Die sechs Jahre alte Hündin Lina, eine Mischung aus Husky und Berner Sennenhund, kann die Asiatische Hornisse auf weite Entfernungen riechen. Mehrere Monate lang hat Astrid Hellebrand mit ihr dafür trainiert.
Kaum hat die Imkerin aus Kandern im Garten eines Nachbarn ein Glas mit toten Hornissen als Köder versteckt, geht alles ganz schnell: Lina läuft los, die Nase auf dem Boden und hat das Glas in Nullkommanichts gefunden. Die Hündin setzt sich hin und wartet am Fundort: Das ist das vereinbarte Zeichen dafür, dass sie fündig geworden ist. Zur Belohnung bekommt Lina ein "Leckerli".
Die Hunde müssen Spaß haben.
Die meisten Hunde haben einen guten Geruchssinn und können als Artenspürhunde eingesetzt werden. Auch die holländische Schäferhündin mit dem klangvollen Namen "Bira vom Schwieringhauser Bach" findet den versteckten Köder auf Anhieb.
Asiatische Hornisse als Bedohung für Bienenvölker
Bira gehört der Imkerin Helga Degro aus Kronau im Kreis Karlsruhe. Sie sind an diesem Tag bei Astrid Hellebrand in Kandern-Hammerstein zu Gast. Die Imkerinnen sehen in der Asiatischen Hornisse eine Bedrohung für ihre Bienenvölker. Bei ihrem Imkerkollegen Johan Asal lässt sich in dessen Garten in Kandern die Gefahr mit scharfen Augen beobachten: Vor den Schlitzen seiner Bienenhäuser fliegen Asiatische Hornissen und schnappen sich im Flug immer wieder eine Biene.
Die Asiatische Hornisse ist vor 20 Jahren als blinder Passagier mit Töpferware per Schiff aus China nach Europa gekommen, zuerst nach Frankreich. Inzwischen breitet sie sich auch bei uns vor allem am Oberrhein immer weiter aus. Ein Volk von Asiatischen Hornissen kann mehrere Bienenvölker verspeisen. Die bestehen immerhin aus jeweils 30.000 bis 50.000 Bienen.
Die greifen an, aber man kann so gut wie nichts machen.
2025 bereits rund 600 Nester der Asiatischen Hornisse in BW dokumentiert
Johan Asal fühlt sich ohnmächtig. Astrid Hellebrand und ihrer Freundin aus dem Kreis Karlsruhe, wo die Asiatische Hornisse im Land zuerst aufgetreten ist, geht es ähnlich. Aber sie nehmen die Sache jetzt selbst in die Hand und machen sich mit ihren Spürhündinnen auf die Suche nach dem Schädling. Wenn Astrid Hellebrand ein kleines Hornissennest findet, stülpt sie ein Glas darüber und legt es in die Kühltruhe. Dann sind die Hornissen tot, werden aber vorher noch mit einem Foto dokumentiert. Das Foto schickt Astrid Hellebrand, die auch Vorsitzende des Imkervereins Kandertal ist, der zuständigen Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim. Dort sind in diesem Jahr in Baden-Württemberg schon rund 600 Nester der Asiatischen Hornisse dokumentiert.
Hornissen plagen auch die Obstbauern
Der Schädling plagt auch die Obstbauern. Denn die Hornissen dezimieren nicht nur die Bienen, die für die Bestäubung wichtig sind, sondern sie knabbern auch das Obst an. Außerdem sind die Asiatischen Hornissen aggressiver als die heimischen europäischen Hornissen und deshalb auch eine Gefahr für die Erntehelfer in den Obstplantagen. Max Hagin aus Weil-Haltingen, Vizepräsident des Landesverbandes Erwerbsobstbau Baden-Württemberg e.V., bewirtschaftet selbst auch Obstplantagen im Kandertal und spricht von einem weiteren "Sorgenkind bei uns im baden-württembergischen und deutschen Obstbau."