Pudelmix im Dienst am St. Josefskrankenhaus

Erster Therapiehund auf Intensiv: Balou hilft Patienten in Freiburg

Ein Tier auf der Intensiv? Das geht, wenn alle mitmachen und strenge hygienische Regeln eingehalten werden. Pflegekraft Andrea Mies und ihr Hund Balou machen es in Freiburg vor.

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Von Autor/in Wera Engelhardt

Ganz sanft legt Balou seine lockige Schnauze ab, auf einem Papier am Rand des Krankenbetts. Der Pudelmix weiß genau, wie er sich im Patientenzimmer im Freiburger St. Josefskrankenhaus zu verhalten hat. Auch wenn er dieses Mal ein bisschen vorwitziger in den Raum getappt ist als sonst. Der Patient im Bett streichelt über Balous cremefarbenes Fell. Und die Stimmung im Zimmer auf der Intensivstation des Krankenhauses scheint sich aufzuhellen. Balou, das spürt man, ist ein ganz besonderer Besucher. Denn am St. Josefskrankenhaus in Freiburg gibt es den ersten Therapiehund auf einer Intensivstation.

Therapiehunde auf der Intensiv sind in England schon üblich

Ein Hund auf der Intensiv, ein Tier in dieser empfindlichen Umgebung - das ist ungewöhnlich. Die Idee kam von Balous Frauchen Andrea Mies. Sie ist Pflegekraft auf der Intensivstation am St. Josefskrankenhaus und hatte erfahren, dass es in England schon üblich ist, Therapiehunde mit auf die Intensiv zu nehmen. Die Tiere sollen Stress abbauen und den Menschen Ängste nehmen. In Deutschland ist kein vergleichbares Projekt bekannt.

Ihr Hund Balou mit seiner ruhigen Art könnte sich dafür doch eignen, dachte Andrea Mies. Und er hat den Vorteil, dass er nicht haart. Denn Hygiene hat oberste Priorität.

Um ihre Idee zu verwirklichen, musste Mies ein Hygienekonzept erarbeiten. Dazu gehört: konsequentes Hände desinfizieren vor und nach Balous Besuch, regelmäßige Abstriche bei den Patientinnen und Patienten und Balou darf sich nur an bestimmten Stellen im Zimmer ablegen. Die Hygienekommission ihres Krankenhauses gab Mies auf dieser Grundlage grünes Licht. Über den vergangenen Sommer wurde Balou ausgebildet. Seit Weihnachten ist er in den Krankenzimmern im Einsatz.

Manchmal reicht schon Balous Anwesenheit am Krankenbett

Andrea Mies freut sich über die Unterstützung, die sie erfahren habe. "Was mich so bewegt hat, ist, dass ich zwar gesagt habe: Hey, das können wir doch machen. Aber dass das ganze Team hier gesagt hat: Was für eine geile Sache, das machen wir", sagt sie. Pflegedienstleiter Marc Mielke bekräftigt das. "Balou hat eine spürbar positive Wirkung auf die Patientinnen und Patienten", sagt er. "Wir sind froh, dass wir als Krankenhaus mit diesem Projekt vorangehen können."

Zweimal pro Woche nimmt Mies ihren Balou aktuell mit ins Krankenhaus. In der Zeit arbeitet sie nicht als Pflegekraft, konzentriert sich nur auf ihren Hund. Im Krankenzimmer gehe es gar nicht immer ums Streicheln, erklärt Mies. Manche Patientinnen und Patienten seien dazu gar nicht in der Lage. Oft reiche Balous Anwesenheit. Immer nach Absprache mit den Erkrankten, ihrer Familie und den Ärztinnen und Ärzten. "Auch wenn die Situation insgesamt angespannter ist, gibt es trotzdem ein Lächeln oder jemand sagt: Ah, das tat gerade gut", sagt Mies.

Ein cremefarbener Hund und sein Frauchen Andrea Mies beim Spiel mit einem Ball in einem Wohnzimmer. Die beiden trainieren viel zu Hause.
Pflegekraft Andrea Mies und Pudelmix Balou üben viel zu Hause. Hier geht es darum, wie Balou mit Patientinnen und Patienten spielen könnte - wenn diese das wollen und können.

Andrea Mies: Balou therapiert mich gleich mit

Trainiert hat sie mit Balou im Krankenhaus, aber auch viel in ihrer Freizeit. Unterstützt von der Freiburger Hundetrainerin Susanne Allgeier, die die beiden von Anfang an begleitet hat. "Für mich ist das ein Herzensprojekt", betont Allgeier. Sie sei beeindruckt, wie viel persönliches Engagement Andrea Mies gezeigt habe.

Mies sagt, sie bekomme auch viel von Balou zurück: "Er hilft uns allen. Dass ich mich jetzt traue, mal einen Vortrag zu halten oder überhaupt mal darüber was zu erzählen - wenn man so will, therapiert er mich gleich mit."

Jetzt hofft sie, dass andere Kliniken ihrem Beispiel folgen. Während Balou sich erstmal von seinem Dienst erholen muss. Denn auch für den Pudelmix sind die Besuche auf der Intensivstation ganz schön anstrengend.

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