Eine Familie aus Kenzingen (Kreis Emmendingen) wollte einfach nur Glasfaser. Jetzt warten Tino Ritter und sein Vater aber schon seit drei Jahren auf schnelleres Internet. Mit dem Glasfaseranschluss bis ans Haus ging es schnell, aber dann stoppte das Ganze. "Ich werde seit Jahren hingehalten", ärgert sich Ritter über die Deutsche Glasfaser. Mit ihr hatte die Familie damals den Vertrag abgeschlossen. Laut der Verbraucherzentrale BW sind die Ritters nicht die Einzigen, die Ärger mit Anbietern von Glasfaser-Verbindungen haben.
Vertrag mit Deutscher Glasfaser nicht erfüllt?
Tino Ritter hatte vor drei Jahren einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser über einen Glasfaseranschluss an seinem Hof geschlossen, der nicht in der geschlossenen Ortschaft von Kenzingen liegt. Der Anschluss bis ans Haus wurde recht schnell verlegt. Innerhalb von wenigen Wochen lag das Kabel aber eben nur bis zur Hauswand.
Damit Familie Ritter mit einem Glasfaseranschluss surfen kann, müsste das Kabel ins Haus verlegt werden. Dafür bräuchte es ein Loch in der Hauswand und jemanden, der das Kabel anschließt. Eigentlich sollte ein Subunternehmer diese Aufgabe für die Deutsche Glasfaser übernehmen. Und da ist der Knackpunkt.
Deutsche Glasfaser stoppte Zusammenarbeit
Wie der Subunternehmer in einer E-Mail an Tino Ritter im Mai mitteilte, hat die Deutsche Glasfaser die Zusammenarbeit mit ihm gestoppt. Deshalb sei er nicht mehr für den Netzausbau in Kenzingen zuständig. Von der Deutschen Glasfaser habe es, so Ritter, immer noch keine konkreten Informationen gegeben.
Spätestens jetzt war das Fass für Familie Ritter übergelaufen. Schließlich arbeiten die Ritters viel von Zuhause aus und bräuchten das schnellere Internet. Ende Mai verfassten sie deshalb einen öffentlichen Beschwerdebrief, den sie unter anderem an die Verbraucherzentrale BW schickten. "Ich werde seit Jahren hingehalten und mit widersprüchlichen oder schlicht falschen Informationen abgespeist", so Tino Ritter.
Verbraucherzentrale bestätigt Probleme mit Deutscher Glasfaser
Tino Ritter und sein Vater sind nicht die Einzigen, die Ärger mit der Deutschen Glasfaser haben. Auf SWR-Nachfrage bestätigt die Verbraucherzentrale BW, dass es immer wieder zu Problemen verschiedenster Art kommt. "Wir haben in der Tat zahlreiche Beschwerden zu Glasfaseranschlüssen", sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale BW.
Es kommt immer wieder zu Schwierigkeiten mit Anbietern, so Buttler. In den Glasfaserverträgen werde nämlich oftmals offen gelassen, was ein Glasfaseranschluss genau bedeutet. Endet der Anschluss am Haus oder geht er bis in die Wohnung?
Der richtige Glasfaservertrag ist der von der Straße bis in die Wohnung.
Der Verbraucherzentrale BW liegen verschiedenste Fälle vor. Ein häufiger Beschwerdepunkt ist, dass Anbieter nicht einmal Glasfaserkabel auf der Straße verlegen. Die Betroffenen warteten teilweise seit Jahren auf Glasfaser. Es gibt aber auch Fälle, in denen der Anbieter das Glasfasernetz schon in der Straße verlegt hat. Aber: Dann fehlt - wie bei Familie Ritter - nur noch der Anschluss ins Haus.
Langes Warten auf schnelles Internet FAQ zu Glasfaser-Ausbau: Nicht jeder braucht so einen Anschluss
Große Anbieter werben mit schnellem Internet für ihre Glasfaserverträge. Doch wer braucht diese Anschlüsse überhaupt und wie läuft der Ausbau in Baden-Württemberg?
Landkreis Emmendingen klagte gegen Deutsche Glasfaser
Was den Fall von Familie Ritter so kompliziert macht, ist, dass ihr Hof außerhalb von Kenzingen liegt. Dort ist der Glasfaserausbau für Unternehmen wirtschaftlich meist nicht lukrativ: Denn wenig Haushalte bedeuten viel Aufwand. Für Haushalte, die soweit außerhalb liegen, gibt es deshalb Förderprojekte vom Land oder vom Bund.
Auch der Glasfaserausbau von Familie Ritter liegt in so einem Förderprojekt. Über das wird aktuell aber noch juristisch verhandelt. Denn der Landkreis Emmendingen hat die Deutsche Glasfaser verklagt. Der Streitpunkt: Die Deutsche Glasfaser habe den gemeinsamen Vertrag nicht erfüllt.
Solange der Fall nicht final geklärt ist, geht der Glasfaserausbau im Landkreis Emmendingen und somit auch bei Familie Ritter in Kenzingen erst einmal nicht weiter.