Mit Sprechchören, Gesang und Redebeiträgen haben sich am Mittwochnachmittag am Platz der Alten Synagoge in Freiburg rund 150 Demonstrierende mit den Menschen im Iran solidarisiert. Der Deutsch-Iranische Verein Freiburg hatte zu der Kundgebung aufgerufen. Auch der Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn spricht sich für die Zivilbevölkerung im Iran aus.
"Wir wollen die Stimme für die Menschen im Iran sein"
Viele der Demonstrierenden haben Familie oder Freunde im Iran. Entsprechend emotional war die Stimmung bei der Kundgebung. Solidarität zu bekunden und internationale Unterstützung zu fordern sei das Mindeste, was sie von hier aus tun könne, so eine Demonstrantin. Mit Plakaten sprachen sich einige Teilnehmende gegen das Chamenei-Regime und gegen die Internetblockade im Iran aus. Die Kundgebung auf dem Platz der Alten Synagoge verlief laut Polizeiangaben friedlich.
Auch der Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn hat sich am Dienstag solidarisch mit den Menschen im Iran gezeigt. In den sozialen Medien betonte er, die Bevölkerung gehe für "Würde, Freiheit und ein Leben ohne Unterdrückung" auf die Straße.
Massivere Reaktion des Regimes im Iran
Nach Einschätzung des Freiburger Islamwissenschaftlers Tim Epkenhans liegt das Novum der aktuellen Proteste im Iran vor allem in der Eskalation der staatlichen Gewalt. Das Regime habe auch bei früheren Protestbewegungen brutal reagiert. Doch diesmal gehe der Staat noch weiter.
Das Neue ist diese noch größere Polarisierung in der Gesellschaft.
Das zeige sich vor allem durch die viel massivere Reaktion des Regimes und auch die politische Propaganda, die die Protestierenden als Terroristen darstelle, sagt Tim Epkenhans. Hinzu kämen Schauprozesse unmittelbar nach Demonstrationen. Epkenhans rechnet deshalb kurzfristig nicht mit einem politischen Umbruch. Für einen Wandel bräuchte es Risse im Machtapparat, etwa innerhalb der Revolutionsgarden. Diese seien derzeit aber nicht erkennbar, so der Experte.
Freiburg und Isfahan - Verantwortung trotz eingefrorener Kontakte
Als einzige deutsche Stadt hat Freiburg seit dem Jahr 2000 eine Städtepartnerschaft mit einer iranischen Stadt. Seit den massiven Menschenrechtsverletzungen im Iran, insbesondere seit Herbst 2022, liegen die offiziellen politischen Kontakte mit der Stadt Isfahan jedoch auf Eis. Der Freiburger Gemeinderat beschloss Ende Januar 2023 eine entsprechende Resolution.
Für Islamwissenschaftler Epkenhans ergibt sich daraus dennoch eine klare Verantwortung - gerade gegenüber der Zivilgesellschaft in Isfahan. Er betont, dass es genau diese Akteure gewesen seien, die die Partnerschaft getragen hätten und die vom iranischen Regime stets kritisch beäugt worden seien. "Die Personen, die diese Städtepartnerschaft von iranischer Seite mitgestaltet haben, sind genau die Teile der Gesellschaft, die wir ansprechen wollen: engagierte Bürgerinnen und Bürger, die den Iran verändern wollten", sagt Tim Epkenhans.
Solche Partnerschaften hätten geholfen, gegenseitige Stereotype auf beiden Seiten aufzubrechen. Umso wichtiger sei es nun, die Solidarität nicht abbrechen zu lassen, auch wenn offizielle Kanäle blockiert seien, so der Freiburger Islamwissenschaftler.