Manchmal genügt ein halber Zentimeter, um selbst ein mehrere Zentner schweres Tier das Leben zu kosten. So geschehen im Zoo Basel: Der Gorillamann M’Tongé hatte sich vor einigen Jahren mit dem Fuchsbandwurm infiziert. Lange zeigte er keine Symptome, doch vor Kurzem verschlechterte sich sein Zustand zusehends. Am Freitagmorgen erlöste ihn ein Tierärzteteam. Tragischerweise war M’Tongé nicht der erste Fall: Auch sein Vorgänger fiel derselben Infektion zum Opfer.
Gorilla wollte nichts mehr essen und trinken
Seit März 2024 stand fest: Der Gorilla-Silberrücken M’Tongé war an einer Fuchsbandwurm-Infektion erkrankt. Laut dem Zoo Basel begannen die Tierärztinnen und Tierärzte umgehend mit der Behandlung. Die verabreichten Medikamente, konnten den Krankheitsverlauf zwar verlangsamen, jedoch nicht aufhalten oder heilen. "M’Tongé lebte gut mit der Erkrankung und war bis zuletzt weitgehend beschwerdefrei", teilte der Zoo mit. Doch vor rund eineinhalb Wochen verschlechterte sich sein Zustand deutlich: Ab dem 18. Juni fraß M’Tongé kaum noch, trank wenig und wirkte zunehmend schwach und gezeichnet. Aufgrund seines fortschreitenden Leidens entschieden die Verantwortlichen, den Gorilla einzuschläfern.
Nach dem Tod M’Tongés blieb sein Körper noch mehrere Stunden im Gehege, damit die anderen Gorillas Abschied von ihm nehmen konnten. Anschließend wurde er zur weiteren Untersuchung in die tierpathologische Abteilung der Universität Bern überführt.
Unterdessen hat die Suche nach einem geeigneten Nachfolger begonnen. "Dies, damit die Basler Gorillaweibchen nicht zu lange nur unter sich sind", heißt es.
Gorilla gehörte seit 11 Jahren zur Basler Zoo-Familie
Der Gorilla-Silberrücken M’Tongé war gebürtiger Niederländer - 1999 wurde er in den Niederlanden geboren. Im Alter von neun Jahren wechselte er in eine Junggesellengruppe nach Polen. 2014 kam er schließlich in den Zoo Basel, wo er erstmals eine eigene Familiengruppe übernehmen durfte.
M’Tongé galt als fürsorglicher und gelassener Vater. Er zeugte drei Nachkommen: Makala, Mobali und Qaziba. Mit seiner behutsamen Art und seiner natürlichen Autorität prägte er das soziale Gefüge der Gruppe entscheidend - als ruhiger Mittelpunkt und souveräner Anführer. So beschreibt ihn der Basler Zoo in einer Mitteilung.
Zoo hat mit infizierten Gorillas Erfahrung
Dass sich ein Gorilla mit dem Fuchsbandwurm infiziert, ist kein Einzelfall. Bereits M’Tongés Vorgänger, der Gorillamann Kisoro, erkrankte an dem Parasiten. Er war 25 Jahre alt und starb 2014 an den Folgen der Infektion.
Um solche Fälle künftig zu vermeiden, setzt der Zoo Basel auf spezielle Vorsichtsmaßnahmen: Futter, das potenziell mit dem Fuchsbandwurm belastet sein könnte, wird vor der Verfütterung mit Wärme behandelt. So soll das Infektionsrisiko minimiert werden, es sinke jedoch nicht auf null, heißt es.
Eine besondere Herausforderung stellt die lange Inkubationszeit der Krankheit dar: Sie kann sich über mehrere Jahre hinweg unbemerkt entwickeln, da sie anfangs meist ohne Symptome verläuft. Im fortgeschrittenen Stadium bilden sich tumorartige Wucherungen, häufig in der Leber. Dabei kann das gesunde Gewebe so stark verdrängt werden, dass kaum noch funktionstüchtige Leberanteile verbleiben. In der Endphase führt die Erkrankung oft zu einer Bauchfellentzündung und schließlich zum Tod. Auch Menschen können sich mit dem Fuchsbandwurm infizieren - solche Fälle sind jedoch äußerst selten. Eine Übertragung vom Gorilla auf den Menschen ist ausgeschlossen.