Das traditionelle Froschkuttelnessen in Riedlingen (Kreis Biberach)? Nach wie vor nur Männern vorbehalten. Auch in vielen Zünften dürfen ausschließlich Männer aktive Narren sein - und Ämter wie Zunftmeister, Narrenrat oder Häswart sind auch Männersache. Doch langsam beginnt sich etwas zu ändern. In Staufen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) passiert am 11. November 2025 etwas Historisches: 90 Jahre nach der Gründung der Schelmenzunft dürfen erstmals auch Frauen einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
In Staufen dürfen bald auch Frauen Schelmen werden
Blau-weißes Häs, Zipfelkappe, ein paar Glöckchen: So kommt der Schelm der gleichnamigen Zunft in Staufen daher. In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gehört er zu den wenigen Narrenfiguren, die ohne Maske auftreten. Zu sehen unter den Kappen? Nur Männergesichter. Doch das ändert sich nun. Bald könnten es auch Frauen sein.
Oberzunftmeister Andy Müller erklärt: "In dem Projekt 'Zukunft Zunft' haben wir uns intensiv über die Ausrichtung der Zunft beschäftigt". Er selbst sei dabei, wie er sagt, eine "Triebfeder" gewesen. Nach Jahren der Diskussion folgten dann Taten: Die Satzung der 1935 gegründeten Schelmenzunft, Nachfolgerin der Staufener Stubenhausgesellschaft von 1449, wurde überarbeitet. Aus dem früheren Passus "Jeder männliche Staufener darf eintreten" wurde "Jede natürliche Person darf eintreten".
"Lang gehegtem Wunsch" vieler Närrinnen nachgekommen
90 Jahre nach Gründung der Schelmenzunft dürfen nun auch Frauen das Häs überstreifen - eine Entscheidung, die nicht überall auf Zustimmung stößt. Innerhalb der Zunft, so berichtet Müller, stünden einige Mitglieder der Neuerung "nicht ganz so freudestrahlend" gegenüber. Dennoch sei es ein "lang gehegter Wunsch vieler Frauen" gewesen, selbst in die Rolle des Schelms - oder künftig der Schelmin - zu schlüpfen: zu hüpfen und zu springen.
Müller betont zudem eine zentrale Losung der Staufener Fasnet: "Von Zoten frei, sei Staufens Narretei." Das bedeute, so der Oberzunftmeister: "Man geht respektvoll miteinander um - darin sind wir uns, glaube ich, einig, egal welches Geschlecht."
Am 11. November 2025 wird der Weg offiziell frei. Rund 40 Frauen haben laut Müller bereits ihren Mitgliedsantrag gestellt. Bevor sie aktiv am Narrentreiben teilnehmen dürfen, müssen sie sich allerdings ein Jahr lang "bewähren" - etwa beim Auf- und Abbau der Hallenfastnacht mithelfen. Aufgaben, die viele von ihnen ohnehin schon seit Jahren übernehmen.
Kampagne 2025 Fastnacht in Mainz - Frauen auf dem Vormarsch
Jahrzehntelang war die Fastnacht in Mainz fest in Männerhand. Aber in dieser Kampagne sind deutlich mehr Frauen dabei.
Premiere: Bald eine Zunftmeisterin bei Weiler Narrenzunft?
Auch die Weiler Narrenzunft "Wiler Zipfel", die in ihren Zunftmeisterreihen bisher nur Männer hatte, bricht mit dieser Tradition. Beim Familienabend zum 11. November 2025 stand in der Weiler Jahnhalle mit Sarah Himmelsbach erstmals eine Frau in den Reihen der blau gekleideten Zunftmeister. Die 24-Jährige spielte in mehreren Bühnennummern mit und wurde vom Publikum dafür begeistert gefeiert.
Was die Männer können, können die Frauen sowieso.
Sarah Himmelsbach ist zunächst Anwärterin, könnte aber nach einer "Lehrzeit“ von höchstens fünf Jahren mal die erste Zunftmeisterin von Weil am Rhein (Kreis Lörrach) werden. Sie studiert an der Universität Freiburg.
Narrenverein nur mit Frauen am Bodensee
Ein Fastnachtsverein, in dem Männer außen vor bleiben? Ja, den gibt es - und zwar in Überlingen im Bodenseekreis. Gegründet wurde er am 11. November 1995 von zwei Schwestern - als Narrenverein nur für Frauen.
Ihre Figur ist keine Hexe - die traditionelle Frauenrolle in der schwäbisch-alemannischen Fasnet - sondern ein Löwe. Der Überlinger Löwe trägt ein rotes Fransenhäs, eine handgeschnitzte Holzmaske mit Messingkrone und Büffelhaar. Entstanden ist er laut Verein als Pendant zur Leitfigur der Überlinger Fasnet, dem Hänsele.