Mit den steigenden Temperaturen kriechen immer mehr Insekten aus ihrem Winterquartier. Mit dabei die Königinnen der asiatischen Hornisse. Carsten Emser ist alarmiert. Der Hornissenbekämpfer aus Baldringen (Kreis Trier-Saarburg) weiß, dass die ersten Tiere in der Region bereits gesehen wurden.
Invasive Art breitet sich aus Immer häufiger in RLP - Fünf Fakten über die asiatische Hornisse
Die asiatische Hornisse verbreitet sich immer mehr in Rheinland-Pfalz. Die invasive Art bedroht heimische Insekten, vor allem Bienen.
Im vergangenen Jahr hatte Emser bereits viele Nester der asiatischen Hornisse entfernt. Doch die Zahl der Sichtungen war zuletzt deutlich angestiegen, oft ohne dass ein Nest gefunden werden konnte. Seine Vermutung ist deshalb, dass viele Königinnen den Winter überlebt haben und jetzt in der Region unterwegs sind, um Nahrung und einen Ort für den Nestbau zu finden.
Bis zu 12 Kilo Insekten frisst ein Hornissenvolk
Aktuell sind vor allem Jungköniginnen unterwegs. In dieser Phase sind die Tiere nicht aggressiv. Sie kämpfen ums Überleben und wollen ein Volk gründen. Und jedes neue Volk wird zum Problem, denn es frisst im Schnitt rund 12 Kilogramm Insekten. Darunter Mücken, Bienen und Hummeln.
Gefahr von Ernteausfällen wegen asiatischer Hornisse
Das könnte weitreichende Folgen haben. "Wenn unsere Bestäuber wie Bienen und Hummeln ausfallen, trifft das nicht nur die Umwelt, sondern auch die Landwirtschaft und direkt unsere Ernährung", warnt Emser. Besonders betroffen wären Obstbauern, Landwirte und Gartenbesitzer, die auf Bienen und Hummeln als Bestäuber angewiesen sind.
Erste Auswirkungen werden nach Angaben des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau wohl zuerst die Imker spüren. Bei einer massenhaften Vermehrung sei die heimische Bienenpopulation bedroht, so der Verband.
Welcher Schutz vor aggressiven Hornissen?
Nicht die einzige Folge. Breitet sich die invasive Art weiter aus, müssen Beschäftigte in landwirtschaftlichen Betrieben vor der aggressiven Art geschützt werden. Denn bei einer versehentlichen Annäherung an ein Nest greifen die Tiere an. Deshalb finden bereits erste Informationsveranstaltungen statt. Die organisiert der Bauern- und Winzerverband.
Wetter begünstigt Ausbreitung der asiatischen Hornisse
Hornissenbekämpfer Carsten Emser weiß, dass er die Ausbreitung der Hornisse nicht mehr aufhalten kann. Wegen des warmen Wetters der vergangenen Wochen befürchtet der Experte sogar eine explosionsartige Vermehrung. Deshalb bittet er die Menschen in der Region Trier um Mithilfe.
Verwechslungsgefahr mit einheimischen Insekten
Jeder Hinweis auf ein Tier sei wichtig, um eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern, sagt Emser. Der Experte rät aber davon ab, entdeckte Tiere zu töten. "Die Verwechslungsgefahr mit heimischen Wespen, Hummeln oder Wildbienen ist riesig", erklärt Emser. Und jede verlorene Hummelkönigin bedeutet den Ausfall eines ganzen Volkes – mit spürbaren Folgen für das ökologische Gleichgewicht.
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Forscher vom Umwelt-Campus Birkenfeld haben eine neue Falle entwickelt, die selbst erkennt, welche Insekten in sie hinein krabbeln. Die Erfindung könnte auch Bauern zugutekommen.
Konkurrenz der Hornissen nutzen
Wer eine verdächtige Hornisse oder ein Nest sieht, sollte ein Foto machen und es melden. Die Tiere selbst sollten nicht bekämpft oder verscheucht werden. Das hat Gründe.
So kommt es bei der asiatischen Hornisse jetzt im Frühjahr zu regelrechten Revierkämpfen. Fremde Königinnen versuchen dann oft, ein Nest zu übernehmen. "Wir haben schon bis zu 13 tote Königinnen unter einem Gründungsnest gefunden", erzählt Emser. Er nutzt diesen natürlichen Konkurrenzkampf: So bleiben die Nester hängen, bis sie besiedelt und die ersten Tiere kurz vor dem Schlüpfen sind. Erst dann entfernt er das Nest.
Hornissen werden im Sommer aggressiver
"Jede tote Königin ist ein kleiner Erfolg", sagt Hornissenexperte Emser. In rund acht Wochen, wenn die nicht beseitigten Nester voll sind, kann es gefährlich werden, warnt Emser. Dann reagieren die Tiere sehr aggressiv und attackieren jeden, der sich dem Nest nährt.
Abstand halten ist das oberste Gebot, betont Emser immer wieder. Besser ist, die Tiere oder das Nest zu melden. Und auf keinen Fall selber eingreifen.