Gelbe Zucchini, fast reife Tomaten und ganz viel sattes Grün. Zwischen all den Pflanzen ist in Freiburg ein Ort entstanden, an dem alle willkommen sind - egal welcher Herkunft und egal ob mit oder ohne Behinderung. Dieser Ort ist der inklusive und interkulturelle Gemeinschaftsgarten des Vereins "zusammen leben". Auch ein Projekt für junge Erwachsenen mit Behinderung hat hier seinen Platz. Ob es das Angebot aber auch kommendes Jahr noch gibt, ist ungewiss. Die Fördergelder laufen aus.
An einem wolkigen Sommertag im Gemeinschaftsgarten im Freiburger Stadtteil Vauban: Vier junge Männer mit Behinderung beginnen ihre Arbeit. Mit grünen Kisten in den Armen schwärmen sie in eine Ecke des Gartens aus. Heute auf ihrer Aufgabenliste: Gemüse ernten. Menschen aus der Nachbarschaft holen es später gegen eine Spende ab.
Ziel: Menschen mit Behinderung eine Chance geben
Jakob Dorn ist einer der vier Männer. Er macht sich über den Mangold her. Nach seinem Schulabschluss hat Dorn im Gemeinschaftsgarten einen Ort gefunden, an dem er seine Fähigkeiten voll einbringen kann. Die Arbeit macht ihm sichtlich Spaß. "Ich liebe halt Gartenarbeit. Und ich lerne richtig viel", sagt Dorn.
Genau das ist das Ziel. Die jungen Menschen sollen hier entdecken: Was macht mir Spaß? Was will ich zukünftig machen? Im Gemeinschaftsgarten können sie herausfinden, ob Gartenarbeit etwas für sie ist. Angeboten werden Praktika, ein inklusives Freiwilliges Soziales Jahr oder eine kurze Ausbildung. Die Koordinatorin des Gartens, Carolin Hajduk, findet: es fehlt an Angeboten wie diesen. Oft bekämen Menschen mit Behinderung nach Abschluss der Schule nicht die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren.
Inklusion und Integration gehen Hand in Hand
Der Gemeinschaftsgarten ist vor neun Jahren entstanden. Der Vater eines Kindes mit Behinderung wollte damals einen Ort schaffen, an dem sich sein Sohn wohl und willkommen fühlt. Ein Freundeskreis unterstützte ihn dabei. Der wollte außerdem etwas für die vielen Menschen tun, die 2015 auf ihrer Flucht nach Deutschland kamen. Aus der Initiative ist ein Begegnungsort entstanden, an dem Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen aufeinandertreffen.
Inzwischen gehören 350 Menschen zu dieser Gemeinschaft. Und auch für Nicht-Mitglieder steht die Gartentür tagsüber offen. Die Angebote im Garten sind vielfältig. Es gibt kostenlose kleine Beete für Menschen, die wenig Geld haben und einen großen Gemeinschaftsgarten. Regelmäßig gibt es außerdem Aktionstage mit gemeinsamem Essen, Konzerten oder Lesungen. Nach neun Jahren ist ein farbenfroh blühender Ort der Begegnung entstanden.
Zukunft des inklusives Idylls steht auf dem Spiel
An diesem Ort hat auch das Inklusionsprojekt seinen Platz - noch. Denn Jahr für Jahr steht es immer wieder auf der Kippe. Wie so viele Inklusionsprojekte ist nämlich auch die Inklusion im Gemeinschaftsgarten auf Fördergelder angewiesen.
Wir sind jetzt noch bis Ende des Jahres finanziert. Danach haben wir keine Gelder mehr.
Noch gibt es für das kommende Jahr kein Geld. Koordinatorin Hajduk versucht das momentan zu ändern. Ob es klappt - ungewiss. Und die Förderanträge fressen Zeit. Die würde Hajduk viel lieber nutzen, um das inklusive Angebot noch auszubauen.
Inklusiver Garten bringt junge Erwachsene in den Arbeitsmarkt
Sollten die Fördergelder tatsächlich ausbleiben, stehen zukünftig auch Erfolgsgeschichten wie die von Moritz Siepmann auf dem Spiel. Vor fünf Jahren hat er im inklusiven Gemeinschaftsgarten sein erstes Praktikum gemacht. Für ihn war es ein Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt. Inzwischen arbeitet er auf einem Abenteuerhof für Kinder gleich neben dem Gemeinschaftsgarten.
"Vom Praktikum bis zum FSJ und jetzt bis zum Festangestellten - das ist ein großer Schritt", sagt Siepmann stolz. Viel habe er hier gelernt. Dafür sei er sehr dankbar. Siepmann ist nicht der Einzige, der dank des Projekts eine Arbeit gefunden hat. Auch Dorn, der am frühen Morgen fleißig Mangold geerntet hat, ist inzwischen auf dem ersten Arbeitsmarkt angekommen.
Inklusives Projekt: Hoffen auf Fördergelder
Gerne würden man im Gemeinschaftsgarten noch vielen weiteren Jugendlichen so eine Chance bieten. Die Nachfrage nach den Inklusions-Plätzen ist riesig. Alle Beteiligten hoffen also, dass es doch noch gelingt, Fördergelder an Land zu ziehen. So könnte das Projekt auch kommendes Jahr noch weiterlaufen.