Mit minutenlangem Beifall wird Christina Grom von der Bühne verabschiedet. Seit diesem Jahr hat sie als erste Frau die prestigeträchtige Rolle als Protokollerin im Gonsenheimer Carneval Verein (GCV) übernommen.
Jahrelang hatte ihr Papa Erhard diese Aufgabe, jetzt steht die 38-Jährige in der Bütt, und das mit großem Erfolg.
"Ich bin ganz glücklich und beseelt, dass das alles so gut läuft", erzählt Christina Grom. Vor allem, dass das Publikum sie als Protokollerin so annehme, sei toll. Und das - zusätzlich zu ihrer Premiere - mache die Auftritte so besonders.
Erste reine Fastnachtssitzung von Frauen in Mainz
Was Christina Grom auch ein gutes Gefühl gibt: Dass sich immer mehr Frauen in der Meenzer Fassenacht engagieren, speziell auch in ihrem GCV. Da wurde nämlich ein ganz neues Format entwickelt.
Unter dem Titel GCVRAU fand die erste reine Frauensitzung statt. Und die wurde komplett von Frauen gestaltet. Männer waren zwar auch herzlich willkommen, hatten aber nur Platz im Publikum.
Sitzungspräsidentinnen bei Mainzer Vereinen
Über die steigende Zahl von aktiven Frauen freut sich auch Cathrin Tronser. Sie ist seit vielen Jahren Sitzungspräsidentin bei der Garde der Prinzessin und war immer ein bisschen Alleinkämpferin.
Jetzt bin ich nicht mehr die Fastnachts-Oma, sondern habe endlich viele tolle Frauen an meiner Seite.
Seit 2007 moderierte Tronser bereits bei Sitzungen ihrer Garde. 2019 wurde sie dann auch offiziell zur Sitzungspräsidentin. Das war schon etwas Besonderes bei einer Traditionsgarde in Mainz. Und es gab auch den einen oder anderen Aufruhr, berichtet sie. Am Ende komme es aber vor allem darauf an, ob man es könne.
Jetzt ist sie nicht mehr allein. Seit dieser Kampagne hat nämlich auch die Mainzer Husaren Garde eine Sitzungspräsidentin. Jennifer Will heißt sie und sie hat den Job von ihrem Vorgänger Horst Kau übernommen. Und nicht zu vergessen: Luise Bott. Sie ist seit der vergangenen Kampagne die erste alleinregierende Mainzer Kinderprinzessin.
Cathrin Tronser freut sich jedenfalls, dass immer mehr Frauen in der Fastnacht auftauchen. Denn auch die Garde der Prinzessin hat jetzt eine Protokollerin. Und so sei sie nicht mehr die Fastnachts-Oma, sagt Tronser augenzwinkernd.
Zweite Frauengarde - Mainzer Amazonen Corps
Und auch unter den Garden gibt es weiblichen Zuwachs. Elf Jahre lang waren "Die Gardinen" die einzige Frauen-Garde in Mainz. Seit dieser Kampagne gibt es mit dem Mainzer Amazonen Corps eine zweite.
Gründungsmitglied und Vizepräsidentin Johanna Wittker erzählt, wie es dazu kam. "Wir waren ein Kreis von Frauen, die schon viele Jahre gerne gemeinsam Fastnacht gefeiert haben. Da entstand dann zumindest die Idee, eine eigene Garde zu gründen", berichtet sie.
Ich kam nicht in die Kneipe, weil ich keine Uniform anhatte.
Ihr Schlüsselmoment sei vergangenes Jahr gewesen. "Am Fastnachtssonntag wollte ich in eine Weinkneipe. Da kam ich aber nicht rein, weil ich keine Uniform anhatte. Da war ich so sauer, dass ich gesagt habe: Jetzt reicht's!"
Am selben Abend noch hätten sie sich dann zusammengesetzt und die Garde einfach gegründet, erzählt Johanna Wittker. 37 Frauen sind seitdem in der neuen Garde und auch hier dürfen es gerne noch mehr werden.