Mehr als 60 Schülerinnen und Schüler sind am Dienstag auf allen Stockwerken im SWR Studio Freiburg unterwegs. Das Newscamp im Rahmen der ARD-Aktionstage zur Pressefreiheit findet in Kooperation mit der Medienkompetenzinitiative #UseTheNews statt, zusammen mit der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), bigFM, Baden.FM und Baden TV Süd.
Die Jugendlichen nehmen selbst im Studio Nachrichten auf, sie produzieren Reels und interviewen einen ARD-Auslandskorrespondenten. Es geht um Medienkompetenz, die Bedeutung von Pressefreiheit, verlässliche und faktenbasierte Informationen und den Arbeitsalltag von Journalistinnen und Journalisten.
Was sagt der ARD-Korrespondent zu den Schülerprotesten in der Türkei?
In einem Live-Gespräch, zu dem der ARD-Korrespondent Benjamin Weber aus Istanbul zugeschaltet wird, erzählt er von seiner Arbeit als Auslandskorrespondent in der Türkei. Dort demonstrieren seit Mitte März viele - vor allem junge Menschen - gegen die Verhaftung des Istanbuler Oberbürgermeisters İmamoğlu. Dafür riskierten sie viel, sagt Benjamin Weber, junge Demonstrantinnen und Demonstranten kommen ins Gefängnis, müssen sich vor Gericht verantworten.
Den jungen Menschen in der Türkei gehe es um mehr als den Instanbuler Bürgermeister von der oppositionellen CHP, der als Rivale von Präsident Erdoğan gilt, meint Weber. Sie wünschten sich mehr Gerechtigkeit, Freiheit, Demokratie und eine stärkere Wirtschaft. Weber erzählt den Jugendlichen aber auch, wie er selbst das Erdbeben vor kurzem in Istanbul erlebt hat. Und sie wollen wissen, wieso er überhaupt Türkei-Korrespondent geworden ist: "Auch wenn's kitschig klingt", sagt Weber, "ich habe mich im Studium beim Erasmus-Austausch in die Stadt Istanbul verliebt."
Newscamp Freiburg: Demokratien brauchen Pressefreiheit
Wenige Tage vor dem Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai machen sich die Schülerinnen und Schüler im Newscamp Gedanken über die Bedeutung freier Berichterstattung. Der Staat sollte nicht kontrollieren, was Medien berichten, meinen sie und wünschen sich ein buntes Meinungsbild für die Demokratie. Eine Schülerin aus Russland erinnert, dass es dort eben keine Pressefreiheit gebe. Sie schätze es sehr, sich in Deutschland ohne Probleme über alles informieren zu können.
Auf der Weltkarte zur Pressefreiheit, die Reporter ohne Grenzen jährlich zum 3. Mai aktualisiert, sehen die Jugendlichen, wie ernst die Lage in vielen Ländern der Welt ist. Die Organisation dokumentiert unter anderem, wie viele Medienschaffende wegen ihrer Arbeit ums Leben kommen, verhaftet oder entführt werden.
Informationen überprüfen - Fake News erkennen
SWR-Studioleiter Christoph Ebner erklärt den Unterschied zwischen Fehlern in den Nachrichten, die Journalisten versehentlich passieren, und Fake News, die zu Propaganda-Zwecken absichtlich in die Welt gesetzt werden. In Workshops erfahren die Jugendlichen, wie Journalistinnen und Journalisten Fakten checken und Behauptungen und Bilder kritisch hinterfragen. Owusu Künzel und Louise Schöneshöfer vom SWR bieten praktische Einblicke in ihre Arbeit als Regionalreporter.
Tobias Rümmele vom kommerziellen Sender Baden FM geht auf Beispiele umstrittener Berichterstattung ein. Was etwa darf oder sollte berichtet werden über Rammstein-Frontmann Till Lindemann, dem sexuelle Übergriffe auf Fans vorgeworfen werden, die er wiederum bestreitet? Und wie beurteilen Gerichte die Berichterstattung darüber? Die Jugendlichen diskutieren auch mit Sarah Kailuweit vom Privatsender bigFM über journalistische Grundregeln. Bei Jan Steegmüller von Baden TV Süd geht es um Desinformationen und Deepfake im Bewegtbild.