Im Gemeindewald von Appenweier (Ortenaukreis) sind in der letzten Oktoberwoche tonnenweise Eicheln gesammelt worden. Sie sind das Saatgut, mit denen unsere heimischen Wälder auf den Klimawandel vorbereitet werden sollen. Denn die Eiche spielt im Baummix der Zukunft eine wichtige Rolle. Das bestätigen auch aktuelle Forschungen der Uni Freiburg.
Ein gutes Erntejahr für Eicheln
In einem lichten Eichenwald bei Appenweier knien Männer und Frauen in Anglerhosen auf dem Boden. Sie fischen Eicheln aus dem feuchten Laub. Eimer um Eimer, Sack um Sack füllt sich. Eine mühsame Arbeit, aber sie lohnt sich: Es ist ein reiches Erntejahr, so wie es nur alle paar Jahre vorkommt. 500 Kilo sammeln die Erntehelferinnen und -helfer aus Rumänien pro Tag. In einer Forstbaumschule in Albstadt (Zollernalbkreis) sollen sie zu tausenden Eichen-Setzlingen heranreifen. Die sind im baden-württembergischen Forst sehr gefragt.
"Ein wunderschöner Stamm, eine kräftige, gesunde Krone", sagt Hartmut Engler und streicht über die Rinde einer hohen Stieleiche. Bäume wie dieser haben das Waldstück bei Appenweier zu einem ausgewiesenen Erntegebiet gemacht. Engler begleitet die Sammelaktion für das Waldwirtschaftsamt des Ortenaukreises. "Früher hat man mehr auf die Holzqualität geschaut", sagt er, "jetzt für die Zukunft, Richtung Klimawandel, muss man auch mehr auf die Vitalität der Bäume schauen."
Uni Freiburg testet Wachstum der Eichen bei Dürren
Damit, genauer gesagt mit der Trockenresilienz der Eichen, beschäftigt sich auch die Umweltwissenschaftlerin Christiane Werner. In einer Laborhalle der Uni Freiburg nahe dem Flugplatz steht zu eine Reihe großer Klimaschränke, sogenannte Ecotronen. Darin ließen Werner und ihre Mitarbeitenden wochenlang junge Stieleichen unter extremen Bedingungen wachsen.
"Wir haben den Effekt wiederkehrender Dürren untersucht", erklärt die Forscherin. Dazu wurden die Bäumchen in den Ecotronen mehreren heißen und trockenen Perioden ausgesetzt. "Es gibt bei Pflanzen eine Erinnerung an Dürren", sagt Werner, dadurch könnten sie sich ein Stück weit an veränderte klimatische Verhältnisse anpassen. Und die Stieleiche, das bestätigen erste Eindrücke aus den Versuchen, schafft das ziemlich gut.
Bei der Eiche sehen wir, dass sie besonders gut mit Trockenheiten umgehen kann.
Forschung hilft bei Baumzucht im Klimawandel
Derzeit werten die Forschenden noch die Ergebnisse der Stresstests mit jungen Eichen aus. Die Erkenntnisse, sagt Christiane Werner, könnten der hiesigen Baumzucht unmittelbar zugute kommen. "Das kennt man aus mediterranen Ländern, dass man zum Beispiel schon in den Baumschulen Pflanzen eher mit wenig Wasser anzieht, so dass sie resilienter werden."
Mit ihren tiefen Wurzeln, robusten Blättern und der Fähigkeit, den Wasserhaushalt gut zu regulieren, sei die Eiche in jedem Fall relativ gut gewappnet für den Klimawandel, sagt Werner. Jetzt geht es den Freiburger Forschenden darum, diese Eigenschaften unter extremen Bedingungen zu untersuchen und besser zu verstehen.
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Eichen ersetzen Eschen und Erlen in Appenweier
Im Gemeindewald von Appenweier hat die Eiche jedenfalls schon Karriere gemacht. "Wir hatten hier früher 70 Prozent Eschen und Erlen", erzählt Revierförster Hubert Huber. Doch in den letzten Jahrzehnten haben Pilzbefall und Eschentriebsterben viele dieser Bäume dahingerafft. Die Bestände wurden mit Eichen wieder aufgeforstet. "Die Eiche ist die robusteste Baumart", so Huber, und zudem enorm flexibel in der Bewirtschaftung: "Ich kann sie 100 Jahre alt werden lassen, aber auch 180 Jahre."
Einige der hier bei Appenweier gesammelten Eicheln dürften schon bald als Setzlinge wieder zurückkehren. Denn Eichen sollen Gemeindewald auch weiterhin verstärken.