Neuanfang nach Feuer

"Glück im Unglück" nach Großbrand in Villingen - wie für Marga Grießhaber ein Traum wahr wird

Nach dem Großbrand in Villingen ist in ihrem Teeladen kaum noch etwas zu retten. Wie es für Marga Grießhaber weitergeht und warum sie heute von "Glück im Unglück" spricht.

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Stand

Von Autor/in Samantha Happ

Bei einem Großbrand in der historischen Villinger Innenstadt (Schwarzwald-Baar-Kreis) sind am 14. Juni 2025 sechs Häuser teilweise oder vollständig zerstört worden. 35 Menschen verloren in dieser Nacht ihr Zuhause - und Marga Grießhaber nach 19 Jahren ihr Teegeschäft.

Löschwasser richtete massive Schäden an

Ihr Teegeschäft wurde bei dem Brand zwar von den Flammen verschont - nicht jedoch von den Massen an Löschwasser. Wo die Kombination aus Wasser und Tee ihr sonst den Lebensunterhalt sicherte, hinterlässt sie in der Nacht des Feuers eine Spur der Zerstörung.

"Die Lager waren voll, wir hatten schon die ganze Ware für das Weihnachtsgeschäft", erzählt sie und blickt am Brandort über die Absperrung hinweg in Richtung ihres früheren Geschäfts. Den Bereich zu betreten ist verboten, einige der Häuser sind seit dem Feuer einsturzgefährdet.

Einer der Lagerräume des Teeladens nach dem Großbrand in Villingen.
Fotos auf Marga Grießhabers Handy zeigen die Zerstörung durch das Löschwasser in einem ihrer Lagerräume. Jochen Sühlberg

"Aus dem Laden konnten wir nur noch unsere Dekosachen mitnehmen - Porzellan zum Beispiel oder Teekannen in Originalverpackungen, die absolut nicht mit Wasser in Berührung gekommen sind." Wehmütig erinnert sie sich an die in feinster Schreinerarbeit gefertigte Verkaufstheke in dem Geschäft, in dem sie so viele Jahre ihre Kundschaft bedient hat. Durch die Feuchtigkeit hat sich inzwischen überall Schimmel gebildet.

Feuer in Villinger Innenstadt breitete sich aus

Den Abend im Juni wird Marga Grießhaber vermutlich nie vergessen. Ihr Sohn hatte sie angerufen und erzählt, dass es brennt. "Ich bin dann gleich hingefahren", erinnert sich Grießhaber heute.

Es war ganz ganz schrecklich. Es war ein richtiger Schock - weil ich wusste, dass Menschen in dem Haus leben.

Sie habe der Feuerwehr den Schlüssel für ihr Geschäft in die Hand gedrückt und sei dann wieder gegangen. "Ich konnte mir das nicht anschauen, der Laden war einfach meins. Das tat entsetzlich weh." Nach dem Brand aufzuhören, wäre wohl das Einfachste gewesen. Doch Marga Grießhaber entscheidet sich dagegen. "Ich konnte einfach so nicht aufhören."

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Neueröffnung des Teeladens in der Villinger Fußgängerzone

Fast genau zwei Monate nach dem Feuer eröffnet sie ihren Laden wieder, allerdings an einem neuen Standort. Das Citymanagement der Stadt Villingen-Schwenningen hatte ihr bei der Suche nach einem neuen Geschäft geholfen. Und offenbar genau das Richtige gefunden - mitten in der Villinger Fußgängerzone. Denn schon vor 19 Jahren träumte Marga Grießhaber davon, in den Laden mit den fast bodentiefen, holzgerahmten Fenstern einzuziehen.

Für mich ist es tatsächlich Glück im Unglück.

"Es war immer mein Traumladen." Doch damals sei das nicht möglich gewesen. "Dass ich unter solch tragischen Umständen jetzt tatsächlich dieses Geschäft hier eröffnen kann, ist schon was ganz, ganz Besonderes", so Grießhaber.

In gerade einmal vier Wochen haben sie, ihr Team und ihre Familie das Geschäft neu aufgebaut. "Hätte ich nicht mein Team und meine Familie gehabt, die mich so tatkräftig unterstützen, hätte ich das körperlich und von der Psyche her überhaupt gar nicht verkraftet", gibt sie deutlich gerührt zu.

Marga Grießhaber begrüßt die Kundschaft in an ihrem neuen Standort
Für viele Kundinnen und Kunden ist das Geschäft von Marga Grießhaber ein geschätzter Ort der Begegnung. Jochen Sühlberg

Improvisationstalent haben sie dabei jedenfalls bewiesen: Alte Türen wurden kurzerhand zu Tischen umfunktioniert, auf denen sie nun ihre Tassen, Teekannen und Dekoartikel präsentiert.

Ort der Begegnung in Villingen-Schwenningen

Auch noch Tage nach der Neueröffnung bringen Kundinnen und Kunden Blumen, Geschenke und selbstgemalte Bilder von Kindern vorbei. "Ich hätte es mir nicht besser wünschen können. Seit der Eröffnung werden wir hier fast schon überrannt", freut sich die Ladeninhaberin. Ob um Tee-Nachschub zu kaufen, Glückwünsche zu übermitteln oder bei sommerlichen Temperaturen einen kaltgebrauten Tee zu trinken - der Andrang ist groß.

Die vergangenen Wochen haben Marga Grießhaber vor allem eines deutlich gemacht: "Ich habe gesehen, was für eine Bedeutung mein Geschäft für meine Kundschaft hat." Denn der Laden ist mehr als nur ein Geschäft - er ist für viele ein Ort der Begegnung.

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Samantha Happ
SWR Redakteurin und Reporterin Samantha Happ

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