Auch noch nach Jahren suchen Freiwillige in Todtmoos (Kreis Waldshut) nach der vermissten Scarlett. "Wir treffen uns fast jedes Wochenende", sagt Andi Asal. Er ist Mitglied der Facebook-Gruppe "Bitte findet Scarlett". Die Mitglieder suchen in jeder Felsspalte, in jedem hohlen Baum, im Gestrüpp und im Unterholz. Ihre Handys zeichnen dabei auf, welche Wege sie bereits abgesucht haben. Die bereits abgesuchten Strecken sind gelb markiert. Das Display zeigt unzählige gelbe Linien, aber auch noch einige freie Flächen. Eine davon wollen sie sich an diesem Tag vornehmen.
Alles, was nicht zum Waldboden gehört, könnte zu Scarlett gehören.
Andi Asal kommt aus Schönau im Schwarzwald (Kreis Lörrach) und hat einen nicht ganz so langen Anfahrtsweg wie die anderen aus der Gruppe. Vorsichtig schreitet er einen felsigen Abhang hinunter. Er hat einen weißen, länglichen Gegenstand im Laub entdeckt. "Da muss man schon auf Nummer sicher gehen, dass es Holz ist und kein Knochen", sagt er.
Scarlett ging allein auf den Schluchtensteig
Treffpunkt für die Facebook-Gruppe ist meist der Edeka in Todtmoos. Hier wurde Scarlett Salice im September 2020 zuletzt gesehen. Die damals 26-Jährige wollte allein die letzte Etappe des Schluchtensteigs wandern. Doch sie verschwand spurlos. Das Gebiet zwischen Todtmoos und Wehr wurde damals gründlich abgesucht mit Hubschrauber und Hundestaffeln. Alles erfolglos.
Verbrechen oder Unfall?
Warum hat die Gruppe trotzdem Hoffnung, doch noch etwas zu finden? "Die Suche war ja dann nach zwei, drei Wochen eingestellt", sagt Andi Asal. Das Gelände sei aber so weitläufig, "das kannst du gar nicht schaffen in dieser Zeit", meint er. Die Gruppe diskutiert oft die Frage, ob Scarlett wohl einen Unfall in der steilen Schlucht hatte oder ob sie Opfer eines Gewaltverbrechens wurde.
Man darf die Hoffnung nie aufgeben.
Auch Peter Schöner sucht mit. Er ist aus dem Konstanzer Raum angereist. Etwa 120-mal sei er schon bei den Suchaktionen dabei gewesen, berichtet er. In seinem Rucksack hat Peter Schöner ein paar Steine. Er legt sie beim Suchen auf Sitzbänke am Wegesrand. Auf den hellen Steinen ist Scarletts Foto gedruckt und der Kontakt zur Facebook-Gruppe. Andi Asal und Patricia Lindinger hängen in einigen Abständen Flyer an Bäume. Auch darauf ist Scarletts Gesicht und ein QR-Code gedruckt, durch den interessierte Wanderer auf die Homepage der Facebook-Gruppe kommen.
Ihre Aktionen erregen Aufmerksamkeit
Auf so einen Flyer hin hatte sich 2022 eine Schluchtensteig-Wanderin bei der Gruppe gemeldet. Sie hatte eine Sonnenbrille im Unterholz gefunden. "Das baugleiche Modell wie das von Scarlett", sagt Patricia Lindinger. Es wurden allerdings keine DNA-Spuren auf der Brille gefunden, weder von Scarlett, noch von einer anderen Person. Die Polizei duldet die Aktionen der Gruppe. Scarletts Familie ist dankbar. Das hält die Gruppe bei der Stange.
Die ganze Suche schweißt natürlich unwahrscheinlich zusammen.
Aus einem Facebook-Post ist eine 15-köpfige Gruppe geworden. "Wir können uns auf einander verlassen", sagen sie. Besonders stolz sind sie auf die Dankbarkeit der Familie von Scarlett. "Aufgeben ist keine Option", versichern sie - bis Scarletts Eltern Gewissheit haben, was mit ihrer Tochter passiert ist.