Hohe Temperaturen bedeuten im Rettungsdienst häufig: Dauereinsatz. Und für die Mitarbeiter damit keine Pause. An besonders heißen Tagen gibt es seit Juni in Freiburg daher eine Hydration Break - 15 Minuten Einsatzpause auf der Wache, im klimatisierten Aufenthaltsraum. Die zentrale Notruf-Leitstelle vergibt die Pausen bei Hitze, nur bei außergewöhnlichen Notfällen sollen diese unterbrochen werden. "Das ist ganz geil", findet Alina Peschers. Sie ist Notfallsanitäterin beim Malteser Hilfsdienst. Mindestens eine dieser Trinkpausen soll jedes Fahrzeug pro Schicht bekommen.
Möglich macht das eine Vereinbarung zwischen den Maltesern und dem Deutschen Roten Kreuz, die zusammen die Rettungswagen in Freiburg stellen. Dafür setzen die Hilfsdienste einen zusätzlichen Rettungswagen ein, im wöchentlichen Wechsel. Eine festgelegte Regel, wann eine Hydration Break angeboten wird, gebe es noch nicht, erklärt Alina. Auch die Finanzierung der Hitzepausen über die Krankenkassen sei noch offen, bisher finanzieren die Hilfsdienste den zusätzlichen Wagen selbst.
Stickige Hitze, Schwindel, Stürze: Die Notfallsanitäterinnen sind auf alles vorbereitet
Hitze ist im Rettungsdienst ein besonderes Thema. Wir haben die beiden Notfallsanitäterinnen Alina Peschers und ihre Kollegin Stephanie Dahlem für fünf Tage mit der Kamera in Freiburg begleitet. Nicht immer ist die Hitze der Grund für ihre Einsätze, aber sie spielt sehr oft eine Rolle.
Beispiel: Ein Mann aus einer Gemeinschaftsunterkunft für Obdachlose in der Freiburger Wiehre. In seinem Wohncontainer hält er es nicht mehr aus, auch wegen psychischer Vorerkrankungen. Einmal draußen, traut er sich nicht mehr rein. Hitze, Krankheit, beides spielt zusammen. "Es ist schwierig, eine passende Lösung für solche Patienten zu finden", erklärt Stephanie Dahlem. In diesem Fall können sie den Mann beruhigen, er geht danach zu seinem Arzt.
Am Freiburger Stadtrand liegt eine ältere Frau in ihrem Zimmer, es ist stickig und heiß. Sie hat immer wieder starken Schwindel, ihr ist übel. Bei diesem Einsatz wissen Alina und Stephi erst nicht: Ist es ein Schwächeanfall, oder doch ein kritisches Problem?
Neben Hitze-Notfällen läuft das übliche Rettungsdienstprogramm weiter
Wenn es nicht die Hitze ist, gibt es andere Schwierigkeiten. Ein Junge ist auf einem Schulausflug am Schauinsland. Aber die Luft bleibt ihm weg - er ist allergisch gegen Nüsse. Die Bergwacht Münstertal, ein Rettungshelikopter aus Basel und Alina und Stephi versuchen, so schnell wie möglich hoch auf den Berg zu kommen. Aber der Weg ist weit.
Ein "Frontside 360 mit Indy Grab" auf dem Skateboard - klingt nach einem komplizierten Trick, und ist der Grund für den Sturz des 24-jährigen Skaters, den Alina und Stephi im Freiburger Dietenbachpark verarzten. Häufig werden die beiden Notfallsanitäterinnen zu Stürzen gerufen - wegen Treppen, glatten Teppichen, Kreislauf-Problemen, oder risikosuchenden Skaterboys.
Kommunikation im Krisenfall braucht viel Feingefühl
Selten wissen Alina und Stephi, was sie bei einem Einsatz erwartet. Wundversorgung, Herzstillstand, Atemnot - medizinisch sind sie auf alles vorbereitet. Und doch ist es oft die Kommunikation mit ihren Patienten, die sie herausfordert. Manchmal sind es Sprachbarrieren, beim nächsten Einsatz ein psychischer Ausnahmezustand, der viel Feingefühl braucht. So wie bei dieser Nachtschicht.