Am kommenden Freitag ist es soweit: Die Vermarktung des ersten Bauabschnitts im neuen Freiburger Stadtteil Dietenbach beginnt. Startschuss also für eines der größten Bauprojekte Deutschlands. Im ersten Bauabschnitt, am Frohnholz, sollen 1.600 Wohnungen entstehen. Lange war unklar, wie viel das Bauland kosten wird. Auf SWR-Anfrage hat die Stadt nun mitgeteilt, wie viel Interessenten bezahlen müssen.
1.700 Euro kostet Quadratmeter Bauland durchschnittlich
Im ersten Bauabschnitt wird der Quadratmeter Bauland durchschnittlich etwa 1.700 Euro kosten, so die Stadt. Der tatsächliche Preis eines spezifischen Grundstücks hängt jedoch davon ab, wie viel Wohnfläche auf dem Bauland gebaut werden darf. Es gilt also: Bei Grundstücken für größere Wohnblöcke ist der Quadratmeterpreis höher, bei kleineren Wohneinheiten etwas günstiger.
Die Grundstückspreise sind Festpreise. Nicht der Meistbietende gewinnt, sondern das beste Konzept. Denn Dietenbach soll ein sozialer und ökologischer Stadtteil werden. Das soll sich in den Konzepten der Bauwilligen widerspiegeln. Wer am Ende bauen darf, wird ein Bewertungsgremium aus dem Gemeinderat entscheiden.
So bewertet die Branche die Preise in Dietenbach
Nun muss sich zeigen, ob der Bauland-Preis attraktiv genug ist und genügend Interessenten anlockt. Von der Stadt heißt es dazu: "Insgesamt ist erkennbar, dass ein hohes Interesse besteht." Durch die steigenden Baukosten, seien die Rahmenbedingungen zwar schwierig. Man rechne aber mit der Vermarktung sämtlicher Bauflächen.
Anruf bei einem der großen Immobilienentwickler in der Region: Hans-Peter Unmüßig. Den Bauland-Preis hält er für "irre hoch". Mit seiner Firma plane er vorerst nicht, in Dietenbach zu bauen. Denn Unmüßig glaubt, dass es am Ende für seine gebauten Wohnungen keine Abnehmer geben würde. Das könnten sich die Leute nicht leisten. Er schätzt: Am Ende werden Mieterinnen und Mieter in Dietenbach 25 Euro pro Quadratmeter zahlen.
Entsteht in Dietenbach günstiger Wohnraum?
Die Stadt Freiburg will aber, dass in Dietenbach günstiger Wohnraum entsteht. Nach einem Beschluss des Gemeinderats sollen 50 Prozent des vermieteten Wohnraums geförderte Sozialwohnungen werden. Die Förderlandschaft des Landes Baden-Württemberg sei momentan sehr attraktiv, sagte Baubürgermeister Martin Haag bereits Ende des vergangenen Jahres gegenüber dem SWR. Deshalb sei er optimistisch, dass die Quote eingehalten werde.
Aber auch die Förderung von Wohnraum endet nach gewisser Zeit. Bis zu 40 Jahre sollen die Förderungen in Dietenbach laufen. Wie viele der Wohnungen tatsächlich so lange gefördert werden, sei noch nicht klar, so die Stadt. Läuft die Förderung aus, können Vermieterinnen und Vermieter die Miete auf den marktüblichen Preis erhöhen.
Steigen Genossenschaften in Dietenbach ein?
Die Stadt hofft daher auf Bauwillige, die langfristig für bezahlbare Mieten sorgen – etwa Genossenschaften. Die größte Genossenschaft in der Region, der Bauverein Breisgau, zeigt grundsätzlich Interesse. "Wir wollen in allen Stadtteilen genossenschaftliches Wohnen positionieren", sagt Vorstand Marc Ullrich. Nun warte man aber den Start der Vermarktung ab und prüfe dann im Detail, ob der Bauverein sich auf Bauland bewirbt.
Ähnlich will man bei der Genossenschaft Familienheim Freiburg vorgehen. Zwar sei der Bauland-Preis nicht günstig, man sei aber grundsätzlich nicht abgeneigt, in Dietenbach einzusteigen, so Vorstand Alexander Ehrlacher.
Dietenbach: Projekt für Jahrzehnte
Viel hänge von den weiteren Rahmenbedingungen ab, etwa ökologischen Vorgaben. Am Ende müsse man schauen, ob dabei bezahlbarer Wohnraum entstehen könne. Man habe aber bereits anderswo Grundstücke erworben, die voraussichtlich vorrangig bebaut würden. Ob dann noch genügend Geld da sei, müsse man prüfen, so Ehrlacher.
Ob im neuen Stadtteil Dietenbach am Ende großflächig bezahlbarer Wohnraum entsteht, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Erst Mitte 2040 sollen die letzten Wohnungen im neuen Stadtteil gebaut werden.