Die letzten Bilder von Scarlett S. aus Nordrhein-Westfalen sind Videoaufnahmen aus Todtmoos (Kreis Waldshut) vom 10. September 2020. Ihren großen roten Rucksack hatte die damals 26-Jährige auf diesen Aufnahmen auf den Rücken geschnallt, Wanderschuhe an und ihr Handy in der Hand. Nach diesen Aufnahmen hat sich die Spur von Scarlett S. verloren. Noch immer.
Rund 600 Hinweise sind bei der Polizei seitdem eingegangen
Noch immer erhält das Kriminalkommissariat Waldshut-Tiengen monatlich rund vier bis fünf Hinweise zum Verschwinden von Scarlett S. Das sagte Polizeisprecher Christoph Efinger auf SWR-Nachfrage. Meist handele es sich bei diesen um Knochenfunde oder Gegenstände, die von Wanderinnen und Wanderern im Schluchtensteig gefunden wurden. Insgesamt ist die Polizei rund 600 Hinweisen seit dem Verschwinden von Scarlett S. vor fünf Jahren nachgegangen.
Doch keiner der Hinweise sei bislang zielführend gewesen. "Ihr Verschwinden ist bis heute ungeklärt", sagt Efinger. Sollte jedoch beispielsweise ein rotes Stoffteil von einem Rucksack gefunden werden, würden aktive Suchmaßnahmen wieder aufgenommen werden, so der Polizeisprecher.
Scarlett S. gilt offiziell als vermisst
Der Fall von Scarlett S. wird seit Februar vor zwei Jahren wieder als Vermisstenfall geführt. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen im August 2021 nach einer Anzeige ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Doch hinreichende Beweise für ein Gewaltverbrechen konnten nicht gefunden werden. Das Verfahren wurde eingestellt.
Ist das Schicksal der vermissten Person auch nach Ausschöpfen aller Ermittlungsmaßnahmen völlig ungewiss, wird das Todesermittlungsverfahren eingestellt.
Das Verfahren könne laut der Staatsanwaltschaft jedoch jederzeit wieder aufgenommen werden. Eine Person könne frühestens nach zehn Jahren als tot erklärt werden.
Ungewissheit, was mit Scarlett S. passiert ist
Die damals 26-Jährige war eine geübte Wanderin und oft alleine auf ihren geplanten Routen unterwegs. Mit der Bergwacht, Hundestaffeln, Drohnen und Hubschraubern wurde nach der Vermissten auf der rund 20 Kilometer langen letzten Etappe zwischen Todtmoos und Wehr im Kreis Waldshut gesucht. Bis heute bleibt unklar, ob ein Gewaltverbrechen oder ein Unglück zu ihrem Verschwinden geführt hat.
Fünf Jahre voller Fragen, voller Hoffen, ohne Antworten.
Auch die Familie von Scarlett S. sucht noch immer nach Antworten. In einem Instagram-Post hat sich die Familie am Mittwoch geäußert: "1826 Tage ohne Antworten" und "Kein Tag vergeht, an dem wir nicht an dich denken".
Auf der Instagram-Seite "Bitte findet Scarlett" hat die Familie auch eine private Vermisstenmeldung veröffentlicht. Mit Bildern ihrer Wanderausrüstung und von der damals 26-Jährigen selbst.
Auch Nutzerinnen und Nutzer von Facebook äußern sich immer noch schockiert und fassungslos über das Verschwinden von Scarlett S. So schreibt eine Nutzerin: "Ich denke sehr oft an sie und was mit ihr passiert ist." Und eine andere: "Dieser Fall hat mich sehr beschäftigt und tut es heute noch."