Rund 58.000 Euro Spenden für ehemalige Bewohner

Wie kam es zum Großbrand in Villingen? Technischer Defekt wohl Ursache

Elf Tage nach dem Großbrand in Villingen halten die Ermittler einen technischen Defekt für eine mögliche Ursache. Währenddessen bleibt die Hilfsbereitschaft in Villingen groß.

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Stand

Sechs Häuser in Flammen. 35 Menschen ohne Wohnung. Der Brand in der Villinger Innenstadt (Schwarzwald-Baar-Kreis) hat tiefe Wunden hinterlassen und Fragen aufgeworfen. Nun gibt es erste Hinweise, dass ein technischer Defekt die Ursache für das Feuer gewesen sein könnte. Man könne diese Option nicht ausschließen, teilt die Staatsanwaltschaft Konstanz dem SWR mit. In rund einer Woche sollen voraussichtlich erste Ergebnisse der Ermittlungen veröffentlicht werden.

35 Menschen haben ihr Zuhause verloren

Die 15-jährige Mariia Tsymbal ist mit ihren Eltern anderthalb Wochen nach dem Brand zum ersten Mal bei ihrer abgebrannten Wohnung. Vor drei Jahren flüchtete die Familie vor dem Krieg in der Ukraine in den Schwarzwald - nun müssen sie erneut von vorn anfangen. Mariia war im Freibad, als der Brand begonnen hatte.

Ich habe großen, schwarzen Rauch gesehen, ich dachte es brennt ein Wald oder so. Ich wusste nicht, dass es mein Haus ist.

Ihre Eltern hatten in der Wohnung geschlafen, das Knistern der Flammen hatte sie geweckt. Die Mutter war im Schlafanzug und der Vater ohne Schuhe aus dem Haus gerannt.

Hilfsbereitschaft groß: 58.000 Euro für ehemalige Bewohner gesammelt

Viele Menschen aus Villingen-Schwenningen haben seitdem Wohnungen und Möbel angeboten, die Stadt koordiniert die Hilfe mit den Betroffenen. Dank der Unterstützung haben Mariia und ihre Eltern wieder ein Dach über dem Kopf. Rund die Hälfte der 35 Betroffenen hätte bereits eine neue Unterkunft gefunden, sagt Villingen-Schwenningens Oberbürgermeister Jürgen Roth (CDU). Die Übrigen seien noch auf der Suche oder im Austausch mit Vermietern. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sei groß. Das lässt sich auch an der Spendenbereitschaft erkennen. Auf das Spendenkonto der Volksbank, dass das Deutsche Rote Kreuz eingerichtet hat, sind seit dem Brand etwa 58.000 Euro eingegangen.

Ermittlungen zur Brandursache in Villingen laufen noch

In Villingen hielt sich das Gerücht, dass ein Grill auf einem Balkon das Feuer ausgelöst haben könnte. Der Leiter der Staatsanwaltschaft Konstanz, Johannes-Georg Roth, wollte sich dazu gegenüber dem SWR nicht äußern. Man wolle keine unseriösen Aussagen vorab treffen, sagte Roth. Denn die Untersuchungen dauern noch an.

Nach dem Großbrand in Villingen wird das Ausmaß der Zerstörung sichtbar.
Im Inneren der Häuser zeigt sich die Zerstörung vollends. Thomas Hermanns

Die abgebrannten Häuser sind derzeit noch abgesperrt, wegen Einsturzgefahr hat die Stadt Villingen-Schwenningen ein Betretungsverbot erlassen. Bisher wurden nur grob aufgeräumt. So hat eine Spezialfirma für Brand- und Wasserschäden die Dächer abgesichert, damit keine weiteren Dachziegel herunterfallen können. Zudem wurden kaputte Fensterscheiben eines angrenzenden Hauses abgedeckt und die Straßen rund um die Brandstelle gesäubert. Weitere Aufräumarbeiten können erst nach Abschluss der Ermittlungen durch das Landeskriminalamt beginnen.

Denkmalschutz, Abriss, Neubau?

Die Diskussionen um das "Was Jetzt?" werden nun intensiv geführt. 3-4 Jahre könnte es dauern, bis die Häuser wieder aufgebaut sind, heißt es von der Stadt. Eine große Herausforderung, befürchtet Tugce Raife Ünal Atik. Die Rückwand ihrer Reinigungsfirma grenzt an die Brandruinen an. Zurzeit ist ein Betrieb nicht möglich. Sie fürchtet, dass auch der Staub bei einem Abriss und Aufbau ihr Geschäft stark beeinträchtigen könnte. Sie hofft daher, dass auch das angrenzende Gewerbe unterstützt wird. Die Stadt Villingen-Schwenningen hatte am Mittwochmorgen Anwohner eingeladen, um über die Probleme zu diskutieren.

Die kaputten Fenster der angrenzenden Gebäude beim Brand in Villingen werden mit Folie abgeklebt.
Thomas Hermanns

Fünf Gebäude in der Altstadt durch Großbrand zerstört

In der historischen Innenstadt von Villingen hatte das Feuer am 14. Juni fünf Gebäude komplett oder zum Teil zerstört. Ein sechstes Gebäude kam mit Schäden an der Außenwand davon. Zwei Häuser stürzten teilweise ein. Vier Hausbewohner zogen sich Rauchgasvergiftungen zu. Zwei Feuerwehrleute mussten im Krankenhaus behandelt werden, ein weiterer ambulant. Insgesamt waren etwa 100 Menschen im Einsatz. Der Schaden dürfte nach ersten Schätzungen von Feuerwehr und Polizei in die Millionen gehen. 

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