Sie hat den Namen "Himmelsschaukel" und hängt an zwölf Meter langen Stahlseilen von der Decke der Thomaskirche im Freiburger Norden. Zweimal im Monat ist Schaukelzeit. Dann kann jeder kommen und ausprobieren, wie sich Schaukeln im Altarraum anfühlt.
Die Idee zur Schaukel hatte Pfarrerin Gabriele Hartlieb von einem Kirchenkongress in Norddeutschland mitgebracht. Weil die Thomaskirche in den vergangenen Jahren neu gestaltet wurde, war der Zeitpunkt für die Anbringung der Schaukel im Altarraum ideal.
Anstelle des Altars hängt jetzt eine Schaukel
Während der Umgestaltung wurde das Gotteshaus aus dem Jahr 1959 verkleinert. Zudem wurden ein Pflegeheim, ein Kindergarten und ein Begegnungscafé eröffnet - und jetzt eben auch die Kirchenschaukel. Immer am ersten und dritten Freitag im Monat dürfen Besucherinnen und Besucher auf der Schaukel Platz nehmen. Wenn nicht geschaukelt wird, hängt die Kirche genau an dieser Stelle den Altar an den vier Stahlseilen auf.
Wir finden, in der Schaukel zu liegen sagt ganz viel über den Glauben. Ich bin ganz bei mir und geborgen und ich fühle das Auf und Ab des Lebens.
Kritische Stimmen habe es zu Beginn der neuen Attraktion natürlich auch gegeben, sagt Gabriele Hartlieb: "Eine Schaukel in der Kirche, habt ihr sie noch alle?!" Diese Stimmen seien aber bald verstummt. Wer einmal schaukle, sei meist begeistert, so die Pfarrerin.
Schaukel soll Menschen in die Kirche bringen
Für Gabriele Hartlieb ist die Himmelsschaukel das beste Symbol für gelebten Glauben. Der sei in der Thomaskirche mit allen Sinnen zu erleben. Immer nur sitzen, beten und singen sei für viele zu langweilig. Mit der Schaukel will die Pfarrgemeinde Menschen in die Kirche bringen, die mit einem normalen Gottesdienst nichts mehr anfangen könnten. Seitdem die Schaukel hänge, habe die Pfarrgemeinde wieder mehr Zulauf, bilanziert Hartlieb.
Ein Pendel mit zwölf Meter Seillänge braucht sieben Sekunden hin und her und das macht den Effekt aus.
Zu den Schaukelterminen kommen Menschen jeden Alters. Kinder finden die neue Attraktion besonders toll. Aber auch ältere Menschen würden sich in ihre Jugend zurückversetzt fühlen, sagt die Pfarrerin.
Kirchenschaukel ist ein Social-Media-Erfolg
Über den Erfolg der Himmelsschaukel ist die evangelische Kirche selbst etwas erstaunt. Mit einem Video in den sozialen Netzwerken hatte die Pfarrgemeinde auf die Schaukel aufmerksam gemacht - bislang wurde es 160.000 Mal geklickt. "Ich finde es cool, wenn man Kirchenräume nicht nur im klassischen Sinne nutzt, sondern auch mit Kreativität", sagt Antonia Krebs, die als Besucherin in der Thomaskirche vorbeischaut. "Das gibt nochmal ein ganz anderes Gefühl, wenn man hier so durchfliegt", findet die 23-Jährige.
Von der Kirchenschaukel herunterfallen kann man eigentlich nicht. Besucherinnen und Besucher können ganz entspannt im Liegen hin- und herschweben. Die Schaukel ist technisch abgenommen, wird regelmäßig gewartet und ist TÜV-geprüft. Denn in Deutschland gibt es eine Schaukelverordnung - die gilt nicht nur für Spielplätze, sondern auch für die Thomaskirche.