Baumstamm wie Heinzelmännchen auf den Schultern durch einen Wald.
Der Narrenbaum ist gefällt: Jetzt geht es für die Zwanzger ans Schälen, Schmücken und Stellen.

Doch damit nicht genug: Unter dem Narrenbaum legen die Zwanzger auch ihren Eid auf die Laterne ab. Sie schwören der Löffinger Fasnet ihre Treue und werden damit offiziell in die Reihen der Laternenbrüder aufgenommen. Ob das Narrenbaumstellen der Zwanzger geklappt hat, zeigt die Landesschau am Donnerstagabend.

5. Der Löffinger Abend: Ein Abend für die Zwanzger 

Für die Löffinger Zwanzger steht mit dem Auftritt beim Löffinger Abend eine besondere Herausforderung an. Die große Narrensitzung gilt als Reifeprüfung ihres Jahrgangs. Zehn Tage vorher steht allerdings noch nicht viel mehr als eine grobe Idee und die Proben laufen etwas holprig. Trotzdem ist der Anspruch klar: Sie wollen sich zeigen und beweisen, dass ihr Jahrgang Fasnet kann. Vor rund 400 Zuschauern in der Festhalle.

Verkleidete Personen sitzen an Tischen in einer Halle und klatschen.
Die Halle am Löffinger Abend war rappelvoll. Vor rund 400 Personen hatten die Zwanzger ihren Auftritt.

Als sich der Vorhang hebt, zählt’s. Ob die Nummer zündet und wie der Saal reagiert – das zeigt die Landesschau am Freitagabend.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Vanessa Amann
Vanessa Amann, Reporterin Studio Freiburg

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