Langes Warten auf schnelles Internet

FAQ zu Glasfaser-Ausbau in Baden-Württemberg: Nicht jeder braucht so einen Anschluss

Große Anbieter werben mit schnellem Internet für ihre Glasfaserverträge. Doch wer braucht diese Anschlüsse überhaupt und wie läuft der Ausbau in Baden-Württemberg?

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Von Autor/in Samantha Ngako, Julia Kretschmer

Schnelles Internet - für viele in Baden-Württemberg ist das schon Realität, während andere noch davon träumen und langsamer surfen müssen. Manche sind schon umgestiegen auf Glasfaser, andere warten darauf. So ist die Situation in Baden-Württemberg.

Brauche ich einen Glasfaseranschluss?

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) betont, dass Bürgerinnen und Bürger Glasfaser buchen sollten, wenn die Möglichkeit besteht: "Glasfaser bietet nicht nur höhere Bandbreiten, sondern ist deutlich zuverlässiger als Kupfer oder Kabel, hat eine niedrigere Latenz, verbraucht weniger Strom und ist inzwischen vielfach auch preislich attraktiver als DSL oder Kabel-Internet." Den künftigen Bandbreiten-Bedarf durch neue Anwendungen und Technologien könne perspektivisch nur Glasfaser decken.

"Glasfaser ist nicht für jedermann notwendig", sagt hingegen Verbraucherschützer Oliver Buttler. Man müsse seine persönlichen Bedürfnisse erstmal ausrechnen. "Selbst wenn ich in Ultra HD/4k streame, dann würde ich 35 Mbit/s brauchen, für ein superhochauflösendes Bild. Selbst wenn dann zwei Leute zuhause Netflix und Co. mit einem superauflösenden Bild streamen - ich sag mal, die zwei Kinder - und die Eltern im Homeoffice Videokonferenzen machen, würde eine 100er-Leitung vollkommen ausreichen", so Buttler.

Wie ist der Stand des Glasfaserausbaus?

Beim Glasfaserausbau lag Baden-Württemberg im Bundesvergleich lange hinten. Erst in jüngster Zeit holt das Land auf. Laut dem Gigabit-Grundbuch haben 27,16 Prozent der Privathaushalte in Baden-Württemberg Glasfaseranschlüsse bis ins Haus (Stand Dezember 2024, das sind die letzten veröffentlichten Daten). Zum Vergleich: Bundesweit sind es 39,79 Prozent. Das Gigabit-Grundbuch wird vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) und der Bundesnetzagentur (BNetzA) bereitgestellt. Den Zahlen zufolge schneidet Baden-Württemberg im Vergleich der Bundesländer schlecht ab.

"Beim Glasfaserausbau ist in Baden-Württemberg noch viel Luft nach oben", erklärte der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) dem SWR. Der Verband erhebt eigene Zahlen zum Thema Glasfaserausbau, die sich daher von den Daten aus dem Gigabit-Grundbuch unterscheiden. Die Zahlen beziehen im Unterschied zum Gigabit-Grundbuch auch Unternehmen mit ein.

Laut den Zahlen im Gigabit-Grundbuch belegte Baden-Württemberg Ende letzten Jahres im Ländervergleich den drittletzten Platz beim Glasfaserausbau.

Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, spricht zu den Aktionären mit einem Glasfaser-Kabel in in der Hand.
Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, spricht zu den Aktionären mit einem Glasfaser Kabel in in der Hand.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg spricht momentan von einem "größeren Flickenteppich mit vielen weißen Flecken beim Glasfaserausbau" im Land. Verbraucherschützer Buttler stellt fest, dass es keinen einheitlichen Ausbau gebe, sondern dass viele kleinere Kommunen den Ausbau an einen Anbieter vergäben. "Wir haben natürlich die Großen wie Vodafone und Telekom, die hier auch den Glasfaserausbau vornehmen. Und viele kleinere Gesellschaften, die mit beteiligt sind", so Buttler.

Das baden-württembergische Innenministerium ist auch für Digitales zuständig und teilte dem SWR mit, dass die Wachstumsrate des baden-württembergischen Glasfaserausbaus derzeit im Bundesvergleich überdurchschnittlich zunehme. Man rechne mit einem "deutlichen Zuwachs" der Glasfaserquote, da sich viele Projekte in der Planungs- und Umsetzungsphase befänden. Zudem hätten jetzt schon drei von vier Haushalten mindestens 1.000 Mbit/s. Baden-Württemberg liege damit bei der Gigabit-Verfügbarkeit auf Platz 4 von 13 unter den Flächenländern.

Wieso gibt es in BW so große regionale Unterschiede?

In Ulm ist der Anteil an Glasfaseranschlüssen mit 4,77 Prozent gering. Laut Innenministerium liegt das daran, "dass in der Stadt rund 87 Prozent der Haushalte über gigabitfähige Kabelanschlüsse versorgt sind". Diese erreichten Datengeschwindigkeiten, die nach Einschätzung des Ministeriums "für viele Haushalte und deren Bedarfe derzeit noch ausreichend sind". Und wieso ist der Ausbau im Landkreis Heilbronn mit 58,55 Prozent der Privathaushalte so hoch? Hier verweist das Ministerium darauf, dass der Kreis von einer "starken Partnerschaft mit einem privatwirtschaftlich agierenden Netzbetreiber" profitiere. Zudem von "einer hohen Nachfrage und einer guten Infrastrukturplanung", was den Ausbau deutlich beschleunige im Vergleich zu anderen Landkreisen.

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Der Ausbau des Glasfasernetzes ist in den Regionen des Landes unterschiedlich weit gekommen. Im Bundesvergleich belegt Baden-Württemberg einen der hinteren Plätze.

Wie groß sind die Unterschiede zwischen Stadt und Land?

Da der Glasfaserausbau privaten Telekommunikationsunternehmen obliegt - zum Beispiel Vodafone, Telekom oder Deutsche Glasfaser - wird meistens da ausgebaut, wo es wirtschaftlich am lukrativsten ist: viele Anschlüsse mit wenig Aufwand für die Unternehmen. Förderung vom Land oder vom Bund gibt es - aber nur da, wo ein eigenwirtschaftlicher Ausbau ausgeschlossen ist.

Auch Buttler von der Verbraucherzentrale verweist darauf, "dass die Firmen nach dem Profit gehen". Es gehe danach, wo man "die meisten Kunden mit dem geringsten Aufwand" finde. Da fange man möglicherweise in einer Stadt oder Gemeinde an. "Das kleine Dorf irgendwo auf der Schwäbischen Alb oder im Schwarzwald kommt dann erst am Ende dran, wenn es sein muss. Aber es ist halt nicht so lukrativ", so Buttler.

"In Städten gibt es häufiger bereits gut ausgebaute Kupfer- oder HFC-Netze, zum Beispiel die der Kabelnetzbetreiber. Das alte Kupfernetz der Deutschen Telekom wurde in der Vergangenheit zudem gerade in Ballungszentren technisch immer wieder aufgerüstet. Das hat zwar kurzfristig die Bandbreiten-Nachfrage gedeckt, aber eben auch den Glasfaserausbau zurückgedrängt", so der BREKO-Bundesverband. Demnach fehlen in ländlichen Regionen Kupfer- oder HFC-Netze, was den Einstieg in die Glasfasertechnologie erleichtere. "Und es gibt mehr Haushalte, die nicht ausreichend versorgt sind, weshalb die Konkurrenz niedriger und der Glasfaserausbau rentabler ist."

In ländlichen Regionen ist es aktuell so, dass das Netz entweder hervorragend ist, weil dort schon Glasfaser eigenwirtschaftlich oder gefördert ausgebaut wurde. Oder es ist etwas schlechter als in den Ballungsgebieten.  

Wo besteht Ausbaubedarf beim Thema Glasfaser in BW?

BREKO sieht den Ausbaubedarf "besonders hoch in topografisch herausfordernden Gegenden wie dem Südschwarzwald oder der Schwäbischen Alb". Hier sei es deutlich aufwändiger, die Kabel unter die Erde zu bekommen.

"Wir haben ja zahlreiche Gemeinden, die noch nicht angeschlossen sind und viele Betroffene haben Ärger mit ihren Anbietern, weil diese den Ausbau schon längst versprochen haben und der immer noch nicht vollzogen wurde. Das ist ein großes Problem, das immer noch nicht gelöst ist", betont Verbraucherschützer Buttler. Viele Verbraucher hätten jetzt die Schwierigkeit, dass sie ihren Altvertrag für DSL gekündigt hätten, aber keine Glasfaser bekommen haben und einen neuen Vertrag abschließen mussten. Der neue Vertrag habe "vielleicht schlechtere Konditionen" als der Altvertrag.

"Wir haben aber auch andere Fälle, dass die Glasfaseranbieter von Anfang an die Grundgebühren in Rechnung stellen und eine Gutschrift gewähren für die Zeit, in der es noch keine Belieferung gibt", so Buttler. "Man könnte jetzt sagen, das ist kein Problem, wenn es für die gesamte Zeit gelten würde." In den Verträgen stehe aber meistens im Kleingedruckten, dass das nur für das erste Jahr gelte. "Da die Glasfaserfirmen aber nur sehr schleppend ausbauen, kann es sein, dass manche tatsächlich für etwas zahlen sollen, das sie gar nicht haben", so Buttler.

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Wieso hinkt Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich hinterher?

Das Innenministerium verweist unter anderem darauf, dass rund zwei Drittel aller baden-württembergischen Haushalte über "einen grundsätzlich gigabitfähigen TV-Kabel-Netz bzw. HFC-Anschluss" verfügen, wobei viele dieser Anschlüsse bereits gigabitfähig seien, also 1.000 mbit/s schafften. Die "sehr gute Versorgung mit schnellem Internet im Land" führe dazu, dass die Endkunden "die bestehenden gigabitfähigen Anschlüsse mit guten Geschwindigkeiten aktuell oftmals teureren Glasfaserverträgen vorziehen". Mangels Nachfrage unterbleibe in der Folge ein Glasfaserausbau.

Die Verbraucherzentrale BW verweist aber darauf, dass es noch ganze Landstriche gebe, die "digital abgehängt" seien: Regionen und Dörfer, die immer noch maximal 16 Mbit/s oder nur per Satelit Internet hätten.

Nach Ansicht von BREKO ist ein Grund für den Aufholbedarf des Landes, dass die Landesregierung "in der Vergangenheit sehr stark auf staatliche Fördergelder gesetzt" habe, "um den Ausbau umzusetzen (2,8 Milliarden Euro Fördergeld, mehr als 3.600 Förderprojekte allein in Baden-Württemberg)". Geld allein baue allerdings keine Netze und löse die strukturellen Probleme beim Ausbau nicht. Unternehmen, die Glasfasernetze bauen, brauchen nach Ansicht des Verbandes stabile Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und schnelle Genehmigungsverfahren.

Mit wie viel Geld fördert das Innenministerium den Glasfaserausbau in Baden-Württemberg jährlich?

Nach Angaben des Innenministeriums hat die Landesregierung seit 2016 für verschiedene Förderprojekte insgesamt 3,22 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Dazu kamen demnach 3,52 Milliarden Euro von Seiten des Bundes. "Damit zählt das Land bundesweit zu den Spitzenreitern im geförderten Breitbandausbau", so das Innenministerium. Im Doppelhaushalt 2025/2026 seien weitere 1,1 Milliarden Euro für den Ausbau des schnellen Internets in BW vorgesehen.

Was sollten Endverbraucher beim Abschluss eines Glasfaseranschlusses beachten?

Verbraucherschützer Buttler warnt: "Die Termine werden allesamt nicht eingehalten." Es könne sein, dass man sehr lange auf Glasfaser-Internet warten müsse. Wenn ein Anschluss vorhanden sei, könne man schnell umsteigen. Ansonsten ist laut Buttler eine verbindliche Zusage mit Vorsicht zu genießen. Seiner Ansicht nach brauchen Kundinnen und Kunden einen Plan B, dass sie zum alten Anbieter zurückkehren können.

Der Verbraucherschützer weist außerdem darauf hin, dass durchgängig schnelles Internet bedeutet, dass es sich um Glasfaser von der Straße bis in die Wohnung handelt. "Wir haben aber oft zwei Technologien, die ineinander greifen", so Buttler. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Glasfaser zwar in der Straße verlegt ist, aber vom Verteilerkasten im Haus bis in die einzelne Wohnung Kupferkabel liegen - mit entsprechend weniger Bandbreite.

Also ich hab die Datenautobahn, die dann auf Landstraßenniveau heruntergedrosselt wird.

Was kostet ein Glasfaseranschluss im Vergleich zu DSL-Verträgen?

Internetverträge mit vergleichsweise geringen Bandbreiten über DSL haben sich einer Übersicht des Vergleichsportals Verivox zufolge deutlich verteuert. "DSL-Neukunden mit geringen Download-Raten zahlen heute rund ein Drittel mehr als noch im März 2023", erklärte das Unternehmen aus Heidelberg am Dienstag. "Surfen mit schnelleren Bandbreiten von bis zu 500 Megabit pro Sekunde ist hingegen im Zwei-Jahres-Vergleich günstiger geworden und immer öfter sogar preiswerter als langsames Internet."

Gegenüber Verträgen für Kabelinternet hat die klassische Internetverbindung über DSL laut Verivox schon länger keinen Preisvorteil mehr. "Doch nun verliert DSL immer öfter auch gegenüber Glasfaser", erklärte das Unternehmen. Neukundentarife für DSL mit 100 Megabit pro Sekunde kosten im Schnitt monatlich 90 Cent mehr als ein meist schnellerer Glasfasertarif. Schnellere Tarife sind über Glasfaser dann deutlich günstiger.

Was müssen Mieter und Eigentümer beim Thema Glasfaser beachten?

Aufputzleitungen oder neben dem alten Kupferkabel parallel Glasfaser laufen lassen: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die Glasfaserleitung im Haus verlegt wird. Eigentümer haben es in dieser Hinsicht einfacher. Mieter könnten nicht selbständig Kabel verlegen lassen, sondern müssten das mit dem Vermieter abstimmen, so Buttler. In Eigentümergemeinschaften sei es unproblematisch, wenn sich die Eigentümer einig sind.

Gibt es Betrug mit Glasfaseranschlüssen?

Der Verbraucherzentrale sind Fälle bekannt, in denen es Betrugsversuche mit Glasfaseranschlüssen gegeben haben soll. Buttler berichtet von Haustürgeschäften, in denen Schrecksszenarien aufgebaut würden, wonach "ab nächster Woche kein herkömmliches Internet mehr verfügbar ist. Das geht nur noch mit Glasfaser". Außerdem gebe es Ortsveranstaltungen, auf denen zu Glasfaserausbaustufen informiert wurde. Wer sich als Interessent in eine Liste eingetragen habe, habe einen Vertrag abgeschlossen, so der Verbraucherschützer. Auch Hausbegehungen durch sogenannte Promoter seien in letzter Zeit häufiger vorgekommen.

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Samantha Ngako
SWR-Redakteurin Samantha Ngako
Julia Kretschmer
Julia Kretschmer Portrait SWR Volontärin 2022